Es überwiegt die Skepsis: Kann Gisdol Köln?

Gisdol und Heldt auf Rettungsmission in Köln Sportschau 19.11.2019 01:59 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 Das Erste

Es überwiegt die Skepsis: Kann Gisdol Köln?

Von Cora Lanzerath

  • Markus Gisdol heißt der neue Trainer des 1. FC Köln
  • Seine Verpflichtung wird von Fans und Fachleuten kritisch gesehen
  • Auch Gisdols Verhältnis zu Anthony Modeste birgt Konfliktpotential

Die Trainersuche des 1. FC Köln ist beendet. Seit Montag (18.11.2019) ist klar: Markus Gisdol beerbt Achim Beierlorzer als neuer, starker Mann an der Seitenlinie. Doch wer ist dieser Mann und passt er wirklich nach Köln?

Dass Gisdol nach den Absagen von Bruno Labbadia und Pal Dardai bestenfalls noch als C-Lösung gilt, ist ein offenes Geheimnis. Daran ändert auch die Aussage von Interims-Sportchef Frank Aehlig nichts, der betonte Gisdol sei "von Anfang an ein Kandidat" gewesen.

Gisdol wird mit dem Stempel "Notlösung" leben müssen - genauso wie mit der Tatsache, dass er von vielen FC-Fans kritisch gesehen wird. "Ich glaube ja, Markus Gisdol wird ein guter Mitteltrainer. Sehr gespannt, wer dann im März kommt" und "Heldt, Gisdol und der Effzeh. Spannend klingt es, vielversprechend aber irgendwie nicht", sind noch die freundlichsten Reaktionen auf den neuen Trainer, der bei den Geißböcken einen Vertrag bis 2021 erhielt.

Stevens skeptisch: "Weiß nicht, ob es passt"

Auch der ehemalige FC-Trainer Huub Stevens hat dem neuen Chefcoach eine schwere Zeit in Köln prophezeit. "Ich weiß nicht, ob es mit ihm und dem FC passt", sagte Stevens dem "Express". Gisdol war von September 2011 bis Dezember 2012 Stevens' Co-Trainer bei Schalke 04. "Ich denke, dass er kein Trainer ist, der die nächsten drei, vier Jahre für Köln arbeiten wird", so Stevens weiter. Aber vielleicht habe Gisdol "aus seinen Entlassungen ja gelernt, außerdem muss er sich beweisen".

Zwar muss man die Aussagen ein wenig relativieren, da das Verhältnis von Stevens zu Gisdol seit Längerem als belastet gilt, aber auch für andere Fachleute kam die Entscheidung pro Gisdol zumindest überraschend. Nicht, weil man sein Können als Trainer anzweifelt, sondern vielmehr deswegen, weil seine Spielidee sich nur wenig von der seines Vorgängers Achim Beierlorzer unterscheidet. Auch Gisdol setzte bei seinen Mannschaften bislang auf konsequentes Gegenpressing - ein Ansatz, der schlicht nicht zum aktuellen Kader des 1. FC Köln passt, wie man in dieser Saison eindrucksvoll sehen konnte.

Ungeachtet der skeptischen Stimmen aus dem Umfeld gab sich der neue FC-Trainer bei seiner offiziellen Vorstellung am Dienstag (19.11.2019) aber selbstbewusst: "Ich weiß, welche Aufgabe mich erwartet und was ich leisten kann." Der 50-Jährige weiß aber auch, dass er schnell Ergebnisse liefern muss: "Ich kann die schönsten Geschichten erzählen. Am Ende der Saison ist wichtig, dass wir weiter in der ersten Liga sind."

Rampenlicht, Co-Trainer, Modeste - Baustellen über Baustellen

Doch nicht nur fachlich, auch menschlich können sich Gisdol erstmal nur wenige in der Domstadt vorstellen. Der ehemalige HSV-Sportchef Jens Todt sagte einst über den Schwaben: "Markus Gisdol ist ein eher introvertierter Mensch, der nicht die große Bühne sucht. Er ist kein Umarmer. Er kennt die Spielregeln des Zirkus Profifußball, aber er muss nicht unbedingt im Rampenlicht der Manege stehen."

Zwar waren die Aussagen Todts damals als Kompliment gemeint, für eine schnelle Eingewöhnung in der Medienstadt am Rhein sprechen sie allerdings nicht. Denn kaum irgendwo anders steht ein Trainer derart im Rampenlicht wie im fußballverrückten Köln.

Kein Platz mehr für Manfred Schmid

Hinzu kommen weitere Baustellen, wie die Frage was aus dem bisherigen Co-Trainer Manfred Schmid wird. Weil Gisdol seinen langjährigen Vertrauten und Assistenzcoach Frank Kaspari mit nach Köln bringt, ist für ihn im Trainerteam kein Platz mehr. Man hoffe, dass Schmid "dem Verein in einer anderen Funktion erhalten bleibt", erklärte Geschäftsführer Alexander Wehrle.

Auch Gisdols zerrüttetes Verhältnis zu Stürmer Anthony Modeste birgt Konfliktpotential. Der Franzose war 2015 vor Gisdol aus Hoffenheim geflüchtet. Der Coach selber wollte das Thema aber nicht zu hoch hängen, sagte nur: "Wir brauchen ihn - wie jeden anderen Spieler auch. Es wird auch mit ihm ein Neustart."

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Zweimal schaffte Gisdol schon die Rettung

Doch vielleicht ist die Skepsis, die dem 50-Jährigen von allen Seiten entgegen bläst auch seine größte Chance. Denn eigentlich kann Gisdol beim FC fast nur im positiven Sinne überraschen. Und es gibt durchaus auch Argumente, die für den Schwaben sprechen. Gisdol schaffte sowohl mit Hoffenheim (2013) als auch dem HSV (2017) den Klassenerhalt - und das, obwohl beide Vereine zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung deutlich schlechter da standen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger, wird von ihm nun auch in Köln erwartet.

Außerdem könnte Gisdol tatsächlich für einen neuen Impuls sorgen, den das Team im Abstiegskampf unbestritten bitter nötig hat. Denn dass die Mannschaft mehr Qualität besitzt, als sie zuletzt auf dem Rasen gezeigt hat, darin sind sich wohl alle einig.

Viel Zeit, bleibt Gisdol allerdings nicht. Am besten schon beim nächsten Spiel in Leipzig am Wochenende, spätestens aber bei den Partien gegen Augsburg und Union Berlin muss der Trainer Ergebnisse liefern. Sonst könnte Stevens am Ende recht behalten und es wird für den 50-Jährigen ein kurzes Gastspiel bei den Geißböcken.

Gisdol: "Müssen jetzt gewissenhaft und grundlegend arbeiten" Sportschau 19.11.2019 02:38 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 Das Erste

Stand: 19.11.2019, 11:48

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