Kölns Trainer Steffen Baumgart (l.) und Geschäftsführer Christian Keller

1. FC Köln - mit hohen Schulden nach Europa

Stand: 02.08.2022, 15:02 Uhr

Der 1. FC Köln hat eine spannende Saison vor sich: Finanziell stark gebeutelt ist das internationale Geschäft zum Greifen nah. Den ersten Dämpfer gab es allerdings bereits in der ersten Pokal-Runde.

Von Jakob Halbfas

Die Führungsriege hat beim 1. FC Köln in dieser Saison allerhand zu tun. Finanzielle Altlasten und Folgen der Pandemie haben die Kaderplanung erheblich erschwert. Sportlich freut sich die ganze Stadt auf das nächste europäische Abenteuer.

So lief die vergangene Saison

Mit Steffen Baumgart als Trainer stand der Ligaverbleib schon am 29. Spieltag fest. Nach der späten Rettung im Jahr zuvor, als der sich der FC erst in der Relegation sichern konnte, war der frühe Klassenerhalt eine Genugtuung.

Der Saisonstart verlief für den 1. FC Köln dabei allerdings holprig. In der ersten Runde des DFB-Pokal setzten sich die Rheinländer gegen Viertligist Jena erst im Elfmeterschießen durch. In der Liga sah Steffen Baumgart einen soliden Start in die neue Spielzeit. In den ersten sieben Spielen verlor Köln nur gegen Bayern München. Auch dank eines 4:1-Derbysieges gegen Borussia Mönchengladbach hatte der FC zum Ende der Hinrunde schon 25 Punkte auf dem Konto und belegte Platz acht.

Die Kölner bejubeln den Derby-Sieg gegen Gladbach

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Zu Beginn des Jahres folgte dann im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV ein ganz unglückliches Kapitel. Im Elfmeterschießen schoss sich Florian Kainz im entscheidenden Versuch den Ball selbst an den Fuß – Köln schied aus. In der Liga wechselten sich bis zum 29. Spieltag Sieg, Niederlage und Remis ab. Nachdem Köln gegen Mainz noch aus einem 0:2 ein 3:2 machte, stand der Klassenerhalt schon fünf Spieltage vor Schluss fest. Von der Euphorie beflügelt gewann der 1. FC Köln auch das zweite Derby gegen Gladbach (3:1) und holte vier Siege in Folge.

Ausgerechnet Bayer Leverkusen sicherte den Kölnern mit einem Sieg gegen die TSG Hoffenheim am 33. Spieltag den Einzug in den europäischen Wettbewerb.

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Sportschau 07.05.2022 02:34 Min. Verfügbar bis 07.05.2023 ARD Von Anne van Eickels


Wer kommt, wer geht

Der neue Geschäftsführer Sport Christian Keller hat gleich in seinem ersten Jahr in Köln ein extrem schwieriges Transferfenster zu bewältigen. Aufgrund der großen finanziellen Sorgen muss der Klub seine Personalausgaben um 20 Prozent reduzieren. Keller sprach nach seinem Amtsantritt von einer "großen Sanierungsaufgabe" und betonte, dass der Verein "viel kränker nicht mehr werden" könne.

Infolge dessen hat man sich von Großverdienern wie Jannes Horn (VfL Bochum), Louis Schaub (Hannover 96) und Salih Özcan (Borussia Dortmund) getrennt. Außerdem haben Thomas Ostrak (St. Louis City) und Yann Aurel Bisseck (Aarhus GF) den Verein verlassen, der 20-jährige Marvin Obuz wurde an Zweitligist Holstein Kiel ausgeliehen.

Ob mit Anthony Modeste und Sebastian Andersson zwei weitere Großverdiener den Verein noch verlassen werden, ist noch offen. "Wir haben Tony versprochen, dass wir die Situation gemeinsam diskutieren, wenn ein Angebot kommt. Bis jetzt ist aber noch niemand auf uns zugekommen", sagte Kölns Sportlicher Leiter Thomas Kessler jüngst.

Beim Thema Neuzugänge hat der FC in dieser Transferperiode ein ganz klares Ziel verfolgt: Der Wunschspieler sollte vor allem preiswert sein, am besten ablösefrei. Geklappt hat das bei Linton Maina (Hannover 96), der die offensive Außenbahn verstärken soll. Ebenso wie bei Abwehr-Allrounder Kristian Pedersen (Birmingham City). Mit Luca Kilian hat der FC einen Leistungsträger der vergangenen Saison in den eigenen Reihen halten können. Der 22 Jahre alte Innenverteidiger wurde nach der einjährigen Leihe von FSV Mainz 05 für zwei Millionen Euro fest verpflichtet.

Aber vor allem in der Offensive hat sich der 1. FC Köln trotz der wenigen Mittel namhaft verstärkt. Neben Maina kamen BVB-Stürmer Steffen Tigges und Sargis Adamyan (TSG Hoffenheim). Die von Salih Özcan hinterlassene Lücke im zentralen Mittelfeld soll Eric Martel (20, RB Leipzig) schließen. Auch Denis Huseinbasic (Kickers Offenbach) ist eine Alternative in der Kölner Kreativ-Abteilung.

Der Trainer

Steffen Baumgart geht in seine zweite Saison mit dem FC – gut möglich, dass es nicht seine letzte bleiben wird. Ende Juni verlängerte er seinen 2023 auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr. "Dieses Projekt ist noch nicht zu Ende, wir haben Ziele und möchten sie erreichen", sagte der 50-Jährige.

Mit seiner offensiv geprägten Spielidee hat Baumgart in der Domstadt von Beginn an begeistert. Das letzte Mal, dass in Köln der Trainer zum eigentliche Star wurde, ist fünf Jahre her, er trug den Namen Peter Stöger. Anders als Stöger begleitet Baumgart das Spiel seiner Mannschaft lautstark am Spielfeldrand. "Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle“, sagte Baumgart kurz nach Saisonbeginn.

Der gebürtige Rostocker hat es geschafft, das Maximum aus seinen Spielern zu holen. Anthony Modeste hat mit 34 Jahren zu alter Stärke gefunden und 23 Pflichtspieltreffer erzielt. Salih Özcan, der lange als "ewiges Talent" abgestempelt wurde, ist unter Baumgart auf Anhieb zum unangefochtenen Leader im Mittelfeld geworden.

Erwartungen an die Saison

Finanziell steht dem 1. FC Köln eine düstere Saison bevor. Weitere Leistungsträger werden den Verein wohl noch verlassen müssen, die Ticketpreise wurden um etwa 20 Prozent erhöht. Auch Steffen Baumgart betonte bei seiner Vertragsverlängerung, dass die finanzielle Erholung des Vereins an vorderster Stelle stehe: "Wir wollen gemeinsam aus den schwierigen Zeiten herauskommen, die wir als Verein gerade erleben."

Auf die sportliche Zukunft blickt man in Köln indes euphorisch. Die einzige Niederlage der Vorbereitung kassierte der FC beim 1:2 gegen den italienischen Meister AC Mailand. "In Köln so ein Spiel zu gewinnen ist vielleicht gar nicht gut, dann fängst du hier gar keinen mehr ein", sagte ein nicht unzufriedener Steffen Baumgart.

Los geht's im internationalen Wettbewerb im August mit der Playoff-Runde für die Conference League. Dort trifft der FC am 18. und 25. August auf den Sieger der Partie Fehervar FC (Ungarn) - Petrocub Hincesti (Moldau). Übersteht Köln die beiden K.o.-Spiele, dürfen die Rheinländer sechs weitere Partien auf internationaler Bühne bestreiten. Ob der Kader für diese zusätzliche Belastung gewappnet ist, bleibt abzuwarten. Das letzte internationale Abenteuer endete in der Saison 2017/18 mit dem Abstieg in Liga zwei.

Den ersten Rückschlag erlebte der FC allerdings am vergangenen Wochenende in Regensburg. Beim aktuellen Tabellenführer der 2. Bundesliga schied Köln wie auch schon vor zwei Jahren nach Elfmeterschießen im DFB-Pokal aus.