Coronakrise: Fanszenen starten Hilfsaktionen

Ein Dankesbanner der Coloniacs unter der Hohenzollernbrücke in Köln

Coronakrise: Fanszenen starten Hilfsaktionen

  • Fanszenen helfen Coronavirus-Risikogruppen
  • Dankesbanner für medizinisches Personal
  • Besonders Ultra-Gruppierungen im Einsatz

Den Fußballfans in Deutschland wurde durch die Coronavirus-Krise ihre liebste Beschäftigung genommen: der Fußball. Das hindert aber viele, vor allem aktive Fanszenen nicht daran, weiter gemeinsam zu agieren - für den guten Zweck. Es sind vor allem die Ultra-Szenen in Deutschland, die zu Solidarität aufrufen und auch selbst anpacken. Ganz vorne mit dabei sind Fanszenen einiger NRW-Vereine.

Ultras bieten Einkaufshilfe an

Viele Fans in Dortmund etwa, die wegen der Auseinandersetzung mit Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp besonders im Fokus standen, übernehmen in diesen Tagen Einkäufe für Ältere, also der vom Coronavirus gefährdeten Risikogruppe.

"Es geht jetzt darum, sich solidarisch zu zeigen und gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet konkret, dass wir den Menschen unter die Arme greifen wollen, welche aktuell zu den Risikogruppen gehören", heißt es in dem Aufruf. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von den BVB-Ultragruppen The Unity, Jubos und Desperados.

Botschaften an Krankenhauspersonal

Auch die Ultras von Bayer Leverkusen bieten einen Einkauf-Service für Menschen an, die zur Risikogruppe gehören. Außerdem hängten sie Dankesbanner an das medizinische Personal der Leverkusener Kliniken mit der Aufschrift "Rund um die Uhr seid ihr für uns da - Danke!" auf.

Ähnliche Aktionen gibt es auch auf der anderen Rheinseite. "Danke an alle Helfer", steht in Köln in großen, roten Buchstaben auf weißem Stoff geschrieben, vor allem in der Nähe von Krankenhäusern. Auch hier sind die Urheber eine Ultra-Gruppierungen des 1. FC Köln, die Coloniacs.

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Lieferservice von Schalke-Ultras

Einen Lieferservice bieten auch Fans des FC Schalke 04. So helfen die Ultras Gelsenkirchen zweimal wöchentlich der besonders gefährdeten Risikogruppen und Menschen in Quarantäne beim Einkaufen. Lebensmittel, Getränke, Drogeriewaren oder Medikamente - die blau-weißen Anhänger besorgen alles. Organisiert wird die Aktion vom Schalker Fanprojekt.

Inspiriert wurden viele Fans von der "Curva Nord" von Atalanta Bergamo, die 40.000 Euro an eine ausgelastete Klinik spendete. Bergamo liegt im vom Coronavirus besonders betroffenen Norden Italiens.

Bessert sich der Ruf der Ultras?

Sig Zelt von der Organisation ProFans hofft, dass sich die zahlreichen Hilfsaktionen von Ultras und anderen Fußballanhängern in der Coronakrise auch positiv auf die Reputation der Fans auswirken. "Ich hoffe, dass das auch den Ruf der Ultras etwas verbessert", sagte Zelt.

Überrascht sei er von dem Engagement vieler Fangruppen, die beispielsweise Hilfe beim Einkaufen anbieten oder mit Hunden von durch das Virus besonders beeinträchtigten Menschen Gassi gehen, nicht. "Das entspricht dem Selbstverständnis vieler Ultras, dass sie der Gesellschaft etwas Gutes tun wollen", sagte er. "Nach dem Motto: Wenn ihr unsere Fankultur akzeptiert, dann geben wir euch auch etwas zurück."

Im Fadenkreuz: Wie der Fall Hopp die Fans politisiert sport inside 11.03.2020 08:45 Min. UT Verfügbar bis 11.03.2021 WDR

red/dpa/sid | Stand: 23.03.2020, 17:07