Leverkusens Torschütze Moussa Diaby präsentiert sich in diesem Jahr in Topform.

Fußball | Europa League

Stark und selbstbewusst: Wie weit geht es für Bayer in der Europa League?

Stand: 10.03.2022, 07:00 Uhr

Ist Bayer Leverkusen reif für den Europa-League-Titel? Ja, sagt ein Blick auf die aktuelle Form des Fußball-Bundesligisten. Die Vergangenheit lässt da allerdings weniger Euphorie zu.

Von Cora Lanzerath

Lang, lang ist’s her: Vor fast 30 Jahren durfte Bayer Leverkusen mit dem Sieg im DFB-Pokal den bisher letzten Titel bejubeln. Seitdem war die Werkself oft nah dran, der ganz große Wurf gelang aber nicht mehr. Fünf zweite Plätze in der Fußball-Bundesliga und drei verlorene Finalspiele brachten Bayer den Spitznamen "Vizekusen" ein.

Dieser Titel-Fluch soll nun beendet werden - und dazu bleibt den Rheinländern realistisch gesehen noch eine Möglichkeit: die Europa League. Zwar werden Leverkusen von den Buchmachern maximal Außenseiterchancen eingeräumt, doch es gibt durchaus Gründe, die den Bayer-Fans Hoffnung machen dürften.

Seoane ist kein Vize-Trainer

Da wäre allen voran Gerardo Seoane. Der Schweizer will immer gewinnen. Diesen Anspruch lebt er täglich vor, ohne seine Mannschaft dabei unter Druck zu setzen. Das Ergebnis: Leverkusen überzeugt in dieser Saison mit Geschwindigkeit, Disziplin und Technik.

Zudem hat Seoane bei einigen Spielern eine beachtliche Steigerung erwirkt: Offensivkünstler Moussa Diaby etwa hat erkannt, dass es auch einen Rückwärtsgang gibt. Abwehrchef Jonathan Tah spielt wohl seine beste Saison seit Jahren, und die Doppelsechs mit Robert Andrich und Kerem Demirbay funktioniert hervorragend.

"Wir sind gewachsen durch den Trainer. Das war ein Prozess über Monate", sagte Demirbay, der allerdings wegen einer Sperre das Europa-League-Hinspiel am Donnerstag bei Atalanta Bergamo verpasst.

Führung ohne Altlasten

Auch in der Leverkusener Führungsebene herrscht Aufbruchsstimmung. Die Generation "nach Völler" traut sich zumindest intern, den Wunsch nach einem Titel offen anzusprechen. Schließlich müssen sie sich - im Gegensatz zum scheidenden Sportchef Rudi Völler - auch nicht bei jeder Gelegenheit für die vielen Negativ-Erlebnisse der vergangenen Jahre rechtfertigen.

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Sie können die "Mission Titel" also unvoreingenommen angehen. Allerdings wartet mit Atalanta gleich ein echter Prüfstein auf Bayer. Die Italiener haben sich in den vergangenen Jahren von einer Fahrstuhlmannschaft zu einem echten Spitzenteam der Serie A gemausert und gelten als Geheimfavorit in der Europa League.

Viele gute Mannschaften - aber kein echter Favorit

Überhaupt gibt es in der Runde der letzten 16 keinen wirklich "kleinen" Gegner mehr. Übermächtig erscheint für die die Leverkusener in ihrer aktuellen Form aber auch keiner.

Spitzenklub FC Barcelona machte in der Champions League nicht den stabilsten Eindruck und schied am Ende aus der Bayern-Gruppe aus. Auch der FC Sevilla, mit vier Titeln Rekord-Europa-League-Sieger, ist nicht zu unterschätzen, zeigte sich international in dieser Saison aber auch alles andere als unschlagbar.

Und dann wären da noch die Konkurrenten aus der eigenen Liga. Eintracht Frankfurt etwa hat beim 5:2-Erfolg im Hinspiel eindrucksvoll vorgemacht, wie man die Werkself stoppen kann. Seit der Winterpause aber haben sich die Leverkusener auf sehr hohem Niveau stabilisiert. Das zeigen die Ergebnisse mit fünf Siegen in den vergangenen sieben Spielen.

Grusel-Bilanz der deutschen Teams

So ist Bayer nun also ein ernstzunehmender Kandidat, die gruselige Europa-League-Serie der deutschen Klubs zu beenden. Seit 2009 gibt es den Nachfolgerwettbewerb des UEFA-Cups - noch nie schaffte es ein Verein aus der Bundesliga ins Finale.

Davon sind natürlich auch die Rheinländer noch ein Stück entfernt. Immerhin können sie sich aber schonmal darüber freuen, weiter gekommen zu sein als in der vergangenen Spielzeit. Damals scheiterte man im Sechzehntelfinale an den Young Boys Bern. Trainer bei den Schweizern damals: Gerardo Seoane.