André Schürrle - Weltmeister in der Sackgasse

André Schürrle im BVB-Trikot im Jahr 2018

André Schürrle - Weltmeister in der Sackgasse

Von Michael Buchartz

  • BVB will Schürrle möglichst schnell verkaufen
  • Schürrles Karriere geht bis zum WM-Titel 2014 steil bergauf
  • Erwartungen in den letzten Jahren nicht erfüllt

André Schürrle ist zurück bei Borussia Dortmund. Eine Zukunft besitzt er dort jedoch nicht. Was also tun mit dem Weltmeister von 2014, der noch einen Vertrag bis 2021 hat? Es deutet sich die Fortschreibung einer Karriere an, die bereits seit geraumer Zeit stagniert. Ob und wo Schürrle weitermacht, hängt dabei an ihm selbst und an möglichen Interessenten.

Hohes Gehalt, niedrige Ablöse?

Entscheindend ist: Wer kann ihn bezahlen? Sieben Millionen Euro soll er den BVB jährlich kosten. Außerdem: 30 Millionen Euro Ablöse hatte der BVB im Jahr 2016 hingelegt. Vermutlich würde der Klub ein großes Transferminus in Kauf nehmen, um Schürrle endgültig zu verkaufen. Von maximal zwei Millionen Euro ist laut der Bild-Zeitung vom Mittwoch (08.07.2020) die Rede.

WM 2014 als Höhepunkt der Karriere

Dabei hatte damals alles so gut begonnen: Der Angreifer erzielte 2010/2011 als einer der "Bruchweg-Boys" für Mainz 15 Tore und legte fünf weitere auf. Ein hochgelobtes Talent, laut Experten ein kommender Nationalspieler. Es folgten zwei erfolgreiche Jahre in Leverkusen und zumindest eine stabile erste Spielzeit beim FC Chelsea.

Dazu erhielt er die vorausgesagte Berufung in die Nationalmannschaft und gewann mit der DFB-Elf den WM-Titel 2014. Der Höhepunkt in Schürrles Karriere: Ein Doppelpack beim fast schon legendären 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale sowie die Vorlage zum Siegtreffer im Finale. Komme, was wolle: Das kann ihm keiner nehmen.

#41 Carsten Cramer, "Wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis!"

WDR 2 Einfach Fußball 25.06.2020 29:02 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 WDR Online

Download

Hohe Ablösen schüren zu hohe Erwartungen

Was dann allerdings folgte, ist ein Paradebeispiel dafür, dass hohe Ablösen auch sehr hohe - teilweise überzogene - Erwartungen schüren. Obwohl er seinen Stammplatz bei Chelsea verlor, legte der VfL Wolfsburg genauso wie der BVB rund 30 Millionen Euro Ablöse hin. "Ich glaube, dass ein Engagement in dieser Höhe Sinn macht", befand der damalige Wolfsburger Sportdirektor Klaus Allofs im Winter 2015.

Richtig schlechte Statistiken weist Schürrle bis heute weder bei Wolfsburg noch beim BVB auf. In seiner zweiten Spielzeit beim VfL war der Angreifer immerhin an 14 Treffern beteiligt. Bei Dortmund kommt er seit 2016 in 51 Partien auf 18 Torbeteiligungen. Das ist nicht unterirdisch. Aber zu wenig für einen Profi, der bisher über 92 Millionen Euro Ablöse in seiner Karriere einbrachte.

Favre und Zorc erklären die Bayern-Dominanz Sportschau 25.06.2020 01:03 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 Das Erste

Schürrle vor Karriereende?

Also probierte der BVB vor zwei Jahren, was fast jeder Verein probiert, wenn eine Karriere ins Stottern gerät: eine Leihe. Doch weder beim FC Fulham noch bei Spartak Moskau konnte sich Schürrle nachhaltig empfehlen. Anschließend kaufen wollten ihn die Klubs daher nicht - auch weil er zu teuer war.

Und Schürrle selbst? Der dachte mit gerade einmal 28 Jahren im letzten Oktober öffentlich über sein Karriereende nach: "Ich würde jetzt lügen, wenn ich niemals den Gedanken gehabt hätte." Durchringen konnte er sich bisher dazu nicht. Diesen Sommer wird er sich erneut entscheiden müssen: Folgt jetzt das Ende oder der nächste Neustart?

Stand: 09.07.2020, 13:11