Wie lange hält Gladbachs Treue zu Rose noch?

Max Eberl (r.) hält weiter an Marco Rose fest

Wie lange hält Gladbachs Treue zu Rose noch?

Von Sebastian Hochrainer

Seit der Verkündung des Abschieds von Marco Rose hat Borussia Mönchengladbach am Samstag gegen Bayer Leverkusen das fünfte Pflichtspiel in Folge verloren. Der Sportdirektor Max Eberl schrieb einen offenen Brief an die Fans.

Borussia Mönchengladbach will an den Tugenden, die den Klub in den vergangenen Jahren zurück in die Bundesligaspitze geführt haben, festhalten. Die Ruhe zu bewahren, ist eines der obersten Gebote in Gladbach. Das beherzigen Max Eberl und Co. auch in der jetzigen Situation - die Frage ist nur: Wie lange geht das noch?

Europa rückt in die Ferne

Sportlich stecken die Borussen in einer Krise. Nach der Niederlage gegen Bayer Leverkusen (0:1) ist Gladbach in der Bundesliga auf Platz zehn abgerutscht, hat bereits sechs Punkte Rückstand auf die internationalen Plätze. Damit droht der Verein nicht nur, Europa zu verpassen, sondern auch ein selbst gern vorgebrachtes Argument für die gute Arbeit zu verlieren. Denn neben Bayern München und Borussia Dortmund ist Gladbach der einzige Verein, der die vergangenen neun Spielzeiten in der oberen Tabellenhälfte abgeschlossen hat.

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Sportschau 06.03.2021 02:05 Min. Verfügbar bis 06.03.2022 ARD Von ARD-Reporter Ulli Schäfer


Diese tabellarische Konstellation ist die Folge aus einer Sieglos-Serie von sechs Spielen in der Liga, in denen das Team von Trainer Marco Rose nur zwei Punkte geholt hat. In dieser Zeit gab es außerdem das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund (0:1) und die Hinspiel-Niederlage im Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester City (0:2).

Eberl hält an Rose fest

Seitdem Marco Rose verkündet hat, dass er im Sommer zum BVB wechseln wird, gab es fünf Niederlagen am Stück für Gladbach. Nach jedem dieser Misserfolge hat sich Sportdirektor Eberl klar pro Rose positioniert, auch am Samstag. "Da gehen wir weiter durch", sagte der 47-Jährige. "Ich bin relativ breit und habe breite Schultern. Dem Druck halte ich stand."

Problematisch für den Verein ist jedoch, dass die Saison nicht nur sportlich zur Nullnummer verkommen könnte, sondern er offenbar in den kommenden Wochen auch auf die Unterstützung vieler Fans verzichten muss.

"Wir sagen nicht, dass Marco Rose sofort vom Hof gejagt werden muss. Um Gottes Willen, wir fordern keinen Spießrutenlauf und einen Aufstand. Wir als Fanszene sagen nur, dass wir uns nicht mehr damit identifizieren können, dass Marco Rose bei uns auf der Bank sitzt", sagte Thomas Ludwig, Vorsitzender des Gladbacher Fanprojekts, der "Rheinischen Post". "Die Saison hat noch 80 Tage, in der Zeit ist es schwierig, die Spiele mit Leidenschaft zu verfolgen, weil Rose auf der Bank sitzt."

Ist das Hecking-Aus wirklich ein Vorbild?

Wenn es nach Eberl geht, wird sich daran bis zum Saisonende nichts ändern. Gladbachs Sportdirektor sagt, Rose sei nach wie vor der Trainer, mit dem die Erfolgswahrscheinlichkeit am höchsten sei. Zudem verschickte der 47-Jährige einen offenen Brief an die Borussia-Fanclubs, in dem er noch einmal versuchte, seine Entscheidung in Sachen Rose zu begründen und die Emotionen zu besänftigen. "Ich trage die Verantwortung und mir geht es nur uns ausschließlich um das Wohl und Wehe des Vereins. Dabei muss ich Emotionen beiseite schieben und mit Ratio und Verstand entscheiden", heißt es unter anderem in dem Schreiben.

An anderer Stelle bringt Eberl gerne die Trennung von Dieter Hecking vor zwei Jahren als positives Beispiel an, mit dem die Borussen trotz der Bekanntgabe der Verpflichtung von Rose 2019 noch die Europa League erreichten.

Was Eberl dabei aber nie erwähnt: Bis kurz vor der damaligen Veröffentlichung stand Gladbach 20 Spieltage lang auf einem Champions-League-Platz und zitterte sich anschließend mit acht Punkten aus sieben Spielen nach Europa.

Gladbach sucht die Leichtigkeit

Mit einer solchen Bilanz wird Rose keine Chance haben, seine zweijährige Amtszeit in Gladbach mit der Qualifikation für das internationale Geschäft abzuschließen. Offensivspieler Hannes Wolf sagte nach der Leverkusen-Partie: "Uns fehlt ein bisschen der Spaß, die Freude am Fußball, weil wir einfach die Ergebnisse nicht bekommen in letzter Zeit."

Das Spiel beim FC Augsburg am kommenden Freitag (20.30 Uhr) wird eine erneute Gelegenheit sein, um Spaß und Freunde wiederzufinden. Sollte Gladbach auch da nicht erfolgreich sein, könnte es auch intern bei den Verantwortlichen vorbei sein mit der Ruhe.

Stand: 07.03.2021, 10:59