Schalkes verzweifelte Suche nach Normalität

David Wagner, Trainer Schalke 04,

Schalkes verzweifelte Suche nach Normalität

Von Jörg Strohschein

  • Der FC Schalke 04 befindet sich in einer tiefen Form-Krise
  • Internationaler Wettbewerb erst einmal passé
  • Mit Defensivfußball zurück in die Erfolgsspur
  • Nübel keht wohl ins Tor zurück

Selten war die Stimmung vor einem Bundesligaspiel des FC Schalke 04 in den vergangenen Jahren so angespannt wie derzeit. Zehn Partien ohne Sieg gehen an niemandem im Klub spurlos vorbei. Am Samstag (30.05.2020/15.30 Uhr) geht es im Heimspiel gegen Werder Bremen, das jeden Punkt benötigt, um den Klassenerhalt noch irgendwie zu schaffen.

Während allerdings die Hanseaten mit dem 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach unter der Woche einen kleinen Schritt aus der Talsohle heraus machen konnten, steht bei den Schalkern derzeit nicht fest, ob sie gegen Werder die Kehrtwende schaffen können.

Wagner hat Jobgarantie vernommen

Und so sah sich Sportvorstand Jochen Schneider einen Tag nach dem 1:2 bei Fortuna Düsseldorf offenbar auch dazu genötigt, eine Jobgarantie für Trainer David Wagner auszusprechen. "Wir werden gemeinsam mit David Wagner zur neuen Saison diesen roten Faden wieder aufnehmen und damit weitermachen, wo wir im Januar, Februar unterbrochen wurden", sagte Schneider.

Worte, die beim S04-Coach angekommen sind. "Wenn so etwas passiert, spricht das dafür, dass die sportliche Situation nicht funktioniert. Ich habe das vernommen, es hat mich aber nicht sonderlich verwundert, weil wir täglich im Kontakt stehen", sagte Wagner am Freitag (29.05.2020).

Wagner: "Hat mich nicht verwundert" Sportschau 29.05.2020 00:46 Min. Verfügbar bis 29.05.2021 Das Erste

Für die Schalker Profis geht es in den verbleibenden Wochen erst einmal darum, die Grundtugenden wie Laufbereitschaft, Einsatzwillen und Zweikampf-Härte wiederzufinden. Der einstige Traum von der Teilnahme am internationalen Wettbewerb, der gegen Ende der Hinrunde mit den guten Ergebnissen, mit Platz fünf und punktgleich mit Borussia Dortmund Realität hätte werden können, ist ad acta gelegt.

Zunächst erstmal Mauerfußball

"Wenn man so eine Phase wie wir hat, dann von Europa zu sprechen, das verbietet sich. Für uns geht es darum mal ein Spiel zu Null zu spielen und zu punkten, wenn es geht dreifach", sagt Wagner. Die Schalker, die angesichts von rund 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten jeden Cent gut gebrauchen könnten, müssen sich derzeit auf vielen Feldern in Verzicht üben.

Auch gegen Bremen dürfte Wagner, ähnlich wie in Düsseldorf wieder eine sehr defensive Variante wählen. Gegen die Fortuna hatte das Wagner-Team zwischenzeitlich nicht mehr als 20 Prozent Ballbesitz. "In Düsseldorf war das ein anderer Ansatz als der, mit dem wir mal angefangen haben. Das ist nicht das, wie wir mittel- und langfristig spielen wollen. Das hat uns aber Stabilität gegeben. Dass das bis Sommer so weitergehen muss, will ich so nicht unterschreiben", sagt Wagner.

Nübel kehrt wohl ins Tor zurück

Gut möglich, dass Wagner auch auf der Torwart-Position neue Überlegungen anstellt und den eigentlich aussortierten Alexander Nübel wieder zwischen die Torpfosten stellt. Laut Berichten von Sport1 und Sky ist das schon beschlossene Sache. Markus Schubert wirkte zuletzt eher unglücklich in seinen Aktionen.

Die Gangart bei den Königsblauen wird entsprechend härter und unangenehmer für die Spieler. "Ich bin sauer, bin enttäuscht. Da bin ich wie jeder andere Chef auch", sagt Wagner.

Stand: 29.05.2020, 15:13