Florian Wirtz - der "Zocker" mit der großen Leichtigkeit

Florian Wirtz jubelt nach seinem Treffer

Florian Wirtz - der "Zocker" mit der großen Leichtigkeit

Von Jörg Strohschein

Mit 18 Jahren drückt Florian Wirtz der Bundesliga schon seinen Stempel auf. Der offensive Mittelfeldmann der Leverkusener beeindruckt sogar die eigenen Mitspieler und hat in dieser Saison eine beeindruckende Erfolgsquote vorzuweisen.

Selbst Gerardo Seoane konnte sich ein Lob nicht nicht verkneifen. "Und das alles in diesen jungen Jahren. Das ist ihm hoch anzurechnen", sagte der sonst mit Individuallob doch eher zurückhaltende Trainer von Bayer Leverkusen nach dem 3:1-Auswärtserfolg beim VfB Stuttgart am Sonntagabend (19.09.2021). An welchen seiner Spieler der Schweizer diese warmen Worte richtete, war eindeutig: Florian Wirtz.

Der 18-Jährige war einmal mehr der überragende Spieler bei den Rheinländern. Ein Tor, eine Vorlage waren gegen die Schwaben der zählbare Arbeitsnachweis des offensiven Mittelfeldspielers. Hinzu kamen aber seine besonderen Fähigkeiten wie sein außergewöhnliches Spielverständnis, sein enormer Arbeits- und Laufwille sowie seine ausgefeilte Technik, die Wirtz eine natürliche Leichtigkeit verleiht, die nicht zu erlernen ist. "Mich hat fasziniert, wie er vorne für die Mannschaft gearbeitet hat - ganz unabhängig vom Tor oder der Vorlage", schwärmte Teamkollege Jonathan Tah.

Hradecky: "Ein geiler Zocker"

Diese große Anerkennung kennt Wirtz schon aus seinen Jugendtagen. Er war auch schon in den Nachwuchsmannschaften immer besser als seine Mitspieler. Dieser Trend scheint sich nun auch auf höchster Erwachensenen-Ebene fortzusetzen. Natürlich ist Wirtz auch schon Nationalspieler, seit September 2021 gegen Liechtenstein. Mit 18 Jahren, drei Monaten und 30 Tagen der jüngste den Bayer 04 jemals hatte.

Wirtz überragt beim Leverkusen-Sieg in Stuttgart Sportschau 19.09.2021 09:05 Min. Verfügbar bis 30.06.2022 Das Erste

In dieser Spielzeit hat der in Pulheim nahe Köln geborene Wirtz in vier Bundesliga-Partien drei Tore erzielt und vier Treffer direkt vorbereitet. In der Europa League traf er unter der Woche gegen Ferencvaros Budapest zum entscheidenden 2:1-Erfolg. Damit ist Wirtz in dieser Spielzeit statistisch alle 36 Minuten an einem Treffer der Leverkusener beteiligt - eine großartige Quote.

"Ein geiler Zocker natürlich. Er ist auch ein bisschen frech, das tut ihm gut. Er geht voran und zeigt mit seiner Mentalität, wie man als 18-Jähriger schon seine Bundesligaspiele absolvieren soll", sagte Bayer-Torhüter Lukas Hradecky der ARD fast schon mit Bewunderung in seiner Stimme über seinen Teamkameraden. "Hut ab, hoffentlich bleibt er bodenständig."

Keine Ausstiegsklausel

Daran dürften allerdings kaum Zweifel bestehen. Während er auf dem Fußballplatz so reif und unerschrocken wirkt ("Ich mache mir keinen Druck, ich liebe es Fußball zu spielen"), so erscheint Wirtz außerhalb als zurückhaltender, fast schon schüchterner Zeitgenosse, dem die große Aufmerksamkeit eher zu irritieren scheint.

Die internationalen Topklubs dürften ihre Zurückhaltung in Sachen Wirtz allerdings sehr bald aufgeben. Viele werden schon längere Zeit ein Auge auf ihn geworfen haben. Auch der FC Bayern dürfte sich für den jungen Leverkusener intensiv interessieren. Erst Ende Mai hatte Wirtz allerdings seinen Vertrag beim Werksklub bis zum Jahr 2026 verlängert - ohne Ausstiegklausel. "Das ändert nichts an der Tatsache, dass wir ein Klub sind, der immer mal Spieler abgeben muss. So wie wir auch Kai Havertz für eine hohe Summe abgegeben haben", sagte Sportchef Rudi Völler jüngst.

Für das ehemalige Bayer-Juwel Havertz haben die Leverkusener rund 100 Millionen Euro vom FC Chelsea kassiert. Für Wirtz dürfte die Summe bei gleichbleibender sportlicher Entwicklung nicht gerade geringer ausfallen - welcher Spitzenklub auch immer an ihm interessiert sein wird. Allerdings haben sich beide Seiten wohl noch ein paar Jahre Zeit gegeben, ehe derartige Veränderungen anstehen.

Stand: 20.09.2021, 11:09