Gladbachs Florian Neuhaus - gereift zum Anführer auf der Sechs

Gladbachs Sechser von links nach rechts: Denis Zakaria, Florian Neuhaus und Christoph Kramer

Gladbachs Florian Neuhaus - gereift zum Anführer auf der Sechs

Von Julian Tilders

Bei Borussia Mönchengladbach reißt Florian Neuhaus (23) die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers Nummer eins zunehmend an sich - trotz hochkarätiger Konkurrenz.

Sachlich, nüchtern, besonnen. Florian Neuhaus weiß genau, dass ihm momentan beinahe alles gelingt, ohne dabei überheblich zu wirken. Nach dem 4:1-Sieg über den FC Schalke 04 blickte er am Sportschau-Mikro auf seinen Treffer zurück: "Wenn man einen Lauf hat, dann gehen auch solche Dinger rein, wenn drei [Gegenspieler, d. Red.] auf der Linie stehen."

Ein Lauf hat per Definition immer auch irgendwann ein Ende. Allerdings gibt Neuhaus' konstante Entwicklung Anlass zur Annahme, dass sich dieses Leistungsniveau beim 23-Jährigen gerade verfestigt. Es ist also weniger ein Lauf, als der nächste Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Anführer Nummer eins im Gladbacher Mittelfeld.

Kramer, Zakaria und Neuhaus: die Qual der Wahl

Trainer Marco Rose kommt am Neu-Nationalspieler aktuell nicht vorbei. Nur der Mann an seiner Seite wechselt: Am 8. Bundesliga-Spieltag gegen Augsburg und beim 4:0 über Donezk in der Champions League spielte Christoph Kramer von Beginn an, beim 4:1 gegen den FC Schalke 04 am Samstag stand der wieder einsatzfähige Denis Zakaria in der Startaufstellung. Neuhaus spielte in allen drei Partien von Beginn an.

Gladbachs Neuhaus: "Vor der Saison vorgenommen, torgefährlicher zu werden"

Sportschau 28.11.2020 00:31 Min. Verfügbar bis 28.11.2021 ARD


Zakaria hatte sich Anfang März 2020 schwer im Training verletzt. Damals hatte ihn angeblich viele europäische Top-Klubs auf dem Zettel. Nun ist auch Zakaria nach über acht Monaten wieder zurück.

Trainer Rose hat daher die Qual der Wahl im Zentrum: ein wieder erstarkter Weltmeister von 2014 im besten Fußballalter (Kramer, 29), ein torgefährlicher Schweizer mit der Dynamik eines Paul Pogba (Zakaria, 24) und eben Neuhaus (23).

Die Acht im Hinterkopf

Neuhaus interpretiert dabei die Sechs durchaus etwas offensiver. Er habe sich "vor der Saison vorgenommen, noch ein Stück weit torgefährlicher zu werden, mit in die Box reinzugehen und auch für abgewehrte Bälle da zu sein."

Beizeiten agiert er eher wie ein Achter, setzt auch oft die Stürmer mit präzisen Pässen in Szene. Das zahlte sich zuletzt aus: In den letzten beiden Bundesliga-Partien erzielte er zwei Tore selbst und bereitete eins vor.

Gesunde und konstante Entwicklung

Zufällig scheint all das nicht: Neuhaus' gesamte Entwicklung verlief bislang recht konstant und in offenbar gesundem wenn auch zügigem Tempo.

Manager Max Eberl holte den gebürtigen Landsberger (Bayern) zur Saison 2017/18 vom TSV 1860 München ablösefrei an den Niederrhein. Neuhaus wurde sofort an den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf verliehen und sammelte in 27 Partien (sechs Tore/drei Assists) Spielpraxis.

Bei seiner Rückkehr nach Gladbach zur Spielzeit 2018/19 wurde er umgehend gefordert und gefördert. Mit damals 21 Jahren absolvierte er in seiner ersten Bundesliga-Saison 32 Partien, erzielte drei Tore und legte neun auf.

Gesetzt auch in der Champions League

Mittlerweile übernimmt Neuhaus mehr und mehr Verantwortung, das zeigen auch seine Auftritte in der Champions League. In den vier Gruppenspielen verpasste er bisher nur 21 Minuten im letzten Aufeinandertreffen mit Donezk.

Auch gegen Inter Mailand (Dienstag, 21 Uhr), wenn Gladbach womöglich schon ein Remis zum Erreichen des Achtelfinales reichen könnte, wird Neuhaus wohl wieder eine tragende Säule sein. Verzichten muss Gladbach übrigens auf Innenverteidiger Nico Elvedi, der sich im Training eine Muskelverletzung zugezogen hat. Tony Jantschke wird ihn ersetzen. Außerdem fehlen Ramy Bensebaini (Corona-Erkrankung) und Jonas Hofmann (Muskelbündelriss) weiterhin.

Vergleiche mit Kroos und Schweinsteiger lehnt er ab

In den Medien wurden bereits Vergleiche zwischen Neuhaus und Toni Kroos oder Bastian Schweinsteiger gezogen. Dazu bezog er nun gegenüber der "Rheinischen Post" Stellung: "Es ehrt mich, wenn ich mit solchen Spielern verglichen werden. Aber ich finde es auch schwierig, wenn man auf die Vergleiche reduziert wird."

Er verwies auf seinen eigenen Stil: "Wenn ich die besten Sachen der beiden mit meinen Qualitäten zusammenbringen kann, ohne meinen eigenen Weg zu verlassen, würde mich das nochmal voranbringen."

Stand: 30.11.2020, 09:13