Julian Brandt - ein Dortmunder auf Formsuche

Enttäuschter Julian Brandt

Julian Brandt - ein Dortmunder auf Formsuche

Von Michael Buchartz

Nationalspieler Julian Brandt enttäuscht bislang beim BVB in dieser Spielzeit. Doch ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein Bayer Leverkusen könnte es eine erneute Bewährungschance für ihn geben.

Wenn am Dienstag Bayer Leverkusen in der Bundesliga auf Borussia Dortmund trifft, wird sich ein Schwarz-Gelber sicherlich sehr gut an den Gegner des BVB erinnern: Julian Brandt. Der 24-Jährige spielte jahrelang für Bayer, schaffte dort seinen Durchbruch in der Bundesliga und avancierte sogar zum Nationalspieler. Doch aktuell läuft er seiner Form hinterher - und hinterlässt viele offene Fragen bei seinem jetzigen Arbeitgeber.

Brandt mit guter erster BVB-Saison

Die Schwarz-Gelben hatten den hochtalentierten Edel-Techniker 2019 aus Leverkusen für 25 Millionen Euro verpflichtet. "Wir haben Brandt", wurde damals hoffnungsvoll vom BVB getitelt. Der offensive Mittelfeldspieler besitzt alle Anlagen für eine herausragende Karriere und bestätigte nach dem Wechsel vorerst, warum der Revierklub ihn geholt hatte: In der ersten Saison gelangen ihm unter Ex-Trainer Lucien Favre starke 20 Scorerpunkte.

Viel ist von dieser Form nun jedoch nicht mehr zu sehen: Nur dreimal stand er in dieser Spielzeit in der Startelf. Eine Vorlage ist ihm gelungen. Zu wenig für einen Mann mit seinen Fähigkeiten. Beim enttäuschenden 1:1 gegen Mainz am vergangenen Sonntag durfte er sich mal wieder 90 Minuten beweisen - nutzen konnte er diese Chance nicht.

Kritik am Nationalspieler wird lauter

Mit 18 Prozent Fehlpassquote fand er gegen Mainz weniger den eigenen Mann als fast jeder andere Teamkollege. Der Statistik-Vergleich zur Bayer-Zeit belegt deutlich die fehlende Weiterentwicklung des 24-Jährigen. War er bei Leverkusen noch in knapp jedem zweiten Bundesliga-Spiel an einem Tor beteiligt, braucht er beim BVB vier Partien für eine Torbeteiligung. Ein Wert, der zudem noch geschönt ist von der starken ersten Dortmunder Spielzeit.

Fans wie auch Verantwortliche übten zuletzt zunehmend Kritik. "Wenn die zur EM wollen, dann müssen Emre Can, Julian Brandt oder Nico Schulz in ihren Leistungen zulegen", führte beispielweise Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Kicker-Interview aus. Sogar über einen Winter-Wechsel zum FC Arsenal wurde von einigen Medien spekuliert - das dementierte der deutsche Vizemeister. Coach Edin Terzic betont: "Er ist ein hervorragender Spieler und wir sind froh, ihn zu haben."

Verletzungssorgen eröffnen Chancen

Dennoch muss sich der BVB fragen, wie er mit dem Nationalspieler, der bis 2024 an den Klub gebunden ist, weiter umgehen will. "Wir versuchen ihn im Training zu unterstützen, sodass er auch wieder besser seine Fähigkeiten ausspielen kann", sagte Trainer Terzic über die Formkrise des Mittelfeldspielers.

Ausgerechnet die langwierige Verletzung des Belgiers Axel Witsel könnte für den Ex-Leverkusener die Gelegenheit zur Eigenwerbung eröffnen. Denn die anderen Kader-Konkurrenten wie Jadon Sancho, Marco Reus oder Mohammed Dahoud überzeugen ebenfalls nur bedingt. Emre Can ist gegen Bayer gesperrt und Giovanni Reyna äußerst fraglich. "Er steigt erst heute ins Training ein", so Terzic einen Tag vor der Partie. Da bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten: Für Brandt könnte es somit ausgerechnet beim Ex-Klub Leverkusen die nächste Bewährungschance geben.

Terzic über Brandt: "Dass er ganz schnell wieder Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten bekommt" Sportschau 18.01.2021 01:01 Min. Verfügbar bis 18.01.2022 Das Erste

Stand: 18.01.2021, 15:03