Fußball-Torwart Alexander Schwolow, hier im Trikot von Hertha BSC, hält leihweise nun für Schalke 04

Fußball

Schwolow und Schalke: S04 ist wieder Karrierechance

Stand: 16.06.2022, 11:24 Uhr

Die Liebe auf den zweiten Blick soll es nun zwischen Bundesliga-Aufsteiger Schalke 04 und Torhüter Alexander Schwolow sein. Die Leihe zeigt: S04 steht nach dem Neuaufbau auch wieder für Karrierechancen.

Von Julian Tilders

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, da stand Fußball-Torwart Alexander Schwolow vor einer Zukunftsentscheidung. Dem "nächsten Schritt", wie im Sportgeschäft der Wechsel zu einem sportlich und wirtschaftlich ambitionierteren Verein umrissen wird.

Hertha oder Schalke? Im Nachhinein zwei Nieten

Die beiden Haupt-Interessenten im Frühsommer 2020: Hertha BSC und Schalke 04. Der Klub aus Berlin war in der gerade beendeten Spielzeit auf Platz zehn gelandet, Schalke 04 unter Trainer David Wagner nur auf Platz zwölf.

Lange spekulierten viele, es müssten nur noch Details geklärt werden zwischen Schalke und Schwolow. Doch letztlich gelang Hertha BSC der Transfer. Sieben Millionen Euro Ablöse und ein vermutlich deutlich höheres Gehalt waren für den finanziell durch Investor Lars Windhorst auf Rosen gebetteten Klub kein Problem.

Der ja auch durch die finanziellen Möglichkeiten hoch hinaus wollte, also wirtschaftlich wie sportlich das (vermeintlich) bessere Gesamtpaket abgab für den Stammkeeper des SC Freiburg, der in der Saison 2017/18 mit dem "Goldenen Handschuh" als bester Bundesliga-Torwart ausgezeichnet worden war. Und gleich mal bis 2025 bei Hertha BSC unterschrieb.

Dass analog zum Schalker Niedergang inklusive Abstieg auch die zunehmend strauchelnde Hertha im Nachhinein als eher risikobehaftete Option eingestuft werden musste, war zumindest sportlich das Karrierepech Schwolows.

Bessere sportliche Option für Schwolow ist nun Schalke

Nun verzichtet Schwolow also "auf viel Geld", so sagte es Schalkes Sportdirektor Rouven Schröder, um über Umwege und per Leihe doch zwischen den S04-Pfosten stehen zu können.

Wonach Schwolow sich sehnt, daraus machte der 30-Jährige laut Schröder kein Geheimnis: "Er hat uns in den Gesprächen glaubhaft vermittelt, dass für ihn die sportliche Perspektive absolute Priorität besitzt."

Dass er diese sportliche Perspektive jetzt bei Schalke sieht, ist zwar sicher auch der nicht gerade rosigen Situation beim Relegations-Teilnehmer der letzten Saison geschuldet. Ebenso aber dürfte die Image-Neuerfindung und der sportliche Neuaufbau des FC Schalke 04 durch Sportdirektor Schröder und Co. eine Rolle spielen.

Schwolow reiht sich vor Routiniers und Talent ein

Mit dem Abgang von Aufstiegstorwart Martin Fraisl umfasst der Schalker Torwart-Pool nun Schwolow (30), die Routiniers Ralf Fährmann (33) und Michael Langer (37) sowie Talent Justin Heekeren (21). Als nominelle Nummer eins dürfte Schwolow gelten.

Der schlägt sich derzeit noch mit einer Muskelverletzung herum, die ihn zuletzt bei Hertha BSC ab Anfang April außer Gefecht setzte. Bis dato war er Stammtorwart gewesen, fehlte zuvor nur mal wegen einer Corona-Infektion.

Trotz Verletzung: Ordentliche Saison für Schwolow

Gut beschäftigt war der 30-Jährige in der letzten Spielzeit trotzdem: 25 Partien absolvierte er letztendlich verletzungsbedingt, während viele andere Torhüter fast jedes Liga-Spiel machten. Mit 81 gehaltenen Torschüssen lag er dennoch in dieser Statistik auf einem geteilten Platz zwölf von 41 mit Borussia Dortmunds Gregor Kobel (29 Einsätze).

Darüber hinaus blieb Schwolow bei immerhin fünf Partien (20 Prozent) ohne Gegentreffer. Wenn man außer Acht lässt, dass andere Top-Torhüter häufiger spielten und somit die Chance für Gegentreffer höher war: Auch damit lag er ligaweit im oberen Leistungsdrittel, was die "Weiße Weste" anging. Bei Schalke würden sie sich nicht wehren, wenn Schwolow nach dem Auskurieren seiner Verletzung daran anknüpfen könnte.