Beleidigungen gegen BVB-Talent Moukoko - DFB ermittelt

Dortmunds Youssoufa Moukoko im U19-Spiel gegen Schalke

Beleidigungen gegen BVB-Talent Moukoko - DFB ermittelt

Die U19 von Borussia Dortmund hat dank eines Dreierpacks von Youssoufa Moukoko das Derby gegen den FC Schalke mit 3:2 gewonnen. Der BVB-Angreifer wurde dabei übel von Fans beleidigt. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt, auch wegen des Verdachts auf rassistische Äußerungen.

Die üblen Beleidigungen der Schalker Fans gegen den dreifachen Torschützen machten das Spiel zur Nebensache. Auf Videoaufnahmen sind deutlich Drohungen wie "Ich brech dir alle Knochen!" oder "Ich trete dich ins Grab!" zu hören. Auch Schimpfwörter fallen, ein Zuschauer brüllt: "Verpiss dich, du schwa..." - der Rest ist nicht klar zu hören. 

Ein Zeuge, der live vor Ort war, der aber nicht namentlich genannt werden will (Name liegt der Redaktion vor), schildert die Vorkommnisse folgendermaßen. "Das war eine Gruppe von 20 oder 30 Personen, die ich sonst nicht bei Spielen der U19 gesehen habe. Da ist sonst meistens tote Hose", sagt der Zuschauer. "Beleidigungen, die ich wahrgenommen habe, waren ,Du Hurensohn' oder ähnliches. Rassistische Bemerkungen oder Sprüche habe ich nicht gehört", so der Mann weiter.

Auch andere BVB-Spieler wurden offenbar beleidigt

Der BVB-Angreifer schien nach den Erinnerungen des Zeugen allerdings einer von mehreren Dortmunder Spielern gewesen zu sein, der üble Beschimpfungen über sich ergehen lassen musste. "Moukoko war nicht der einzige BVB-Spieler, der, wenn er vor dem Block stand, beleidigt worden ist. Dass die Debatte sich in Richtung Rassismus bewegt, kann ich nicht nachvollziehen. Das waren üble Beleidigungen, aber ich habe es eher so wahrgenommen, dass Moukoko beleidigt worden ist, weil er der beste Spieler auf dem Platz war und nicht wegen seiner Hautfarbe."

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Schalke kündigt Maßnahmen an

"Wir können uns bei Youssoufa Moukoko für die Aussagen einiger Fans (...) nur entschuldigen", schrieb Schalke bei Twitter: "Bei allen Emotionen im Derby - solche Beleidigungen verurteilen wir aufs Schärfste und lehnen sie ausdrücklich ab." Der BVB zeigte auf Twitter ein Foto des jubelnd über den Rasen rutschenden 15-Jährigen. Dazu stellte die Borussia ein Emoji, das die Akteure mit Zeigefinger auf den Lippen zum Schweigen auffordert und den Hashtags: "NoToRacism" sowie "BorussiaVerbindet".

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider sagte vor dem Spiel der Profimannschaft am Abend gegen Union Berlin bei "Sky", der Klub werde alles versuchen, die Krakeeler unter den 300 namentlich bekannten Zuschauern der U19-Partie am Mittag ausfindig zu machen. "Es ist langsam nicht mehr in Worte zu fassen, was sich manche Menschen erlauben", sagte er. Der DFB kündigte für Anfang der Woche Ermittlungen durch den Kontrollausschuss an.

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Moukoko reagiert in Sozialen Medien

"So etwas hat in einem Bundesligaspiel nichts zu suchen und schon gar nicht in einem Spiel der U19", sagte Dortmunds Jugendkoordinator Lars Ricken den "Ruhr-Nachrichten" und ergänzte: "Das ist sehr traurig. Ich bin froh, dass wir eine sportliche Antwort auf dem Platz gegeben haben."

Moukoko reagierte darauf nach dem Spiel mit einem Bild auf Instagram und den Worten: "Ich bin stolz, mit dieser Hautfarbe geboren zu sein, und werde es immer sein."

Reaktionen auf die Beleidigungen gab es während des Spiels ebenso wenig wie Konsequenzen für die entsprechenden Anhänger. Fans beider Lager forderten Schalke aber zum Handeln auf. Moukoko schnürte mit seinen Treffern (10./40./62.) den zweiten Dreierpack im zweiten Saisonspiel der A-Junioren-Bundesliga.

DFB-Kontrollausschuss ermittelt

Der immer noch erst 15 Jahre alte Angreifer hatte schon bei Preußen Münster (5:0) dreifach getroffen. Der Youngster steht seit dieser Saison im Bundesliga-Kader von Trainer Lucien Favre, für das Oberhaus ist er aber erst nach seinem 16. Geburtstag am 20. November spielberechtigt. Auch in der Champions League könnte der Junioren-Nationalspieler zum Einsatz kommen.

Der DFB-Kontrollausschuss wird Ermittlungen aufnehmen. "Der Deutsche Fußball-Bund duldet grundsätzlich keinerlei Rassismus auf seinen Plätzen und tritt jeglicher Form davon entschieden entgegen", sagte der im Ausschuss für die A-Junioren-Bundesliga zuständige Thomas Bergmann. "Anfang der Woche" werde der Vorfall untersucht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags wurde die Formulierung verwendet, dass Moukoko "rassistisch beleidigt" worden sei. Der rassistische Gehalt der Beleidigungen konnte bislang jedoch nicht zweifelsfrei geklärt werden, auch weil der inhaltliche Wortlaut nicht komplett verständlich war. Teile der Äußerungen, sowie die Reaktionen des Betroffenen und des Vereins, ließen jedoch den Verdacht zu, dass es sich um rassistisch motivierte Beleidigungen handelte.

Stand: 19.10.2020, 09:40