Gerardo Seoane.

Bayer Leverkusen - Mindestziel ist die Königsklasse

Stand: 01.08.2022, 08:00 Uhr

Unter Trainer Gerardo Seoane spielt Bayer Leverkusen wieder Champions League. Die Qualifikation für die Königsklasse ist erneut der Anspruch des Klubs - doch könnte es auch für mehr reichen?

So lief die vergangene Saison

Im Gegensatz zur vorletzten Spielzeit, in der Bayer als Tabellensechster sich "nur" für die Europa League qualifiziert hatte, sicherten sich die Leverkusener zuletzt wieder die Teilnahme an der Champions League. Als Tabellendritter standen am Ende erneut Bayern und der BVB vor den Rheinländern, sie landeten aber vor dem dritten Dauerrivalen aus Leipzig.

Das oft mit dem Label "hochtalentiert, aber zu unkonstant" versehene Bayer-Team bot meist spektakulären Hochgeschwindigkeits-Fußball auf konstantem Niveau und musste in der Hinrunde nur Niederlagen gegen Dortmund, Bayern, Frankfurt, Wolfsburg und Freiburg hinnehmen. Einziger Wermutstropfen: Gegen den Zweitligisten Karlsruher SC verabschiedete sich die Mannschaft bereits in der 2. DFB-Pokalrunde (1:2).

Vor allem in der Rückrunde konnte Bayer meist überzeugen und kassierte nur noch drei Niederlagen - trotz der Belastung durch den Europapokal. Am 30. Spieltag unterlag Leverkusen dem Rivalen Leipzig zwar mit 0:1 und musste ihn vorbeiziehen lassen, doch mit einem Schlussspurt mit vier Siegen in Serie verwies Bayer die Sachsen noch auf Platz vier.

Auch in der Rückrunde gab es einen Wermutstropfen: Nach zwei engen Niederlagen gegen Atalanta Bergamo war für Leverkusen bereits im Achtelfinale der Europa League Endstation.

Wer kommt, wer geht?

Die wichtigsten Personalien vermeldete Leverkusen in der Kategorie "Wer geht nicht?". Denn mit den vorzeitigen Vertragsverlängerungen mit Jungstar Florian Wirtz (zehn Pflichtspiel-Tore/14 Vorlagen) und Torjäger Patrik Schick (24 Tore/fünf Vorlagen) jeweils bis 2027 sendete Bayer wichtige Signale an die Konkurrenz. Auch der umworbene Moussa Diaby hatte zuletzt verkündet, in Leverkusen bleiben zu wollen.

Adam Hlozek (vorne) im Training.

Adam Hlozek (vorne) im Training.

Mit dem 19 Jahre alten Talent Adam Hlozek, für den Bayer Medienberichten zufolge 20 Millionen Euro an Sparta Prag überwies, verstärkte der Klub noch einmal seine Offensiv-Abteilung. Er ist als hängende Spitze oder Flügelstürmer eingeplant.

Zudem stattete Leverkusen die beiden U19-Defensivspieler Joshua Eze und Sadik Fofana mit Profiverträgen aus. Fofana wurde nach Nürnberg verliehen, auch für Eze plant man ein Leihgeschäft. Keeper Lennart Grill läuft leihweise für Union Berlin auf.

Auch die weiteren Abgänge sind für Leverkusen verkraftbar. Mittelstürmer Lucas Alario wechselte zu Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt, Rechtsverteidiger Mitchell Weiser schloss sich letztendlich Aufsteiger Bremen an. Julian Baumgartlinger erhielt keinen neuen Vertrag. Die zuletzt bereits verliehenen Nadiem Amiri und Joel Pohjanpalo sowie Talent Iker Bravo gelten als weitere Kandidaten für einen Vereinswechsel.

Der Trainer

Gerardo Seoane mit seinem Co-Trainern Patrick Schnarwiler (l.) und Alberto Encinas.

Gerardo Seoane mit seinem Co-Trainern Patrick Schnarwiler (l.) und Alberto Encinas.

Gerardo Seoane war seit der Entlassung Roger Schmidts 2017 der erste Bayer-Trainer, der eine komplette Saison an der Seitenlinie "überstand". Unter anderem durch die beste Rückrunde Leverkusens seit 20 Jahren hat der Schweizer den Klub auf Platz drei und damit wieder in die Champions League geführt.

Seoane hat die Balance zwischen Offensive und Defensive verbessert, was in den vergangenen Jahren eine der größten Baustelle der Rheinländer war.

"Er hat offenbar das perfekte Spielsystem für uns gefunden", sagt Kapitän Lukas Hradecky. "Wir wollen unterhaltsam spielen und Tore machen, das zeichnet uns aus. Aber man muss nicht immer schön spielen, sondern vor allem auch effektiv. Diese Facetten bringt der Trainer zusammen".

Seoane gilt als akribischer Arbeiter mit einer klaren Spielphilosophie: Den Gegner permanent unter Druck setzen, viel Dynamik nach vorne und schnelle Angriffe nach Balleroberungen. Doch Seoane will seinen Ansatz nicht mit der Brechstange durchsetzen und bewies auch immer wieder taktische Flexibilität. Außerdem wirkt das Bayer-Team stabiler nach Gegentreffern.

Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro sprach dem 43-Jährigen ein großes Lob aus. "Wir sind mit Gerardo Seoane extrem zufrieden. Er hat viele Fähigkeiten, die wir gesucht haben. Fähigkeiten, die der Mannschaft sehr geholfen haben, auch und gerade in schwierigen Phasen", so Carro. "Sein hoher Anspruch und seine Erwartungshaltung, in allen Bereichen eine maximal professionelle Haltung an den Tag zu legen, deckt sich mit meiner."

Erwartungen an die Saison

Für Leverkusen wird es wieder in erster Linie darum gehen, sich für die Königsklasse zu qualifizieren. Wie schon in den letzten Jahren wird Bayern München als Titelfavorit in die Saison starten, Leverkusen gilt neben Dortmund und Leipzig wie üblich als einer der Bayern-Jäger.

Die Leistungsträger wurden gehalten, das Team gezielt verstärkt, die Mannschaft ist eingespielt, der Kader wohl breit genug. Seoane hat das Team bisher konstant weiterentwickelt. "Es ist klar, dass wir auch an unsere Fähigkeiten glauben, dass wir ambitioniert sind. So starten wir in die Meisterschaft", sagt Seoane.

Doch ob das reichen wird, um die Titel-Dominanz der Bayern zu brechen, ist fraglich. "Irgendwann bröckelt es, irgendwann in den nächsten Jahren kommt es zum Einsturz", hatte BVB-Boss Watzke zuletzt mit Blick auf den Serienmeister München prognostiziert. Falls es wirklich einmal so kommen sollte, wäre Leverkusen einer der Kandidaten, die um den Titel mitspielen könnten - falls.

Einen ersten herben Dämpfer musste die Werkself bereits hinnehmen. In der ersten Runde des DFB-Pokals verlor Bayer 04 beim Drittligisten SV Elversberg mit 3:4 und zeigte dabei vor allem defensiv eklatante Schwächen.