Tönnies: Ganz Deutschland blickt auf den Schalker Ehrenrat

Clemens Tönnies

Tönnies: Ganz Deutschland blickt auf den Schalker Ehrenrat

  • Schalker Ehrenrat befasst sich mit Tönnies-Aussagen
  • Von Abmahnung bis Ausschluss - alles ist möglich
  • Ausschluss hätte wohl keine unmittelbaren finanzielle Folgen

Erst Ende Juni wurde der Schalker Ehrenrat auf der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 gewählt. Am heutigen Dienstagabend (06.08.2019), nur wenige Wochen später, blickt ganz Deutschland auf das Gremium, das im Verein eine Art "Ethik-Kommission" darstellt.

Von einer Abmahnung bis zum Vereinsauschluss des Unternehmers und langjährigen Aufsichtsratsmitgliedes Clemens Tönnies, der am Abend vor dem Rat Rede und Antwort stehen wird, ist alles möglich.

BVB und Schalke in der Rassismus-Debatte

Sportschau 06.08.2019 03:08 Min. Verfügbar bis 06.08.2020 Das Erste Von Jan Wochner

Die fünf Mitglieder des Ehrenrates haben eine schwierige Aufgabe vor der Brust. Es gilt, eine angemessene Antwort auf die verbalen Entgleisungen des 63-Jährigen während seiner Rede beim Tag des Handwerks in Paderborn zu finden.

Ganz Deutschland blickt mit großem Interesse auf die Entscheidung des Rates, der sich aus einer Richterin, einem Richter, einem Steuerberater, einem Evangelischen Pfarrer, sowie dem Leiter des Lehrstuhls für Straf- und Prozessrecht an der Ruhr-Universität Bochum zusammensetzt.

Die Mitglieder des Schalker Ehrenrates

Kornelia Toporzysek, Richterin am Düsseldorfer Oberlandesgerichts, Vereinsmitglied seit 2005

Götz Bock, Richter am Hessischen Finanzgericht, Vereinsmitglied seit 1989

Bernhard Terhorst, Steuerberater, Vereinsmitglied seit 1997

Prof. Dr. Klaus Bernsmann, Leiter des Lehrstuhls für Straf- und Prozessrecht an der Ruhr-Universität Bochum, Vereinsmitglied seit 2008

Hans-Joachim Dohm, Evangelischer Pfarrer i.R., Vereinsmitglied seit 1989

Aus allen Bereichen hagelte es massive Kritik an Tönnies' Aussage zur Bekämpfung des Klimawandels, man solle lieber jährlich zwanzig Kraftwerke in Afrika finanzieren: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Anti-Rassismus-Organisationen sowie zahlreiche Vertreter aus Sport und Politik zeigten sich entsetzt. Die Reaktionen setzen den Ehrenrat unter Druck. Laut Vereinssatzung hat das Gremium die Möglichkeit, den Aufsichtsratsvorsitzenden vom FC Schalke 04 auszuschließen.

Stichwort Ehrenrat

Sportschau 06.08.2019 01:08 Min. Verfügbar bis 06.08.2020 Das Erste

Ein Ausschluss des langjährigen Aufsichtsratsmitgliedes (seit 1994) ist indes unwahrscheinlich. Zu groß ist die Strahlkraft und Präsenz im Verein. Tönnies gilt als Strippenzieher des Gazprom-Deals, eines der bestdotierten Hauptsponsor-Verträge der Bundesliga (läuft noch bis 2022).

Als der Klub Ende 2008 am Rande der Zahlungsunfähigkeit stand, war es die Tönnies-Gruppe des Unternehmers, die bei der Umschuldung der 65 Millionen Euro aus der Schechter-Anleihe als Kreditgeber half. Das geliehene Geld wurde inzwischen zurückbezahlt.

Ein Ausschluss Tönnies' würde jedoch keine unmittelbaren finanziellen Folgen für den Klub haben. Laut eigener Aussage hat Tönnies "keinen Euro im Verein". Es gibt zwar ein Werbe-Engagement des Unternehmers im Klub, jedoch spielt es eher eine untergeordnete Rolle.

Eher wird sich zeigen, inwieweit die Einflussnahme des Aufsichtsratsvorsitzenden im Hintergrund eine Rolle spielt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Schalke in den Strukturen und Arbeitsweisen komplett neu aufstellen müsste.

Auszug aus § 2 der Schalker Satzung

" Er (Der Verein; die Redaktion) bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere auf Grund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen. In diesem Sinne ist er insbesondere bestrebt, die soziale Integration ausländischer Mitbürger zu fördern."

Andererseits ist der Verein selbst in Zugzwang, alleine schon durch seine eigene Vereinssatzung. So hatte Vorstand Peter Peters sich erst Ende Juni wegen rassistischer Ausfälle einiger (weniger) Schalker Fans bei der Versammlung mit einem Appell an die Mitglieder gewandt.

"Es vergeht kaum noch ein Spiel ohne rassistische Ausfälle", und weiter: "Eines sind diese Leute sicher nicht. Das sind ganz sicher keine Schalker. Diskriminierung hat auf Schalke keinen Platz." "Zeigt Flagge", hatte Peters gesagt. Nun wird sich zeigen, inwieweit der Ehrenrat dieser Aufforderung nachkommen wird.

Tönnies mit Entschuldigung - Ehrenrat berät sich Sportschau 02.08.2019 02:05 Min. Verfügbar bis 02.08.2020 Das Erste

Stand: 06.08.2019, 15:36