Köln auf der Suche nach dem Erfolg

Enttäuschte Kölner

Köln auf der Suche nach dem Erfolg

Von Michael Buchartz

Die Pleite gegen Hertha zeigte: Der 1. FC Köln hat offensiv wie defensiv Verbesserungspotenzial. In den kommenden Wochen kann sich der FC selbst aus der Krise schießen - oder tiefer hinein geraten.

"Mein Herz tut weh, wenn ich den FC so sehe." Ein Satz, den viele Kölner Anhänger so hätten unterschreiben können am Sonntag (29.09.2019). Bemerkenswert ist, dass er von einem Gegner kommt. Lukas Klünter spielte bis vor zwei Jahren beim FC und hatte immer noch Gefühle für den Ex-Arbeitgeber. Doppelt kurios: Mit der Vorlage zum vorentscheidenden zweiten Tor hatte er dazu beigetragen, dass sein eigenes Herz ein bisschen weh tat.

Ähnlich wie beim letzten Abstieg?

Vor der Partie gegen Hertha BSC war die Welt in Köln scheinbar noch in Ordnung. Die Saison fange erst jetzt an, hatten die Verantwortlichen aufgrund des schweren Auftaktprogramms gegen vier Top-Teams betont. Eben diese vier Spiele gingen allesamt verloren. Nur in Freiburg holte man einen 2:1-Sieg.

Einen Tag später ist die Stimmung umgeschlagen - die Rheinländer kassierten gegen Hertha eine 0:4-Klatsche. "Wir wünschen, dass ein anderer mal so verteidigt wie wir. Macht aber keiner", kritisierte FC-Coach Achim Beierlorzer seine Defensive. Sportchef Armin Veh wollte dagegen "noch nicht in Aktionismus verfallen". Er mahnte aber: "Wir haben die letzte Abstiegssaison im Hinterkopf."

Defensiv zu passiv, läuferisch zu schwach

Die Gründe für die Pleite gegen die Hauptstädter sind erkannt: "Wir müssen uns erheblich steigern, um solche Stürmer wie Vedad Ibisevic zu verteidigen", sagte Beierlorzer. Der Bosnier hatte innerhalb von sechs Minuten mit einem Doppelpack die Partie entschieden. Beide Tore hätten durch mehr Aktivität verhindert werden können. Schon der Führungstreffer der Hertha war zu passiv verteidigt worden.

Ein weiteres Problem: Der Aufsteiger ist mit Abstand die wenigsten Kilometer von allen Bundesligisten gelaufen. Bei den Sprints steht Köln ebenfalls auf einem Abstiegsplatz: Zu wenig für ein spielerisch eher unterlegenes Team.

Beierlorzer - "Wir müssen uns beim Verteidigen erheblich steigern" Sportschau 29.09.2019 00:36 Min. Verfügbar bis 29.09.2020 Das Erste

Offensiv sieht es nicht besser aus. 11,75 Torschüsse benötigt der FC für ein Tor: Platz 17 in dieser Rangliste. Der schwache Wert liegt auch an zu wenig klaren Torchancen - lediglich 20 bisher. Auch hier gibt es nur ein schlechteres Team.

Nächste Spitzenmannschaft vor der Brust

Der Druck für Köln steigt, und jetzt geht es gegen wiedererstarkte Schalker. Doch danach kommen die Hoffnungsspiele gegen Paderborn und in Mainz - vermeintliche Mitkonkurrenten im Abstiegskampf.

Punkten die Domstädter dort, könnten sie den schwachen Saisonstart wieder vergessen machen. "Was sollen wir jetzt die Flinte ins Korn werfen? Wir müssen schleunigst Punkte einfahren", gibt Mittelfeldspieler Marco Höger die Richtung vor.

Stand: 30.09.2019, 11:09