BVB-Sportdirektor Michael Zorc: "Nicht auf Abschiedstournee"

BVB im Trainingslager: Zwischen Saisonvorbereitung und Wechsel-Spekulationen Mittagsmagazin 30.07.2021 Verfügbar bis 30.07.2022 Das Erste Von Harald Grundmann

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: "Nicht auf Abschiedstournee"

Teil 3/3 - Zorc dementiert Gerüchte um Haaland

Seit Monaten kursieren Gerüchte über einen Abgang von Erling Haaland. Bei Ihren ständigen Dementis haben Sie sich schon wie der "Papagei von Dortmund" gefühlt. Gab es bei Ihnen irgendwann einmal Zweifel, dass er doch geht?

Zorc: Nein, weil er nicht gehen kann, wenn wir dem nicht zustimmen. Das ist Fakt. Wir haben im Gespräch mit seinem Berater unsere Position sehr deutlich gemacht. Und Erling hat in seiner Medienrunde in Bad Ragaz übrigens auch selbst gesagt, dass er in der kommenden Saison beim BVB spielen wird.

Aber selbst Matthias Sammer, immerhin externer Berater der Borussia, hat kürzlich daran erinnert, dass der börsennotierte BVB ja auch den Aktionären verpflichtet ist. Könnte man es sich deshalb leisten, ein 175 Millionen Euro-Angebot des FC Chelsea auszuschlagen?

Das ist eine rein hypothetische Frage. A: Weil dieses Angebot nicht da ist und auch nicht erwartet wird. Und B: Weil wir ein Fußballverein sind, der darauf ausgerichtet ist, sportlichen Erfolg zu haben. Jeder Aktionär weiß, dass das unser Auftrag ist - bei Beibehaltung der wirtschaftlichen Balance. Wir müssen Erling nicht verkaufen. Außerdem: Als diese Zahlen medial kursierten, haben wahrscheinlich einige Protagonisten noch von der Super League geträumt. Das ist heiße Luft.

Mit Jadon Sancho ist der BVB-Kader um eine Attraktion ärmer. Wie schwer wiegt sein Verlust. Und wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Neuzugang Donyell Malen die Lücken schließen kann.

Natürlich ist Jadons Weggang für uns ein Verlust. Ich habe noch nie einen Spieler in seinem Alter gesehen, der so effektiv war. Er kann auf eine unfassbare Scorer-Bilanz verweisen, die meines Wissens in diesem Alter nicht einmal Messi und Ronaldo erreicht haben. Die Menschen in England wissen noch gar nicht, wie gut er wirklich ist. Jadon war vier Jahre bei uns, es war eine absolute Erfolgsgeschichte.

Und Malen...

Er ist ein sehr interessanter Spieler, erst 22 Jahre alt und in der Offensive sehr flexibel einsetzbar. Was ihn außerdem auszeichnet, ist seine große Schnelligkeit und Kreativität. Aber er ist ein ganz anderer Spielertyp, kann als alleinige Spitze, in einem Zwei-Spitzen-System und auf den Außenbahnen spielen. Wir stellen keinen Quervergleich an: Jadon Sancho kannst du ohnehin nicht eins zu eins ersetzen.

Mit Malen ist die größte Baustelle in der Kaderplanung geschlossen. Welche Arbeiten stehen noch an?

Wir wollen den Kader nicht zu groß werden lassen. Aber das ist kein Wunschkonzert: Der Transfermarkt ist sehr ruhig. Diesen Gegebenheiten müssen wir uns anpassen und flexibel bleiben.

Borussia Dortmund vor Saisonstart 02:47 Min. Verfügbar bis 28.07.2022

Wagen Sie noch eine Prognose. Wo steht der Klub in zehn Jahren - ohne ihre Mithilfe?

Ich denke genauso gut wie jetzt. Es wird nicht einfacher, sich an Bayern München heran zu robben, auch in den nächsten Jahren nicht. Wir müssen schauen, dass wir weiter kreativ und schnell bleiben. Damit wir den Anspruch, den sich der BVB über Jahrzehnte erarbeitet hat, erhalten können.

dpa | Stand: 30.07.2021, 10:32