BVB-Sportdirektor Michael Zorc: "Nicht auf Abschiedstournee"

BVB im Trainingslager: Zwischen Saisonvorbereitung und Wechsel-Spekulationen Mittagsmagazin 30.07.2021 Verfügbar bis 30.07.2022 Das Erste Von Harald Grundmann

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: "Nicht auf Abschiedstournee"

Nach bisher 43 Jahren bei Borussia Dortmund steht Michael Zorc vor seiner letzten Saison. Noch mag der BVB-Rekordspieler und Sportdirektor des Klubs nicht gern über seinen baldigen Ruhestand reden.

Er gilt als einer der Architekten des Dortmunder Aufschwungs nach der Fast-Pleite 2005 und ist zudem der dienstälteste Manager der Fußball-Bundesliga. Doch im Sommer 2022 geht Michael Zorc kurz vor seinem 60. Geburtstag in Rente.

In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählt der gebürtige Dortmunder seine Lieblingsanekdote aus seiner langen BVB-Zeit, lobt den neuen Trainer Marco Rose und bezeichnet die Spekulationen um Erling Haaland als heiße Luft.

Nach unglaublichen 44 Jahren als Spieler und Verantwortlicher bei nur einem Verein nehmen Sie im kommenden Jahr Abschied. Wie fühlt sich das an?

Zorc: Da muss ich sie ein wenig enttäuschen, weil ich diese Gedankengänge im Moment einfach nicht habe. Ich bin total fokussiert auf die Saison und schwelge nicht in Erinnerung und Romantik. Ich will auch 2021/22 erfolgreich sein! Ich sehe mich nicht auf einer Abschiedstournee, sondern bin voll in der Planung der kommenden Spielzeit. Deshalb denke ich nicht viel darüber nach, dass es das letzte Jahr für mich ist. Aber natürlich versuche ich - in den wenigen ruhigen Phasen, die es gibt - das Ganze bewusst mitzunehmen und einfach zu genießen.

Auch wenn Sie sich mit dem Gedanken an die Rente noch schwer tun, Ihre Lieblingsanekdoten aus Ihrer langen Zeit können Sie uns doch sicher schon erzählen.

Es gibt so unglaublich viele. Es würde den Rahmen sprengen, auch nur einen Bruchteil zu erzählen. Eine einzige vielleicht: Als ich meine Profikarriere beendet hatte, bin ich in meiner neuen Rolle nach Brasilien geflogen und habe Dede verpflichtet. Dede war mein erster Transfer - und einer der besten. Kurze Zeit später ist er in unserem Trainingslager am Vierwaldstättersee in der Schweiz angekommen. Nach einer harten Einheit bei heißem Wetter waren alle Profis im See, um sich abzukühlen - nur einer nicht: Dede. Ich fragte ihn: Warum gehst du nicht ins Wasser. Er war starr vor Angst und sagte: Nein, niemals - Krokodile.

Nach Dede gab es zahlreiche andere Transfers. Insgesamt haben Sie in Ihrer Zeit als BVB-Sportdirektor sage und schreibe zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro mit An- und Verkäufen von Spielern umgesetzt. Wird Ihnen bei einer solchen Summe nicht noch im Nachhinein ein wenig schummerig?

Wahnsinn. Wenn man diese Zahl hört, erschlägt sie einen fast. Da wird einem Angst und Bange. Ich hätte nie gedacht, dass wir so viel Geld bewegt haben.

Einige schöne Transfererlöse haben Ihnen in der Szene viel Respekt eingebracht. Mit Dembélé hat der BVB über 140 Millionen Euro, mit Sancho über 85 Millionen verdient. Und auch bei Aubameyang und Pulisic blieb am Ende viel Geld übrig. Was war Ihr bester Transfer?

Die schönsten Transfers sind die, die günstig erworben wurden, sportlich beim BVB sehr erfolgreich waren und am Ende hochpreisig verkauft wurden. Aber es gab ja zugegeben auch den einen oder anderen, bei dem es in die andere Richtung ging.

dpa | Stand: 30.07.2021, 10:32