Schalkes Debakel zum Auftakt - mehr als nur ein königsblaues Auge?

Schalke-Trainer David Wagner blickt nach der Auftakt-Pleite in München ein wenig ratlos drein

Schalkes Debakel zum Auftakt - mehr als nur ein königsblaues Auge?

Von Julian Tilders

Gegen einen FC Bayern München in Gala-Form hat der FC Schalke 04 die ohnehin minimalen Erwartungen trotzdem noch enttäuscht. Die Verletzung von Suat Serdar trübt zusätzlich die Stimmung. Außerdem sorgte Clemens Tönnies' Stadionbesuch für Verwunderung.

Dass die Bayern nicht nur seit vielen Jahren in der Bundesliga, sondern mittlerweile auch international nach dem Triple-Sieg das Maß der Dinge im Fußball sind, ist klar. Und dass diese Bayern schon lange nicht mehr zu den Teams gehören, mit denen sich Schalke ernsthaft messen kann, ist ebenfalls klar.

Wagner: "Habe Vertrauen in die Qualität dieser Mannschaft"

Und somit wollte S04-Trainer David Wagner sein Team nach dem desolaten 0:8 - die zweithöchste Bundesliga-Pleite der Schalker - am Freitagabend zum Auftakt der Bundesliga-Saison 2020/21 auch nicht verdammen. "Ich habe Hoffnung, weil ich Vertrauen in die Qualität dieser Mannschaft habe", sagte der 48-Jährige.

"Das war schlecht. Wir haben nicht gut gespielt, Bayern war in herausragend guter Verfassung. Wir müssen uns jetzt schütteln, diese herbe Niederlage hinnehmen und gegen Bremen die Reaktion zeigen, die wir selbst von uns erwarten", forderte Wagner mit Blick auf das erste Saison-Heimspiel am 2. Spieltag. Also Mund abputzen, weitermachen?

Schalke 04 - Signalwirkung dieser Klatsche hat keiner realisiert

Sportschau 19.09.2020 03:23 Min. Verfügbar bis 19.09.2021 ARD Von Jan Wochner

Sportvorstand Jochen Schneider wählte deutlichere Worte. "Der Auftritt in München war indiskutabel, da gibt es keine zwei Meinungen", wurde der 50-Jährige auf der S04-Homepage zitiert: "Wir waren insbesondere in puncto Aggressivität und Cleverness nicht auf dem Niveau, das es gegen die aktuell beste Mannschaft der Welt braucht."

Mit Hypothek in die nächsten Spiele

Die Schalker Hypothek ist mittlerweile erschlagend. Faktisch belastend sind acht Gegentore in der Tordifferenz, doch auch mental ist ein solcher Saisontart alles andere als ein Antrieb für die Moral.

Außerdem lastet die Negativ-Ausbeute der Rückrunde noch schwer auf den Schultern Wagners, der mit Schalke saisonübergreifend nun seit 17 Bundesligapartien sieglos ist. Und das harte Auftaktprogramm hat gerade erst begonnen: Am 3. Spieltag wartet RB Leipzig - und wenig später steht das Revierderby gegen Borussia Dortmund an (5. Spieltag).

Auf Augenhöhe mit Barcelona oder doch eher HSV?

S04 schaffte es jedenfalls am Freitagabend, die ohnehin minimalen Erwartungen an das Spiel trotzdem noch zu enttäuschen. Wagner kritisierte: "Dass wir nach dem vierten, fünften Tor weiter nach vorne spielen wollten, war naiv." Die Folge: Bayerns blitzschnelle Angriffe über Leroy Sané und Co. überrollten S04 gnadenlos. Sané tat sein Ex-Klub sogar "schon ein wenig Leid". Schalke-Linksverteidiger Bastian Oczipka sprach von einer "Schande".

Bayerns Müller: "Wurde uns nicht schwer gemacht"

Sportschau 18.09.2020 01:53 Min. Verfügbar bis 18.09.2021 ARD

Trösten können sich die Fans vielleicht damit, dass S04 gegen den Rekordmeister nur um zwei Tore schlechter abschnitt als der FC Barcelona im Champions-League-Viertelfinale (2:8). Andererseits befindet sich Schalke in seiner Bayern-Bilanz nun auch fast auf Augenhöhe mit dem Hamburger SV, der gegen Ende seiner Bundesliga-Zeit regelmäßig gegen München unter die Räder kam. Schalke gelang der letzte Sieg gegen Bayern im DFB-Pokal-Halbfinale 2011 (1:0). Allein in den letzten vier Duellen kassierte Schalke nun schon 17 Gegentreffer. Der HSV "tröstete" S04 am Abend noch selbstironisch über Twitter.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Serdar-Ausfall schmerzt Königsblau

Ferner bereitet der mögliche Ausfall von Suat Serdar, der nach 30 Minuten vom Platz musste, Kopfschmerzen. Der 23-Jährige sei wegen einer Muskelverletzung ausgewechselt worden, "wie schwer, kann ich noch nicht sagen", erklärte Wagner nach dem Spiel. Bitter: Der Nationalspieler verpasste seit seinem Wechsel zu Schalke (Sommer 2018) bereits 16 Spiele verletzungsbedingt.

Verwunderung über Tönnies-Auftritt im Stadion

Abseits des Platzes lieferte das Spiel ebenfalls Gesprächsstoff. Die Mitglieder beider Klub-Delegationen saßen jeweils dicht an dicht und ohne Mund-Nasen-Schutz auf ihren Plätzen. Bayern-Vorstand Oliver Kahn erklärte im ZDF: "Nein, es gab keine Vorgaben, weil wir uns da an die bayerische Verordnung gehalten haben, die genau das erlaubt." In Artikel zwei der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in Bayern ist der gemeinsame Aufenthalt im öffentlichen Raum in Gruppen von bis zu zehn Personen gestattet.

In den sozialen Netzwerken herrschte neben Schalker Galgenhumor allerdings auch Verwunderung bis Ärger darüber vor, dass Ex-Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies als Teil der Schalke-Delegation auf der Tribüne saß. Tönnies hatte sich in der Vergangenheit zunächst mit rassistischen Aussagen einen Fehltritt geleistet, zuletzt wurde Kritik an ihm im Rahmen des Corona-Skandals in seinem Fleischkonzern laut.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Der Revierklub teilte am Samstag mit, der Ex-Funktionär sei eingeladen worden: "Clemens Tönnies war am Freitag im Stadion, weil er enge Freundschaften zum FCB-Präsidium pflegt. Selbstverständlich sitzt er lieber bei der Schalke-Delegation." Zur Beruhigung im Schalker Umfeld haben aber wohl weder Tönnies' Besuch noch die Leistung auf dem Platz beigetragen.

Stand: 19.09.2020, 10:23