Bayer Leverkusens Frauen - mit Strategie raus aus dem Fahrstuhl

Trainer Achim Feifel (l.) und Stürmerin Milena Nikolic von Bayer Leverkusens Frauen

Bayer Leverkusens Frauen - mit Strategie raus aus dem Fahrstuhl

Von Julian Tilders

Aus den Niederungen der Frauen-Bundesliga will sich Bayer Leverkusen langfristig befreien und oben mitspielen. Das funktioniert: Aktuell ist sogar der Europa-Pokal in Schlagdistanz.

Achim Feifel ist kein Träumer. Der Trainer von Bayer 04 Leverkusens Frauenteam weiß zwar, dass im Saisonendspurt der Bundesliga noch die Qualifikation für die Champions League möglich ist. "Diese Träume stellen wir hinten an", winkt der 56-Jährige im WDR-Gespräch aber erst einmal ab und ergänzt: "Vor dieser Saison hat sich die Mannschaft das Ziel gesetzt, Sechster zu werden."

Jahrelang der Underdog, nun die Überraschung

Ein auf den ersten Blick immer noch ambitioniertes Ziel für ein Team, dass in den vergangenen zehn Jahren dreimal Drittletzter und zweimal Vorletzter wurde und zwei Jahre in der 2. Liga verbracht hat.

In dieser Saison sieht jedoch alles anders aus: Die Leverkusenerinnen belegen mit fünf Punkten Abstand auf die Champions-League-Ränge Platz fünf. Noch fünf Partien sind zu spielen, 15 Zähler zu vergeben, im Schlussprogramm wartet von den Schwergewichten nur noch Bayern München.

"Siegermentalität" entscheidet enge Spiele

"Die Neuzugänge sind eingeschlagen und haben uns fußballerisch wie von der Siegermentalität her verstärkt", so Feifel. Fünf Spielerinnen verließen den Klub vor der Saison, acht kamen, unter anderem Abwehrfrau Lilla Turanyi, die bisher keine Minute verpasst hat.

Neu sei auch, dass Bayer viele enge Spiele nun für sich entscheide, etwa wie beim 3:2-Sieg über Eintracht Frankfurt. "Es ist wichtig, dass man sich nicht wie im Vorjahr bei einem Rückstand aus dem Konzept bringen lässt", betont der Coach.

Aus Nikolic/Rudelic mach Nikolic/Tanaka

Großen Anteil am Erfolg hat Milena Nikolic. Sie hat bisher über ein Drittel (zehn Treffer) der Bayer-Tore (27) selbst erzielt, dabei zog es ihre Sturmpartnerin Ivana Rudelic im Winter nach München. "Letztes Jahr hat Nikolic die Lücken gerissen, Rudelic die Tore gemacht, dieses Jahr ist es andersherum", erklärt der Trainer.

Im Winter wurde als Ersatz Mina Tanaka von INAC Kobe Leonessa ausgeliehen. Die Asienmeisterin von 2018 wird von Feifel hochgeschätzt: "Sie ist eine technisch starke Fußballerin, die zu Nikolic im Zusammenwirken sogar noch besser passt, weil sie sie noch mehr ergänzt."

Ex-Werder-Manager Eichin plant die Zukunft

Verantwortlich für die Transfers, auch für den bevorstehenden Wechsel von Top-Torhüterin Friederike Abt (Wolfsburg) ist Thomas Eichin. Er war mehrere Jahre bei Werder Bremen und 1860 München als Manager tätig.

"Durch ihn kommt mehr Dynamik rein, auch im Scouting. Er kommt aus dem Männerbereich, diese Erfahrung tut uns gut", sagt Feifel: "Er hat sich auf die Fahne geschrieben, eine Mannschaft zu formen, die oben mitspielen kann." Feifels eigener Vertrag läuft aus - aktuell befinde man sich Gesprächen.

Blick nach England und auf die Männer

Langfristig erhofft sich Feifel eine Entwicklung des deutschen Frauenfußballs hin zu englischen Verhältnissen. Auf der Insel seien die Zustände ein Vorbild, speziell die Gesamtvermarktung unter einem Dach mit den Männern: "Deutschland muss aufpassen, die Entwicklung nicht zu verschlafen. Deswegen ist eine Professionalisierung wichtig. In England müssen Spielerinnen nicht noch den ganzen Tag arbeiten."

Dass gemeinsame Sache mit den Männern sportlich auch von Vorteil sein könne, betont Feifel mit Blick auf die Nachwuchsarbeit: "Talente sollen ruhig so lange wie möglich in ihrer Nähe beim Lokalverein mit den Jungs spielen und müssen nicht zu früh zu einem Bundesligisten wechseln, wo die Anfahrt ellenlang ist." Wobei vielversprechende Talente in Zukunft wohl auch Teil des Bayer-Plans sein müssen, um sich langfristig unter den Top-Klubs zu etablieren.

DFB-Frauen: Talente überzeugen beim Sieg gegen Norwegen Morgenmagazin 14.04.2021 01:30 Min. Verfügbar bis 14.04.2022 Das Erste Von Patrick Halatsch

Stand: 15.04.2021, 14:22