Kontraste im Revier - Dortmund beschwingt, Schalke betrübt

Schalkes Salif Sané holt den Ball aus dem Netz - im Hintergrund jubeln die Dortmunder

Kontraste im Revier - Dortmund beschwingt, Schalke betrübt

Von Julian Tilders

  • Borussia Dortmund feiert Derbysieg gegen Schalke 04
  • Unterschiedsspieler Brandt visiert schnelle Champions-League-Qualifikation an
  • Schalker Defensivbilanz zuletzt stark verschlechtert

Der höchste Derbysieg für Borussia Dortmund seit 1966 war ein über alle Maßen verdienter. Und diesen Erfolg feierten die Spieler des BVB am Samstag (16.05.2020) auch nach der Partie - vor der leeren Südtribüne. "Es war eine spontane Aktion, da wird man erfinderisch", berichtete der überragende BVB-Nationalspieler Julian Brandt nach dem 4:0 (2:0) gegen Schalke 04.

Brandt macht den Regisseur

Brandt erzielte zwar kein Tor selbst, war aber trotzdem der Mann des Spiels. Das Tor zum 2:0 von Raphael Guerreiro und Thorgan Hazards 3:0 bereitete er direkt vor, die anderen beiden Angriffe mit anschließenden Torerfolgen durch Erling Haaland (1:0) und Guerreiro (4:0) leitete er im Zentrum mit Übersicht, Handlungsschnelligkeit und Kreativität entscheidend ein. Brandt verkörperte das, was Schalke fehlte und profitierte dabei auch vom starken Gerüst um Mahmoud Dahoud und Thomas Delaney in seinem Rücken.

Dortmunds Brandt nach Derby-Sieg: "Nichts, woran du dich gewöhnen möchtest"

Sportschau 16.05.2020 01:37 Min. Verfügbar bis 16.05.2021 ARD

"Das steckt in dir", erklärte Brandt die starke Offensivleistung, die der BVB bot. Es sei zwar klar, dass nach der langen Spielpause "noch nicht alle Abläufe perfekt sind", aber das Team könne sein Potenzial jederzeit abrufen. Als Ziel äußerte Brandt: "Wir versuchen, uns mit den Rahmenbedingungen anzufreunden und die Qualifikation für die Champions League so schnell wie möglich klar zu machen."

Schalke-Boss Tönnies: "Da muss man kämpfen"

Schalke hingegen erhielt zum Wiederbeginn der Bundesliga direkt einen herben Dämpfer und bestätigte den Trend der letzten Spiele - daran konnte auch die Corona-Zwangspause nichts ändern. "Ich glaube, dass die Spieler sehr beeindruckt waren", vermutete Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der sich "ein bisschen geprügelt" fühlte. Warum, das wusste er selbst nicht so genau: "Die haben nicht so frei aufgespielt wie normal. Das ist das Derby, da muss man kämpfen."

Langsam bröckelt es auch in der S04-Defensive

Stark angefangen hatte Schalke in dieser Saison, die Erwartungen wurden zunächst sogar übertroffen. In die Rückserie startete S04 mit einem überzeugenden 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, die "Knappen" hatte nur sieben Punkte Rückstand auf den damaligen Tabellenführer Leipzig.

Schalkes Wagner: "Ganz außergewöhnliche Situation" Sportschau 16.05.2020 01:24 Min. Verfügbar bis 16.05.2021 Das Erste

Doch dann - auch aufgrund großen Verletzungspechs, vor allem in der Defensive - ließ Schalke stark nach. Die bis Mitte Januar zweitbeste Abwehr der Liga (bis dato nur 21 Gegentore) fing sich nun allein in den vergangenen sieben Partien 19 Gegentreffer und erlitt hohe Niederlagen gegen Bayern München, RB Leipzig (beide 0:5), den 1. FC Köln (0:3) und nun gegen den BVB. "Dortmund kann kicken. Manchmal hast du ein Spiel, in dem du mehr hinterherrennst. Wir sind oft zu spät gekommen", erklärte Schalkes Weston McKennie die vier Gegentreffer.

Nervös werde er aber nicht, betonte McKennie: "Wir sind trotzdem oben dran und kämpfen um Europa." Schalke könne es besser. Trainer David Wagner, der vor der Saison das europäische Geschäft sowieso nicht einkalkuliert hatte, will nun die Qualität aus dem Training "schnellstmöglich" wieder in die Spiele transportieren.

Stand: 17.05.2020, 13:02