1. FC Köln und Anthony Modeste - alarmierende Parallelen

Stand: 06.07.2022, 14:46 Uhr

Beim 1. FC Köln erinnert aktuell vieles an 2017. Dank Anthony Modeste schaffte es der Klub in den Europapokal. Doch dann ging der Stürmer, es folgte der Absturz. Wiederholt sich die Geschichte?

Von Sebastian Hochrainer

Vor einigen Wochen trugen die Fans des 1. FC Köln ihren Helden Anthony Modeste noch auf Händen über den Rasen des heimischen Stadions. Seine 20 Saisontore sorgten dafür, dass der FC die Qualifikation für den Europokal schaffte. Dank des siebten Platzes spielt Köln in der kommenden Spielzeit in der Conference League.

Ähnlich war es schon 2017, als Modeste den FC mit 25 Treffern in die Europa League schoss. Es folgte damals sein Abgang und Kölns Absturz - und vieles erinnert nun an diese Zeit.

Wechsel wegen fehlender Sicherheit?

Denn der 34-Jährige geht sehr offen damit um, dass er den Klub zum zweiten Mal verlassen könnte. "Ich habe den FC mit meinen Toren in die Conference League geschossen. Wenn man 20 Tore macht, wäre es schlecht, wenn mein Berater nicht aktiv auf dem Markt wäre", sagte Modeste im Trainingslager in Donaueschingen.

Sein Problem: Der Verein hatte angekündigt, ihm vorerst kein Angebot für eine Verlängerung seines 2023 auslaufenden Vertrages machen zu können, erst im Herbst sei dies machbar. Doch Modeste will schon jetzt Sicherheit. "Was ist, wenn ich mit einem auslaufenden Vertrag in die Saison gehe und dann keine Verlängerung kriege? Ich bin 34 Jahre alt. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, nochmal irgendwo einen Vertrag für zwei, drei Jahre zu bekommen, muss ich mit dem Verein reden", sagte Modeste.

Modeste und Köln wurden ohneeinander unglücklich

Schon 2017 verließ der Franzose den Klub, damals waren es auch vor allem finanzielle Aspekte, die zur Entscheidung führten. Modeste wechselte nach China zu Tianjin Tianhai, wurde dort aber nicht glücklich und kehrte eineinhalb Jahre später nach Köln zurück. Doch da passierte in der Zwischenzeit einiges, was nun unbedingt verhindert werden muss.

Peter Stöger und Jörg Schmadtke | Bildquelle: imago

In der Folgesaison erlebte der FC zwar Höhepunkte in Europa, im nationalen Wettbewerb aber den absoluten Tiefpunkt. Köln wurde Letzter in der Bundesliga und stieg in die 2. Liga ab. Ohne Modeste ging nichts mehr, und so musste auch Peter Stöger, der zuvor neben dem Goalgetter der Liebling der Fans war, das sinkende Schiff verlassen.

Baumgart muss es besser als Stöger machen

Ähnlich umjubelt ist nun auch Trainer Steffen Baumgart, dessen Vertrag in der Sommerpause bis 2024 verlängert wurde. "Er hat den 1. FC Köln wiederbelebt, hat Unglaubliches geleistet. Er hat einzelne Spieler und die Mannschaft besser gemacht. Er hat für neue Identifikation gesorgt", sagte Ex-Coach Christoph Daum nun im "Express".

Er warnte aber auch: "2017 wurde die Europa League erreicht, Tausende Fans sind nach London zum Arsenal-Spiel gereist - und am Ende der Saison stand der Abstieg. Wichtig ist jetzt, dass man sich kontinuierlich hinterfragt, was man besser machen kann. Denn im Erfolgsfall war nicht alles richtig, genau wie bei Misserfolg nicht alles falsch ist."

Spannendes Trainer-Spieler-Verhältnis

Dass in der Personalie Modeste aber bislang nahezu alles richtig gelaufen ist, ist unbestritten. Baumgart - wie auch zuvor Stöger - und den Stürmer verbindet eine besondere Beziehung, der Trainer hat ihn aus den Leistungstal geholt und wieder zu einem der besten Torschützen der Bundesliga gemacht. Baumgart ist aber auch der erste Kritiker, wenn der exzentrische Modeste mal über das Ziel hinausschießt.

Die möglichen Nachfolger stehen bereit

Sollte es den 20-Tore-Mann aber doch zu einem anderen Verein ziehen, hat Köln versucht, vorzusorgen. Anders als 2017 werden nicht etwa 30 Millionen Euro bei einem Transfer einzunehmen sein, es gibt also nun preiswertere Alternativen als damals Jhon Cordoba, der für 17 Millionen Euro von Mainz 05 kam.

Sargis Adamyan wechselte nun von der TSG Hoffenheim nach Köln, soll etwa 1,5 Millionen Euro gekostet haben. Mit Steffen Tigges wurde wohl für die gleiche Ablösesumme ein Angreifer mit viel Potenzial von Borussia Dortmund verpflichtet. Der 23-Jährige (14 Bundesligaspiele, drei Tore) spielte jedoch meist für die U23 des BVB in der dritten Liga.

Wie viel Haaland steckt in Tigges?

Im Training war er jedoch dauerhauft bei den Profis und will sich da das Rüstzeug für eine erfolgreiche Köln-Zukunft geholt haben. Er habe sich bei Top-Torjäger Erling Haaland, der nun für Manchester City spielen wird, "viel abgeschaut".

Ein Stürmer mit "Abschlussqualität" - so beschreibt der BVB-Sportchef Sebastian Kehl den Neuzugang Steffen Tigges (r). | Bildquelle: Arne Dedert/dpa

"Erling ist ganz klar einer der besten Stürmer weltweit. Er hat mir immer wieder imponiert. Wie er sich Situationen selbst erarbeitet, mit seinen Laufwegen, seiner Dynamik - das ist unglaublich. Er ist nie zufrieden und versucht immer wieder, auch kleine Stellschrauben zu verbessern", sagte Tigges, der sich diese Verhaltensweisen zum Vorbild nehme. So muss auch der 1. FC Köln nun handeln. Damit es nicht mehr als alarmierende Parallelen zur Saison 2017/18 werden.