Schalker Status quo: Es ist kompliziert

Die Geschäftsstelle des FC Schalke 04

Schalker Status quo: Es ist kompliziert

Von Julian Tilders

  • Schalke 04 spricht von "existenzbedrohenden" Herausforderungen
  • Rote Zahlen und kein Eigenkapital als Puffer
  • Transfers im Sommer voraussichtlich schwierig

Die Finanzwelt der Fußballklubs wird kräftig durchgewirbelt. Im Zuge der Coronakrise mit nahezu unvorhersehbaren Folgen für den mit Geld verwöhnten Profifußball nahm das Portal "transfermarkt.de" eine Neubewertung der Marktwerte vor. Die Kader aller Klubs verloren im Ranking an Wert – die Bundesligisten zusammen mehr als 900 Millionen Euro.

"Die Börsenkurse sind eingebrochen, zahlreichen Vereinen könnte eine Insolvenz drohen und die Transferplanungen sind aufgrund der vielen Unsicherheiten bei den meisten Klubs zum Erliegen gekommen", erklärte "transfermarkt.de"-Gründer Matthias Seidel.

Marktentwicklung als Herausforderung

Der Kader-Marktwert des FC Schalke 04 sank um 16,66 Prozent und steht nun bei etwa 212 Millionen Euro. Das ist zwar immer noch der sechstbeste Wert der Bundesligisten. In Europa aber sind die meisten England-Klubs finanziell weit enteilt, auch Klubs wie der OSC Lille (Frankreich) oder Real Betis (Spanien) stehen in Sachen Marktwert mittlerweile vor S04 (Platz 40).

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Sportschau 09.04.2020 02:07 Min. Verfügbar bis 09.04.2021 ARD Von Mathias Merget

Für Schalke, das in den letzten Jahren durch Verkäufe von Eigengewächsen wie beispielsweise Julian Draxler (Ablöse: 43 Mio. Euro) oder Leroy Sané (50 Mio. Euro) hohe Erlöse erzielte, ist zudem die voraussichtlich schwindende Finanzkraft potenzieller Abnehmer für zukünftige in der "Knappenschmiede" ausgebildete Ausnahmetalente keine rosige Aussicht.

Negative Bilanz bei S04

Die Gehaltsstruktur ist derweil offenbar noch auf Champions-League-Niveau: Ungeachtet des zweithöchsten Konzernumsatzes der Klubgeschichte von 275 Millionen Euro weist S04 für 2019 einen Fehlbetrag von 27,1 Millionen Euro und als einer von drei Bundesliga-Vereinen ein negatives Eigenkapital von 18,5 Millionen Euro aus, wie Sport inside berichtete. Für das laufende Jahr rechnet S04 mit einem weiteren Minus "im niedrigen zweistelligen Millionenbereich". Allein die Kosten für den Lizenzspielerbereich liegen nach dpa-Informationen bei etwa 100 Millionen Euro.

Kein guter Puffer, wie Prof. Dr. Henning Zülch (Handelshochschule Leipzig) dem WDR erklärte. Demnach sei Eigenkapital von Vorteil, um in schwierigen Situationen "zu restrukturieren". Der Klub ist nach eigener Aussage (08.04.2020) bestrebt, "die aktuelle Saison zu Ende zu spielen", da er ohne TV-Einnahmen "vor einer potenziell existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation" stünde.

Prof. Dr. Henning Zülch: "Geisterspiele sind das einzige, was diesen Ligen hilft" sport inside 09.04.2020 00:43 Min. Verfügbar bis 09.04.2021 WDR

Unbekannte Variable: Transfermarkt im Sommer

Der Kampf um den Status quo könnte sich im Sommer verschärfen. Die Verträge von Daniel Caligiuri und Benjamin Stambouli als wichtige Größen im Team laufen aus, der vielversprechende Außenverteidiger Jonjoe Kenny wird wohl vom FC Everton nach Ende der Leihe zurückbeordert.

Auch das Ziehen der Kaufoption bei Jean-Clair Todibo (Leihe, FC Barcelona), laut S04 "eines der größten Innenverteidiger-Talente Europas", könnte mit einem Aufwand von 25 Millionen Euro eine Nummer zu groß sein. "Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit durch die aktuelle Krisensituation eher gesunken ist", sagte Sportvorstand Jochen Schneider zuletzt. Nach Informationen des "kicker" stehe eine erneute Leihe im Raum. Mehr als eine Lösung auf Zeit gestaltet sich momentan nun einmal schwierig.

Stand: 10.04.2020, 10:33