FC-Verteidiger Czichos gibt rührendes Comeback

Kölns Rafael Czichos (R) bei seinem Comeback im Zweikampf mit Leipzigs Timo Werner

FC-Verteidiger Czichos gibt rührendes Comeback

Rafael Czichos entging knapp einer Querschnittslähmung
Der Kölner Verteidiger kämpfte sich zurück
Gegen RB Leipzig gab der 30-Jährige sein Comeback

Dass Rafael Czichos trotz der Niederlage seiner Mannschaft gerührt und glücklich war, konnte ihm niemand übel nehmen - ganz im Gegenteil. Das Comeback für den Abwehrspieler des 1. FC Köln, 101 Tage nachdem er auf dem Fußball-Feld fast eine Querschnittslähmung erlitten hatte, bewegte alle. "Das ist das ganz, ganz erfreuliche an diesem Spiel", sagte Trainer Markus Gisdol nach der 2:4 (1:2)-Heimniederlage gegen RB Leipzig am Montag (01.06.20): "Er hat es bravourös gemacht. Hut ab."

Die Minute aus dem Spiel bei Hertha BSC am 22. Februar (5:0), an dem sich das komplette Leben Czichos' hätte wenden können, schien Gisdol noch vor Augen zu haben. Nach einem Kopfball-Duell mit Marko Grujic war der 30-Jährige regungslos liegen geblieben - sein Teamkollege Kingsley Ehizibue kniete sich spontan hin und betete für ihn.

Arzt riet von einem Einsatz in dieser Saison ab

Czichos musste sich einer komplizierten Operation an der Halswirbelsäule unterziehen. "Dabei wurde sichtbar, dass die Halswirbelsäule an einer Stelle wirklich komplett zerrissen war", erklärte Peer Eysel, der operierende Klinikdirektor der Uniklinik Köln in der vereinseigenen Doku "24/7 FC". 

"Er hat verdammt viel Glück gehabt. Es gibt viele, auch Sportler, die in einer solchen Situation eine Querschnittslähmung erleiden." Eysels Rat war eindeutig: "Ich würde diese Saison nicht mehr spielen."

Das war vor Corona, als das Saisonende noch auf den 16. Mai festgelegt war. Der Arzt würde das sicher auch mit dem neuen Saisonende noch so sehen, sagte Czichos Anfang April. Und er werde "sein Schicksal auch nicht herausfordern". Aber er habe den Traum, in dieser Saison noch einmal zu spielen.

Langsam herangetastet

Nun fiel Abwehrchef Sebastiaan Bornauw gegen Leipzig aus und Czichos machte im Training Fortschritte. Seit Anfang Mai trainierte Czichos bereits wieder mit dem Team, wenn auch zu Beginn mit angezogener Handbremse und ohne Zweikämpfe. Allerdings tastete er sich nach und nach wieder an sein altes Leistungsvermögen heran. "Da haben wir uns gefragt: Rafa macht so einen guten Eindruck. Auf was sollen wir warten", erklärte Gisdol. Er stellte den 30-Jährigen in die Startelf gegen Leipzig. Und trotz der vier Gegentore konnte sich seine Leistung sehen lassen.

"Es war ein sehr, sehr schönes Gefühl, nach so langer Zeit auf dem Platz zu stehen", sagte Czichos, der in Saudi-Arabien geboren wurde, weil sein Vater dort arbeitete: "Dass wir verloren haben, ist ein fader Beigeschmack. Aber für mich persönlich war es ein sehr schöner Schritt." Und man merkte seinen Kollegen an: nicht nur für ihn.

Tor-Collage zu Köln gegen Leipzig: "Jetzt wird's ne Tor-Party"

Sportschau 01.06.2020 01:30 Min. Verfügbar bis 01.06.2021 ARD Von Luise Kropff

dpa/Red | Stand: 02.06.2020, 09:37