Homosexuelle im Fußball: Philipp Lahm warnt vor Coming-Out

Homosexuelle im Fußball: Philipp Lahm warnt vor Coming-Out

Homosexuelle Fußballer sollten sich lieber nicht outen, warnt Ex-Nationalspieler Philipp Lahm. Viele Fußball-Fans kritisieren ihn dafür scharf - und solidarisieren sich in einer großen Aktion.

Das Buch ist noch gar nicht auf dem Markt und sorgt doch schon für Aufsehen. Denn Philipp Lahm, Ex-Nationalspieler und Autor, lässt sich in "Das Spiel: Die Welt des Fußballs" nicht nur über die mangelnden Fähigkeiten von Trainer Felix Magath aus. Er warnt auch alle homosexuellen Profis davor, sich zu outen - jedenfalls solange sie noch aktiv sind.

Derzeit seien "die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga zu wagen und halbwegs unbeschadet davonzukommen", schreibt Lahm. Denn sowohl im Fußball als auch im Umfeld würde es vermutlich an Akzeptanz fehlen - sogar im eigenen Team und bei den Fans, erst recht bei den Gegnern. "Gebrüllte Beleidigungen, Beschimpfungen und diffamierende Äußerungen" wären die Folge: "Wer würde das aushalten?"

Justin Fashanu: Fatales Coming-Out

Britischer Fußballprofi Justin Fashanu lächelnd in Freizeitkleidung

Starb mit 37: Justin Fashanu

Wie schwer das auszuhalten sein kann, zeigt die Geschichte von Justin Fashanu. Der englische Stürmer war der erste Spieler im bezahlten Fußball, der sich zu seiner Homosexualität bekannte. Danach gibt es mit seiner Karriere steil bergab, 1998 nahm er sich das Leben. Viel hat sich seitdem nicht geändert. Auch Thomas Hitzlsperger wartete mit seinem Coming-Out, bis er seine Profi-Karriere beendet hatte. Das war 2014. "Lebensklug" sei das gewesen, sagt Lahm.

User: Lahm hätte sich auch solidarisieren können

Die Reaktionen auf Lahms Äußerungen kamen schnell und oft scharf. Einige User weisen zwar darauf hin, dass Lahm kein Problem mit Homosexuellen hat. B.A.F.F. zum Beispiel nennt Lahms Foto auf einem Gay-Magazin aus dem Jahr 2007, "als kaum sonst ein Fußballer das Thema mit einer Kneifzange angepackt hätte":

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Aber sonst gibt es im Netz unter dem Hashtag Lahm viel Kritik. User wie der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann stören sich vor allem daran, dass er nicht die Chance ergriffen hat, die versteckten Homosexuellen im Profisport zu unterstützen.

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#ihrkönntaufunszählen: 800 Profis solidarisieren sich

Philipp Köster

Philipp Köster: "Es passiert nichts Schlimmes"

Stattdessen, schreibt Lehmann, hätte Lahm schwule Fußballer ermutigen können - wie es viele seiner Kollegen im Magazin "11 Freunde" getan hätten. Die Macher des Magazins haben Profis gebeten, sich mit Unterschrift und Statements an einer Solidaritätsaktion zu beteiligen. "Wir haben das Jahr 2021, und es gibt keinen einzigen offen homosexuellen Fußballspieler in der Bundesliga", kritisiert Chefredakteur Philipp Köster im WDR-Fernsehen. "Die Pflicht ist nicht bei den Profis, sondern bei all den anderen: ein sicheres Umfeld zu schaffen, ihnen Ermutigung zu geben und zu sagen, es passiert nichts Schlimmes - ihr dürft natürlich eure sexuelle Identität ausleben und könnt trotzdem Fußball spielen."

800 Sportler haben bei #ihrkönntaufunszählen mitgemacht, darunter Dedryck Boyata, Almuth Schult und Max Kruse. Die Macher hatten die Aktion lange geplant, betonen sie, sie seien wegen Lahms Äußerungen einfach früher ins Netz gegangen. Höchste Zeit, findet etwa dieser User: "Von alleine ändert sich nichts."

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Stand: 17.02.2021, 20:25