Dortmund vor dem Supercup: Wie weit ist der BVB?

Dortmunder Spieler klatschen ab

Dortmund vor dem Supercup: Wie weit ist der BVB?

Von Dirk Burkhardt

  • BVB empfängt Bayern am Samstag (03.08.2019).
  • Supercup im Dortmunder Stadion.
  • Beeindruckende BVB-Bilanz in den Testspielen.

Kapitän Marco Reus, Sportdirektor Michael Zorc, Top-Zugang Julian Brandt oder Mittelfeldkopf Axel Witsel - mittlerweile haben es viele maßgebliche Personen bei Borussia Dortmund mindestens einmal öffentlich und deutlich gesagt: Beim BVB wollen sie am Ende der Saison 2019/20 ganz oben stehen, Meister sein.

Darauf ist beim Vize-Meister des Vorjahres alles Denken und Handeln seit dem Start der Vorbereitung am 3. Juli ausgerichtet. Mit dem Supercup-Duell gegen Bayern München am Samstag (03.08.2019, 20.30 Uhr) im ausverkauften heimischen Stadion beginnt die Zeit, in der den Worten Taten folgen müssen.

Reus zum Supercup: "Das ist ein Prestigeduell" Sport im Westen 31.07.2019 00:21 Min. Verfügbar bis 31.07.2020 WDR

Und dass die Mannschaft genau das will, unterstrich Reus nach dem 4:1 im letzten Test gegen den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen: "Weder wir noch München sind bei 100 Prozent, aber es ist ein Titel zu vergeben und es ist ein Prestigeduell. Das wollen wir natürlich gewinnen." Zeit also, einen Blick auf den aktuellen Stand beim BVB zu werfen:

Testspiele

Dortmunds Götze (l.) im Zweikampf mit Liverpools Oxlade-Chamberlain

Dortmunds Götze (l.) im Zweikampf mit Liverpools Oxlade-Chamberlain

Die Bilanz liest sich beeindruckend: Sechs Spiele bestritt die Borussia in der Vorbereitung, sechs Mal gewann sie, erzielte 30:5 Tore. Allerdings war darunter kein wirklicher Härtetest. Das 3:2 gegen Champions-League-Sieger FC Liverpool war sehr früh in der Vorbereitung. Die jüngsten Gegner FC Zürich (6:0) und FC St. Gallen (4:1) hatten kein gehobenes internationales Format.

Außerdem probierte Trainer Lucien Favre sehr viel in puncto Personal aus. Selten ließ er Leistungsträger durchspielen und oft nicht in den für die Saison zu erwartenden Konstellationen. "Unsere Vorbereitung reicht bis in den Saisonstart hinein", sagte der Schweizer. Was den Ernstfall angeht, ist der BVB noch eine Wundertüte.

Taktik

Die überwiegende Spielzeit ließ Trainer Lucien Favre in der Vorbereitung im gewohnten 4-2-3-1 spielen. Als risikofreudigere Variante war auch mal ein 4-1-4-1 dabei. Die Grundausrichtung haben die Spieler aus der Vorsaison verinnerlicht und die Neuzugänge schnell als Gerüst kennengelernt.

"Wir spielen uns gute Chancen heraus", sagte der BVB-Coach nach dem bisher letzten Testspiel. Soweit die positive Seite. Womit der Schweizer noch hadert, sind die Rückwärtsbewegung und Ungewissheiten in der Viererkette. Achraf Hakimi ist auf der rechten Seite nach seinem Mittelfußbruch noch nicht ganz fit. Auf der linken Seite hat Nationalspieler Nico Schulz den Anschluss ebenfalls noch nicht ganz gefunden.

Wunschformation

Im Tor ist Roman Bürki gesetzt, genauso wie in der Innenverteidigung Rückkehrer Hummels. Der Weltmeister hat auf Anhieb die von ihm erwartete Führungsrolle angenommen und wird mit Manuel Akanji im Zentrum spielen. Auf Außen führt bei entsprechender Fitness nichts an Hakimi (rechts) und Schulz (links) vorbei.

Julian Weigl oder Mo Dahoud bekamen im zentralen Mittelfeld der Dortmunder zwar in den Tests viel Spielzeit, aber wenn es drauf ankommt, wird Favre im Sinne der Stabilität wieder auf Witsel und Thomas Delaney setzen.

Dortmunds Schulz (l.) geht an St. Gallens Costanzo vorbei

Dortmunds Schulz (l.) geht an St. Gallens Costanzo vorbei

Besonders viel Rotationspotenzial hat der BVB in der offensiven Mittelfeldreihe. Marco Reus, Julian Brandt, Jadon Sancho, der in der Vorbereitung starke Jakob Bruun Larsen, Thorgan Hazard, Mario Götze oder auch Maximilian Phillipp kommen in Frage. Dabei dürften nur Kapitän Reus und Shootingstar Sancho zwei der drei oder vier Plätze am ehesten fest besetzen.

In der Sturmspitze scheint Trainer Lucien Favre mit seinen Überlegungen noch nicht am Ende zu sein. Neben Tormaschine Pablo Alcacer durften sich Thorgan Hazard und wie schon in der Vorsaison Götze auf der Neuner-Position präsentieren. Ist Alcacer zu einhundert Prozent fit, dürfte er die erste Wahl sein.

Personallage

Was die Fitness angeht, geht Borussia Dortmund hinsichtlich des Stammpersonals ohne Langzeitverletzte in die Saison. Im Supercup gegen Bayern München wird allerdings Julian Brandt (Adduktorenprobleme) definitiv fehlen. Der Einsatz von Thorgan Hazard (Knöchelverletzung) und Roman Bürki (Schnittwunde am Bein) ist eher unwahrscheinlich.

Generell ist der Kader mit 33 Spielern auch kurz vor dem Pflichtspielstart noch zu groß. Für gestandene Spieler wie Andre Schürrle oder Shinji Kagawa sucht der BVB noch Abnehmer. Auch Raphael Guerreiro, Julian Weigl oder Maximilian Philipp dürften wohl gehen, wenn die Konstellation passt.

Stimmung

Platz zwei in der Vorsaison, über 120 Millionen Euro an Transferausgaben und das Bekenntnis, Bayern München den achten Meistertitel in Folge streitig machen zu wollen - all das hat eine große Erwartungshaltung im schwarz-gelben Teil des Ruhrgebiets geweckt.

Die reinen Ergebnisse haben in der Vorbereitung gestimmt. Die Spieler vermitteln nach außen den Eindruck, als würde es in der Mannschaft passen und als würden alle auf das große Ziel hinarbeiten. Der Supercup soll nun den nächsten Schub bringen. "Es ist wichtig, uns und unseren Fans direkt zu zeigen, dass wir da sind und dass wir was Großes vorhaben", sagt Kapitän Reus.

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Sportschau 31.07.2019 00:23 Min. Verfügbar bis 31.07.2020 ARD

Stand: 01.08.2019, 14:34