Der schwierige Dauerkarten-Verkauf der NRW-Bundesligaklubs

Fankurve Bayer Leverkusen

Der schwierige Dauerkarten-Verkauf der NRW-Bundesligaklubs

Von Jörg Strohschein und Anne van Eickels

  • Dauerkartenkonzept des 1. FC Köln sorgt für Unruhe
  • Wie lösen die übrigen NRW-Klubs dieses Problem?
  • Der WDR hat sich umgehört

Fußball-Bundesligist 1. FC Köln hat die teilweise scharfe Kritik an seiner vorgeschlagenen Dauerkartenregelung für die kommende Saison verteidigt. "Wir wollen jetzt keine öffentliche Diskussion anstoßen. Möglicherweise haben es auch einige Leute missverstanden", sagte FC-Medienchef Tobias Kaufmann am Mittwoch (15.07.2020). Kritik gibt es am Plan, Dauerkarteninhaber, die auf eine Erstattung verzichtet haben, im Falle einer beschränkten Besucherzulassung bei der Vergabe der Plätze zu bevorzugen.

Wenn also weniger Zuschauer zugelassen sind, als es Dauerkarteninhaber gibt, werden diese Fans zuerst berücksichtigt, unter den anderen wird gelost. "Aus dieser Sicht haben wir die Regelung getroffen, es wäre sonst unfair", erklärte Kaufmann. Einige FC-Anhänger hatten in den sozialen Netzwerken von Erpressung, Frechheit, fragwürdiger Lösung oder dem größten Witz aller Zeiten gesprochen. Der Klub betonte, dass insgesamt noch vier Wochen Zeit seien, bis sich die Dauerkarteninhaber entscheiden und ihre Fragen stellen können.

Aber wie handhaben die anderen NRW-Bundesligisten die schwierige Frage um die Dauerkartenregelung? Schließlich ist noch nicht geklärt, ob überhaupt und wenn wie viele Zuschauer wieder auf ihre Plätze zurückkehrten können.

FC Schalke 04

Beim FC Schalke 04 etwa warten sie noch darauf, welches Konzept die Deutsche Fußball Liga (DFL) für die neue Saison erabeitet. Auch bei den Königsblauen wird bereits im Hintergrund an Hygienekonzepten gearbeitet. Allerdings werde sich alles an den Vorgaben der neuen DFL-Richtlinien orientieren, sagte eine Vereinssprecherin dem WDR. Bis das neue Konzept ausgearbeitet ist, ruht der Dauerkartenverkauf bei den Schalkern, es werden auch keine Abbuchungen getätigt.

Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen arbeitet momentan an einem flexiblen Dauerkartenmodell, das die Bedürfnisse der Anhänger bestmöglich abdecken soll. Bezahlen für ihre Dauerkarten müssen die Fans derzeit nicht. Erst wenn die Saison wieder begonnen hat und es klar ist, wann welche Spiele unter welchen Bedingungen stattfinden können, werden weitere Schritte folgen. Die konkrete Abstimmung des Konzepts findet noch mit den lokalen Behörden statt. Das konkrete Ergebnis solle Ende Juli, spätestens Anfang August veröffentlicht werden.

Borussia Mönchengladbach

Die Borussia hat sich in Sachen Tickets einen eigenen Weg erdacht. Dort sind Dauerkarten erst "zur Rückrunde gültig (in der Hoffnung, dass dann wieder Spiele mit einer entsprechenden Zuschauerzahl erlaubt sind)", heißt es in einem Schreiben an die derzeitigen Ticket-Eigentümer. "Die Dauerkarten werden daher auch nur mit 50 Prozent des eigentlichen Preises der Saison 2019/20 berechnet. Dieser Preis gilt für alle Heimspiele der Rückrunde, unabhängig davon, ob es acht oder neun sein werden. Sollten schon zu einem früheren Termin Spiele mit einer Zuschauerzahl erlaubt sein, die es uns ermöglicht, alle Dauerkarteninhaber ins Stadion zu lassen, werden die Dauerkarten entsprechend früher freigeschaltet. Der in diesem Fall anfallende zusätzliche Kartenpreis würde dann von uns eingezogen werden."

Auch für den Fall einer geringeren Zuschauer-Kapazität als die Nachfrage beinhaltet ist ein Weg erarbeitet worden. "Sollte es im Verlauf der Hinrunde zu Spielen mit einer geringen Kapazität von Zuschauern kommen, wird die Stadionkonfiguration den entsprechenden Vorgaben angepasst. Dauerkarteninhaber erhalten dann ein Vorkaufsrecht (allerdings nicht auf ihren Dauerkartenplatz) und können sich binnen einer Frist Tageskarten zum gültigen Tageskartenpreis sichern", so der Klub.

Borussia Dortmund

Die Dauerkartenverkäufe beim BVB sind derzeit auf ruhend gestellt, bis wieder volle Zuschauer-Auslastung im Stadion herrschen kann. Ein Beispiel: Wenn etwa die letzten vier Partien der kommenden Saison unter voller Zuschauer-Besetzung stattfinden könnten, erst dann würde der BVB für diese Partien die Kosten anteilig abbuchen. Für alle anderen Optionen führt der Klub gerade intensive Gespräche mit dem Dortmunder Fan-Rat, um auch dafür Lösungen zu finden. Noch gibt es kein Ergebnis.

Arminia Bielefeld

Bei Aufsteiger Arminia Bielefeld startet der Dauerkartenverkauf am Donnerstag. Die Saison-Tickets werden zunächst ausschließlich an bisherige Dauerkarteninhaber der Spielzeit 2019/20 verkauft. Die Ostwestfalen bieten zwei Varianten an: Zum einen die Möglichkeit, eine Dauerkarte für die anstehende Saison zu erwerben und damit einen Anspruch auf Erstattung für die Saison 2019/20. Zudem erhält der Käufer einen Kompensationsanspruch nach der Saison 2020/2021, falls aufgrund von Zuschauerausschlüssen oder Teilausschlüssen nicht alle Begegnungen in der Bielefelder Arena verfolgt werden können.

In der zweiten Variante gibt es einen Aktionspreis für die Saison 2020/21. Durch den geringeren Kaufpreis erlischt allerdings ein Erstattungsanspruch aus der Saison 2019/2020 und ein möglicher Kompensationsanspruch nach der Saison 2020/2021, sofern aufgrund von Zuschauerausschlüssen oder Teilausschlüssen nicht alle Begegnungen im Stadion von den Erwerbern verfolgt werden können.

Programm für Comeback von Fans im Stadion Mittagsmagazin 15.07.2020 01:31 Min. Verfügbar bis 15.07.2021 Das Erste

Stand: 15.07.2020, 13:22