Esser wird nach Protesten nicht neuer Medienchef beim 1. FC Köln

 Logo des 1. FC mit Geißbock im Rhein-Energie-Stadion.

Esser wird nach Protesten nicht neuer Medienchef beim 1. FC Köln

Eben noch hat der 1. FC Köln die Einstellung eines neuen Medienchefs bekannt gegeben, da muss er auch schon zurückrudern. Nach Protesten der Mitglieder revidiert der Verein die Personalie.

"Er hat als gebürtiger Kölner das richtige Gefühl für die Stadt und die Menschen" - so kommentierte Werner Wolf am Montag (01.02.2021) die Installation von Fritz Esser als neuem Medienchef des 1. FC Köln ab dem 1. Mai 2021. Was der Präsident des 1. FC Köln zu diesem Zeitpunkt wohl nicht ahnte: Mit dieser Personalie handelte sich der Fußball-Bundesligist viel Kritik in den sozialen Medien ein, die sich zu einem ernsthaften Mitgliederprotest entwickelte.

Am Mittwoch nahm der FC schließlich seine Entscheidung zurück. "Seit der Veröffentlichung haben uns Vorwürfe erreicht, die wir vorher hätten prüfen müssen. Daraus werden wir Konsequenzen ziehen", schrieben Wolf und Geschäftsführer Alexander Wehrle in einer Mitteilung. "Wir bitten alle Mitglieder und Fans um Entschuldigung. Wir haben Herrn Esser als integren Menschen mit demokratischem Wertegerüst kennengelernt. Dennoch haben wir uns nach intensivem Austausch entschieden, auf die Zusammenarbeit zu verzichten."

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Negative Äußerungen über FC-Fans, Lob für AfD-Positionen

Hintergrund: Der 39-jährige Esser, Schwiegersohn des verstorbenen Ex-Nationalspielers Hannes Löhr, äußerte sich in der Vergangenheit mehrfach negativ über FC-Fans, benannte sie in einem Tweet im Zusammenhang mit einer Protestaktion gegen RB Leipzig öffentlich bereits als "Schwachmaten".

Zudem vertrat er öffentlich AfD-nahe Positionen. So lobte er unter anderem 2017 per Twitter den AfD-Abgeordneten Bernd Baumann, als dieser mit einem Göring-Vergleich im Bundestag für Empörung sorgte. Dem WDR gegenüber versicherte die FC-Geschäftsführung, von Essers Tweets nichts gewusst zu haben.

"Liga egal, Werte nicht"

Esser, der zuletzt für die DB-Tochter Schenker Logistics den Newsroom leitete, arbeitete zuvor neun Jahre für die Bild-Zeitung. Dort vertrat er immer wieder Positionen, die viele der protestierenden FC-Fans nicht für vereinbar mit den Werten des Klubs halten.

"Die Liga ist uns egal, die Einstellung nicht", postete "heute Show"-Comedian Fabian Köster. Neben zahllosen Fans und Mitgliedervertretern schlossen sich dieser Meinung auch bereits einige weitere prominente FC-Fans an. So distanzierte sich Lukas Podolski ebenso von dieser Personalentscheidung wie Comedian Carolin Kebekus, die kölsche Musikband Kasalla oder der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans, der ankündigte, beim FC nachzuhören. "Was ich lese, erschüttert mich", schrieb er.

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Esser wehrte sich am Mittwoch gegen die Vorwürfe. "Eines möchte ich allerdings klarstellen: Ich stehe hinter jedem Buchstaben der FC-Charta wie auch hinter der liberalen Grundordnung unserer Demokratie und lehne extreme und extremistische Parteien jeder Art ab. Wer mich kennt, kann daran keinen Zweifel haben", wird Esser in der FC-Mitteilung zitiert.

Petition mit zahlreichen Unterschriften, Mitgliederrat "entsetzt"

Der Mitgliederrat, einziges Kontrollgremium des Klubs, musste in die Entscheidung nicht mit einbezogen werden. Dort hatte man aber "entsetzt" und "fassungslos" auf die Entscheidung reagiert, Esser als Mediendirektor einzustellen, wie der WDR erfuhr. Für den Mitgliederrat sei die Personalie nicht mit der sogenannten Charta des Vereins vereinbar, hieß es. Deshalb werde man das Gespräch mit dem Vorstand suchen. Eine Online-Petition hatte bereits zahlreiche Unterschriften erhalten. Unter den Mitarbeitenden herrschte weitgehend Unverständnis. Nun die Kehrtwende. Der neue Mann kommt doch nicht.

red | Stand: 03.02.2021, 17:08