Schalke unterbietet sich nochmal selbst

Ralf Fährmann (von links), Salif Sané und Omar Mascarell sind enttäuscht

Schalke unterbietet sich nochmal selbst

Von Sebastian Hochrainer

Das 0:2 gegen den SC Freiburg reißt Schalke 04 noch tiefer in die Krise. Trainer Manuel Baum zeigte sich vor allem aufgrund der Leistung enorm enttäuscht. Während er nach etlichen Maßnahmen eine Aussprache ankündigt, hoffen andere bereits auf einen Trainerwechsel.

Der 9. Januar 2021 kann nach wie vor ein geschichtsträchtiges Datum für die Bundesliga werden. An diesem Tag könnte der FC Schalke 04 den 1965/66 von Tasmania Berlin aufgestellten Rekord von 31 sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge einstellen. Und nach dem 0:2 gegen den SC Freiburg, Nummer 28 der Serie ohne Erfolg, sieht vieles danach aus, dass Schalke in drei Wochen tatsächlich Geschichte schreiben wird.

"Wir sind unfassbar enttäuscht, dass wir gegen Freiburg, das auch nicht den besten Tag hatte, verloren haben. Vor allem nach vorne haben wir gar nichts zustande gebracht", sagte Manuel Baum nach der Partie. Für den S04-Trainer, der als Nachfolger von David Wagner am 3. Oktober erstmals beim 0:4 bei RB Leipzig an der Linie stand, war es bereits die sechste Niederlage in zehn Liga-Spielen, dazu gab es vier Unentschieden.

Bei Baum tritt Ernüchterung ein

Wie schwer es für ihn auf Schalke werden würde, war Baum durchaus bewusst. Bei seiner Antrittskonferenz klang er dennoch optimistisch. "Ich weiß, dass es eine große Aufgabe ist, und vielleicht fragt sich der eine oder andere: Ist der Baum nicht zu klein? Aber lasst mich mal machen. Ich weiß, was ich tue", sagte er damals.

Baum: "Geschlossen ins nächste Spiel" Sportschau 16.12.2020 01:17 Min. Verfügbar bis 16.01.2022 Das Erste

Mittlerweile ist jedoch auch bei Baum Ernüchterung eingetreten. "In der Offensive waren wir einfach zu harmlos, wir haben so gut wie gar nichts zu Stande gebracht. Dann kriegen wir ein Tor, das so nicht passieren darf. Danach ist bei uns nicht mehr allzu viel zusammengelaufen", sagte er. Bei "Sky" kritisierte er die harmlose Offensive, die in zwölf Spielen erst acht Tore und gegen Freiburg kaum Chancen produzierte, noch deutlicher. "Wir sind heute unfassbar harmlos in der Offensive. Und wenn wir am Sechzehner sind und schießen, da muss der Torwart gar nicht großartig was machen. Wenn wir in den torgefährlichen Bereich reinkommen, dann kommt nix bei uns in der Offensive raus."

Krisengespräch vor dem Spiel gegen Bielefeld

Auf Schalke hatte man vor kurzem die vorentscheidenden Wochen ausgerufen. Gegen die drei Konkurrenten im Abstiegskampf, FC Augsburg, Freiburg und Arminia Bielefeld, müsste eine Vielzahl an Punkten her, hieß es. Es folgte ein Remis in Augsburg (2:2), das etwas Mut machte, dafür war der Auftritt gegen Freiburg umso enttäuschender und ernüchternder. "Wir werden über dieses Spiel nochmal deutliche Worte verlieren müssen", kündigte Baum ein Krisengespräch vor dem nächsten Spiel am Samstag gegen Arminia Bielefeld (15.30 Uhr) an.

Benjamin Stambouli: "Müssen den Kopf oben behalten"

Sportschau 16.12.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 16.12.2021 ARD


Das Problem für den 41-Jährigen: Er hat in seiner kurzen Amtszeit als Schalke-Trainer schon nahezu alles versucht. Baum hat die Mannschaft umgekrempelt, den Spielern in vielen Einzelgesprächen gut zugeredet, die Profis Vedad Ibisevic (Vertrag wird aufgelöst), Nabil Bentaleb und Amine Harit suspendiert, selbst das "Für-Mark-Versprechen" nach dem schlimmen Unfall von Mark Uth in Augsburg hat nicht geholfen. Harit, mittlerweile wieder begnadigt, sollte ihn ersetzen und enttäuschte erneut.

Diskussionen über Trainerwechsel

An der Personalie Baum scheiden sich aktuell aber auch die Geister. Es gibt die eine Seite, die sagt, ein erneuter Trainerwechsel könne nicht schon wieder die Lösung sein, erst recht nicht in der finanziell enorm angespannten Situation, in der sich der Klub befindet. Die andere Seite spricht sich für einen neuen Coach aus. Gerade Schalke-Fans dürften da auch schon jemanden im Auge haben.

Chance bei Tedesco?

Domenico Tedesco hat am Mittwoch angekündigt, seinen aktuellen Arbeitgeber Spartak Moskau spätestens am Saisonende verlassen zu wollen. Er wolle wieder bei seiner Familie in Deutschland sein, die er aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen nicht mehr treffen kann. Der 35-Jährige war bereits von 2017 bis 2019 Trainer auf Schalke, wurde mit den Knappen Vizemeister.

Tedesco wird, anders als viele seiner Vorgänger und Nachfolger, noch heute sehr geschätzt in Gelsenkirchen. Auch er selbst ließ bereits in der Vergangenheit Raum für Spekulationen über eine zukünftige Rückkehr. "Im Fußball kann man nichts planen, deshalb mache ich mir darüber keine Gedanken. Ich kann sagen, dass Schalke immer ein besonderer Klub für mich bleiben wird", sagte Tedesco vor etwa einem Jahr.

Damals war die Schalke-Welt noch in Ordnung. Zwei Monate später, am 17. Januar 2020 gab es den bislang letzten Sieg der Knappen beim 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Heute würden sich viele wünschen, dass Tedesco den "besonderen Klub" noch irgendwie vor dem Abstieg bewahrt.

Stand: 17.12.2020, 09:14