1. FC Köln - immer tiefer im Schlamassel

1. FC Köln - Union Berlin: Trainer Markus Gisdol

1. FC Köln - immer tiefer im Schlamassel

Von Jens Mickler

Krise verschärft, Negativ-Rekord eingestellt: Der 1. FC Köln zeigte gegen Union Berlin, dass er für Bundesliga-Siege derzeit nicht in Frage kommt. Es gibt aktuell auch wenig Anzeichen, dass sich dies ändert.

Vergangenen Donnerstag (19.11.2020) feierte Markus Gisdol beim 1. FC Köln sein Einjähriges. Coronabedingt dürfte eine große Sause an Gisdols Jahrestag ausgefallen sein. Es gibt aber ohnehin im Moment nicht viel zu feiern beim Klub. Mit dem 1:2 im Heimspiel gegen Union Berlin setzte sich die schaurige Erfolglos-Serie fort. Gisdol hat mit seiner Mannschaft nun den Negativ-Vereinsrekord von 18 Bundesliga-Spielen ohne Sieg eingestellt.

Gleichauf mit Rapolder/Latour

Zuvor hatte der FC diese "Rekordmarke" in der Saison 2005/06 erreicht, als zunächst Uwe Rapolder 14-mal nicht gewinnen konnte und sich sein Nachfolger Hans-Peter Latour mit vier Spielen ohne Sieg anschloss. Der FC stieg im WM-Jahr 2006 ziemlich sang- und klanglos ab.

Davor musste der FC saisonübergreifend in den Spielzeiten 1990/91 und 1991/92 18-mal auf einen Dreier warten. Zunächst unter Trainer Erich Rutemöller, dann unter Jörg Berger. Funfact: Berger schaffte dennoch mit dem Klub am Ende der Saison den Einzug in den UEFA-Cup als Tabellenvierter!

Gründe für die Schieflage

Nun also Markus Gisdol, der mit seinem Team derzeit von internationalen Auftritten soweit entfernt scheint wie die Bundesliga von Spielen mit Zuschauern. Dabei hatte doch alles so gut begonnen, damals vor einem Jahr. Zwar brauchte auch der Schwabe Gisdol etwas Anlaufzeit in Köln, aber dann kam der FC-Express so richtig in Schwung. 25 Punkte aus 13 Spielen holten die Kölner. In der Tabelle wurde eher nach oben als nach unten geschaut.

1. FC Köln - Union Berlin: Frust bei Torwart Timo Horn

Frust bei Torwart Timo Horn

Nach acht Auftritten in dieser Saison lässt sich festhalten: Es wird wieder ein harter Abstiegskampf. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Der Kader scheint nicht optimal zusammengestellt. Die beiden Top-Zugänge Sebastian Andersson (sechs Millionen Euro Ablöse) und Ondrej Duda (sieben Millionen Euro) blieben bislang hinter den Erwartungen.

Es fehlt ein volles Stadion

Männer wie Sebastian Bornauw, die in der vergangenen Saison stark aufspielten, stecken im Formtief. Kapitän Jonas Hector fehlte der Mannschaft verletzungsbedingt zwei Monate lang.

Auch kann der FC in Nicht-Corona-Zeiten auf ein stets volles Haus und eine große Fan-Unterstütrzung bauen. Ein Faktor, der in Spielen wie gegen Union Berlin vielleicht geholfen hätte, jetzt aber nicht mehr vorhanden ist.

Der 1. FC Köln weiter sieglos und in der Krise

Sportschau 23.11.2020 01:21 Min. Verfügbar bis 23.11.2021 ARD Von Christian Schulze


Ist Gisdol der richtige Mann?

Und dann stellt sich natürlich auch die Frage nach Gisdol selbst. Kann er das Ruder herumreißen und zunächst einmal die Sieglos-Serie stoppen? Den HSV bewahrte Gisdol vor drei Jahren mit einer starken Rückrunde vor dem Abstieg. Ein solches Aufbäumen ist auch jetzt gefordert, Manager Horst Heldt steht nach wie vor voll hinter dem Coach.

"Solange wir überzeugt sind, werden wir daran festhalten. Und wir sind überzeugt", sagte Sportchef Horst Heldt am Montag (23.11.2020).

In den kommenden Spielen wird sich zeigen, ob das so bleibt. Es geht zunächst zu Borussia Dortmund, dann gegen den VfL Wolfsburg - nicht ausgeschlossen, dass Markus Gidol zum alleinigen Rekordhalter in der Klubgeschichte wird. Erst danach steht die Partie gegen Mainz 05 an. Dieses Spiel müssen die Kölner gewinnen, sonst könnte es ganz eng für Markus Gisol werden.

Stand: 23.11.2020, 13:33