Mamadou Doucouré - eine der tragischsten Karrieren der Bundesliga

Borussia Mönchengladbachs Mamadou Doucouré blickt auf den Trainingsplatz

Mamadou Doucouré - eine der tragischsten Karrieren der Bundesliga

Von Sebastian Hochrainer

Vor dem 5:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld hat Borussia Mönchengladbach bekanntgegeben, dass sich Mamadou Doucouré die Achillessehne gerissen hat. Damit geht die unglaubliche Pechsträhne des Verteidigers weiter.

Als Borussia Mönchengladbach im Juni 2016 die Verpflichtung von Mamadou Doucouré bekanntgegeben hat, war das ein großer Erfolg. Eines der größten Verteidiger-Talente aus Frankreich wechselte an den Niederrhein. Es gab aber einen Haken: Doucouré hatte sich, als der Transfer schon eingetütet war, am Ende seiner Zeit bei Paris St. Germain einen Muskelbündelriss zugezogen. Noch schlimmer: die Verletzung ist zu mehr als einer mehrmonatigen Pause geworden. Sie war der Startschuss der tragischsten Karriere der Bundesliga.

Gladbach steht an seiner Seite

In der vergangenen Wochen gab es für Doucouré einen neuen Tiefpunkt in fast fünf Jahren voller Tiefpunkte in Gladbach. "Wir haben heute ein Foto gemacht für Mamadou Doucouré, weil er wirklich eine tragische Geschichte erlebt. Jetzt hat er sich wieder reigekämpft und es reißt ihm die Achillessehne", sagte Sportdirektor Max Eberl vor dem 5:0-Sieg der Gladbacher am Sonntag gegen Arminia Bielelfeld. Zuvor hatte das Team über die sozialen Netzwerke ein Mannschaftsfoto mit der Botschaft "Die Fohlen stehen immer hinter dir" verbreitet.

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Auch Breel Embolo ließ sich nach seinem Treffer zum 1:0 ein Jersey des Verteidigers geben und zeigte es in die Kameras. Taten, die zeigen, wie sehr auch die Gladbacher Mannschaft das Schicksal von Doucouré, der immer ein vollwertiges Mitglied des Teams und bestens integriert war, mitnimmt. "Das ist schon dramatisch. Der Junge hat ein außergewöhnliches Talent, ist ein Top-Charakter", sagte sein Trainer Marco Rose am Sonntag. Nur konnte Doucouré sein großes Talent noch nie zeigen.

Gladbachs Fans haben Doucouré noch nie live im Stadion spielen sehen

Nur zweimal kam der 22-Jährige bislang in der Bundesliga zum Einsatz, beide Male wurde er kurz vor Schluss in der Endphase der vergangenen Saison eingewechselt. Zu Doucourés Pech passte, dass beide Partien aufgrund der Corona-Pandemie ohne Zuschauer stattfanden.

Für Doucouré sollte es dennoch ein Startschuss gewesen sein. In den Jahren zuvor blockte er die Vielzahl an Interviewanfragen ab, das Interesse war damals schon groß an seinem Leid. Nach den ersten Einsätzen wagte er sich in die Öffentlichkeit, in den Interviews sagte er, er würde seinem Körper nun vertrauen. Die Wahrheit aber ist: Doucouré kann seinem Körper leider nicht vertrauen.

Unglaubliche Serie an schweren Verletzungen

Der Muskelbündelriss im Juni 2016 setzte ihn sieben Monate außer Gefecht. Doucouré kämpfte sich wieder heran - doch als sein Bundesliga-Debüt immer näher rückte, zog er sich im Januar 2017 die gleiche Verletzung wieder zu. Diesmal musste er fast ein Jahr pausieren. Unglaublich, aber wahr: Nachdem diese Blessur ausgeheilt war, erlebte Doucouré sofort den dritten Muskelbündelriss in Folge. Später stellte sich diese Verletzung sogar als Muskelteilabriss heraus.

Im November 2018 hatte sich Doucouré erneut an die Mannschaft herangetastet und durfte im Testspiel gegen Preußen Münster ran - und erlebte den nächsten Rückschlag. Wieder erlitt er einen Muskelbündelriss.

Gladbacher Vorsicht wird nur kurzzeitig belohnt

Fortan wurde Doucouré wie ein rohes Ei behandelt. Nach seiner Rückkehr in der Vorbereitung zur Saison 2019/20 durfte der fußballerisch enorm versierte Abwehrspieler nur vereinzelte Trainingseinheiten absolvieren, Rose machte ihm und allen Außenstehenden klar, dass "Mams" nur sehr bedächtig und extrem vorsichtig aufgebaut werde. Mit Erfolg: Ende der Saison gab es die beiden Bundesligaeinsätze - und Doucouré schien auf dem Weg, bei Gladbach wirklich anzukommen.

Auch der Verein hatte die Hoffnung und gab ihm einige Monate zuvor einen neuen Vertrag. Es war auch ein Geschenk an den Franzosen, aufgrund seiner schweren Jahre, aber es steckte tatsächlich auch der sportliche Gedanke dahinter. "Wir setzen voll auf ihn und glauben an sein großes Talent. Er kann und soll in Zukunft noch ein wichtiger Spieler für uns werden. Wir können mit ihm in der Defensive planen – und er hat die Chance, sich in aller Ruhe weiterzuentwickeln", sagte Eberl damals.

In Frankreich sollte "Mams" Abstand gewinnen

Doch auch hier gilt wie bei Doucourés Vertrauen zum eigenen Körper: In Wahrheit kann Gladbach nicht mit ihm planen. Seit Beginn dieser Saison plagte sich Doucouré wieder mit Problemen herum, der Verein gab keine näheren Auskünfte über die Art der Schwierigkeiten. Fakt ist: Doucouré war selten beim Training, war weit weg von seinem dritten Bundesligaeinsatz und wurde vor Weihnachten für ungewisse Zeit nach Hause nach Frankreich geschickt.

"Geh' mal nach Hause und komm' mal ein bisschen weg von der ganzen Nummer", gab Rose damals das Gespräch mit dem Spieler wider und sagte: "Bei alldem, was er in den letzten Jahren investiert hat, soll er mal vom Kopf her ein bisschen Frische gewinnen."

Nächster Versuch, nächste Hiobsbotschaft

Mit Frische im Kopf und offenbar gesund startete Doucouré im Frühjahr dann langsam seinen nächsten Versuch - der nun erneut im Fiasko geendet ist. Diesmal ist es kein Muskelbündelriss, sondern mit einem Achillessehnenriss eine Verletzung, die ihn bis ins nächste Jahr außer Gefecht setzen wird.

Es ist das nächste Kapitel der tragischsten Karriere der Bundesliga. Und es sieht leider alles danach aus, dass die Geschichte von Doucouré kein Happy End haben wird.

Stand: 26.04.2021, 09:56

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