Marcus Thuram (l.), Alassane Plea (m.) und Breel Embolo (r.) laufen über den Rasen

Gladbach im Transfer-Stau - Abnehmer händeringend gesucht

Stand: 14.06.2022, 18:16 Uhr

Als einer von wenigen Fußball-Bundesligisten hat Borussia Mönchengladbach noch keinen neuen Spieler verpflichtet. Der Klub will unbedingt handeln, muss aber erst Spieler verkaufen.

Von Sebastian Hochrainer

Bei Borussia Mönchengladbach waren die Hoffnungen groß, dass sich nach der Verpflichtung von Daniel Farke als neuen Trainer die Baustellen lichten werden. Doch auch fast zwei Wochen nach der Vorstellung des Nachfolgers von Adi Hütter ist der Stapel, den Sportdirektor Roland Virkus abzuarbeiten hat, nicht kleiner geworden.

Der 55-Jährige hat bei seiner ersten Aufgabe im Profifußball - Virkus war zuvor Direktor des Nachwuchsleistungszentrums der Gladbacher - ein schweres Erbe übernommen. Sein Vorgänger Max Eberl hörte aus gesundheitlichen Gründen auf und ließ ein sehr problembehaftetes Gebilde aus Erfolglosigkeit, geplatzten Transfers und unvorteilhaften Vertragslaufzeiten zurück. Die Borussen steckten zu dieser Zeit im Abstiegskampf und Virkus wusste, dass es nach der Bewältigung dessen schnell darum gehen würde, eine Veränderung des Kaders zu vollziehen.

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Sportschau 05.06.2022 01:54 Min. Verfügbar bis 05.06.2023 Das Erste

Investitionen müssen erst verdient werden

Doch noch hat sich nahezu nichts getan. Die einzige Auffrischung ist bislang die Rückkehr der ausgeliehenen Spieler wie Hannes Wolf, der zuletzt bei Swansea City Stammspieler in der zweiten englischen Liga war. Der Grund für das bisherige Fehlen weitere Neuverpflichtungen: Gladbach hat noch keinen Spieler verkaufen können.

Wechselt im Sommer zu seinem Ausbildungsverein SC Freiburg: Matthias Ginter.

Der ablösefreie Weggang von Matthias Ginter zum SC Freiburg ist bisher die einzige Transferbewegung im Gladbacher Kader. Und deswegen steckt der Klub mitten im Transfer-Stau. "Wir müssen auf den Transfermarkt reagieren, müssen schauen, wer uns verlässt und was dann finanziell möglich ist", sagte Virkus. Bedeutet: Der Bundesliga-Zehnte muss erst Spieler verkaufen, ehe er Geld für Neuverpflichtungen ausgeben kann.

Hofmann und Sommer sollen unbedingt bleiben

Verkaufskandidaten gäbe es genügend. Von sechs Spielern mit hohem Transferwert laufen die Verträge im Sommer 2023 aus. Virkus kündigte an: "Wir wollen keine ablösefreien Abgänge haben." Entweder verkauft er diese Spieler also nun, oder er verlängert deren Verträge. Diesen Wunsch gibt es vor allem bei zwei Akteuren.

"Jonas Hofmann zum Beispiel ist ein Spieler, den wir sehr gerne halten würden. Er ist für mich der typische Gladbach-Spieler. Er kann anlaufen, ist schnell, verfügt über Spielintelligenz", sagte Virkus über den Nationalspieler. Hofmann selbst hat seine Zukunft bisher offen gelassen, ähnlich ist die Situation bei Torhüter Yann Sommer, der ebenfalls verlängern soll. "Über dessen Bedeutung muss man kein Wort verlieren. Ohnehin würde ich in einer Phase des Umbruchs die Torwartposition niemals anrühren, da brauchst du Stabilität", so Virkus.

Ein Trio soll Gladbach möglichst viel Geld einbringen

Auf (möglichst hochpreisige) Angebote wartet Gladbachs Sportdirektor dagegen bei Ramy Bensebaini, Marcus Thuram und Alassane Plea. Bei Breel Embolo soll es laut übereinstimmenden Medienberichten eine Klausel im Vertrag geben, die zur Verlängerung bis 2024 führt. Im Gegensatz zu dem anderen Trio bleibt beim Schweizer also noch ein wenig Zeit.

Borussia Mönchengladbach muss vorerst auf Marcus Thuram (l.) verzichten.

Thuram sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr verkauft werden, über 30 Millionen Euro hätte Inter Mailand für ihn bezahlt. Doch am zweiten Spieltag bei Bayer Leverkusen verletzte sich der Franzose schwer - und der Deal platzte. Jetzt gestaltet sich die Suche deutlich schwieriger und nach einer enttäuschenden Saison Thurams (drei Saisontore) ist auch der mögliche Transfererlös deutlich geringer. Auch bei Bensebaini und Plea ist der Millionen-Poker aufgrund des problematischen Gladbacher Jahres sehr erschwert.

Farke braucht neue Spieler für den Fohlen-Fußball

Allen drei Spielern wird jedoch auch nachgesagt, selbst großes Interesse an einem Vereinswechsel zu haben. Bei Thuram haben auch Vorkommnissen der vergangenen Saison Eindruck hinterlassen. In einem Podcast mit Ex-Mitspieler Ibrahima Traoré sprach er seine Verwunderung über die Pfiffe der Fans gegen Ginter aus, nachdem dieser seinen Abgang nach vier Jahren in Gladbach verkündet hatte.

Jetzt dürften sich die Fans jedoch über weitere Abgänge freuen. Denn ansonsten ist Gladbach nicht in der Lage, den Kader zu auszurichten, wie es den Vorstellungen von Farke, der fußballerisch auf Spielkontrolle und einen ähnlichen spektakulären Stil wie die Borussen in den 70er Jahren setzen will, entspricht.