Fußball | Bundesliga

Gladbachs Neuhaus - die Enge im Zentrum setzt ihm zu

Stand: 06.11.2021, 11:15 Uhr

Es ist noch nicht die Saison von Borussia Mönchengladbachs Florian Neuhaus, oft war er nur Ersatz. Auch am 11. Spieltag der Bundesliga gegen Mainz 05 saß Neuhaus erst auf der Bank und war dann doch entscheidend. Nur zufrieden war er nicht.

Von Julian Tilders

Fragt man die Fans von Borussia Mönchengladbach nach ihrem Florian-Neuhaus-Moment, ist die Antwort meist klar. Oktober 2020, es ist der 1. Gruppenspieltag der Champions League, der Gegner heißt Inter Mailand. Kurz vor dem Spielende hebelt Neuhaus mit einem Zauberpass aus der eigenen Hälfte ganz Mailand aus und legt Jonas Hofmann das zwischenzeitliche 2:1 auf.

Es reicht trotzdem nicht zum Sieg, aber im Anschluss bestimmt Neuhaus die Schlagzeilen. Der Mittelfeldmann ist zu diesem Zeitpunkt unter Trainer Marco Rose (mittlerweile Borussia Dortmund) zum Leistungsträger und Nationalspieler gereift und für Gladbach unverzichtbar.

Umstellung in Mainz schafft wieder Platz für Neuhaus

Derzeit sieht es für Neuhaus jedoch anders aus, die Rolle des Strippenziehers im Mittelfeld hat sich der vor einem guten Jahr noch angeschlagene Denis Zakaria unter dem neuen Coach Adi Hütter wiedergeholt. Zuletzt erhielt auf der zweiten Sechserposition auch der junge Manu Koné den Vorzug. Dass es wieder eng werden würde im Gladbacher Zentrum, war beim Blick auf das üppig vorhandene wie talentierte Personal wohl nur eine Frage der Zeit.

Aber am Freitagabend (05.11.2021) beim 1:1 gegen Mainz 05 blitzten diese Neuhaus-Momente zwischendurch wieder auf. Die Kurz- und Tiefenpässe kamen an (Quote: 87 Prozent), außerdem reagierte der 24-Jährige bei seinem Abstauber-Treffer zum 1:0 in der Manier eines echten Torjägers.

Dabei hatte er erst einmal von der Bank aus zugesehen - wie schon in den letzten sieben Pflichtspielen, inklusive des 5:0-Spektakels gegen Bayern München im Pokal. Er profitierte von einer Umstellung. Trainer Adi Hütter zog für den früh verletzten Nico Elvedi Sechser Zakaria zurück in die Dreierkette, daraus ergab sich wieder Platz für Neuhaus in der Schaltzentrale.

Neuhaus hat gemerkt, "wie schnell es im Profifußball gehen kann"

Dass die letzte Zeit an Neuhaus genagt hat, ließ er nach dem für Gladbach enttäuschenden Remis bei "DAZN" erkennen. Er gab einen Einblick in seine Gefühlswelt: "Es ist nicht ganz einfach für mich. Ich habe mir hier über drei Jahre etwas aufgebaut und habe jetzt selbst gemerkt, wie schnell es im Profifußball gehen kann."

Seine Unzufriedenheit drückte Neuhaus dabei unaufgeregt, aber klar aus: "Ich hätte mir vielleicht auch ein Stück weit mehr Rückendeckung des Vereins gewünscht, aber im Profifußball ist das vielleicht auch Wunschdenken." Am Sportschau-Mikro wollte der Mittelfeldspieler auch nicht näher ins Detail gehen: "Es ist immer angenehm, wenn der Verein zu 100 Prozent zu einem steht und hätte mir in der Phase wahrscheinlich auch gut getan." Er akzeptiere die Situation jedoch und sei im engen Austausch mit dem Trainer.

Hütter sieht keinen Gesprächsbedarf mit Neuhaus

"Ich bin nicht der Verein, sondern der Trainer. Es gilt das Leistungsprinzip. Flo sieht, dass wir im Zentrum gut besetzt sind", sagte Hütter bei "DAZN", als er mit Neuhaus' Aussagen konfrontiert wurde. Dass die Situation für Neuhaus neu ist, gehöre "zur Entwicklung eines sehr guten Spielers. Mich freut es besonders, dass er heute das wichtige Tor geschossen hat."

"Emotionen gehören dazu", beschwichtigte Hütter am Sportschau-Mikro. Und Floskeln gehören natürlich auch dazu. Denn vieles werde laut Hütter "schlussendlich heißer gekocht, als es dann gegessen wird." Gesprächsbedarf mit Neuhaus, der nun in der Länderspielpause erst einmal zur Nationalmannschaft reist, gebe es laut Hütter jedenfalls nicht.