Die Gründe für den Fehlstart von Borussia Mönchengladbach Sportschau 23.09.2021 01:19 Min. Verfügbar bis 23.09.2022 Das Erste

Fußball | Bundesliga

Borussia Mönchengladbach: Es hakt im System

Von Jörg Strohschein

Borussia Mönchengladbach hat unter Neu-Trainer Adi Hütter einen Fehlstart in der Bundesliga hingelegt. Der Mannschaft fehlt es an vielen Dingen, mit der sie sich sonst so auszeichnete. Gegen Borussia Dortmund stellt sich die Frage, ob sich die großen Probleme zu einer echten Krise ausweiten werden.

So uneinig wie auf dem Fußballplatz zeigten sich die Spieler auch nach dem Abpfiff. "Meiner Meinung nach war es kein gutes Spiel von uns", sagte etwa Torhüter Yann Sommer nach der 0:1-Niederlage beim FC Augsburg. "Wir haben heute eigentlich kein schlechtes Spiel gemacht", urteilte dagegen Borussia-Offensivspieler Patrick Herrmann.

Die unterschiedlichen Wahrnehmungen der beiden Mönchengladbacher Profis stehen in diesen Tagen geradezu exemplarisch für die Beliebigkeit ihres Spiels. So richtig scheint bei der Fohlenelf derzeit niemand zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen soll.

Gegen den FCA gelang der Borussia bei elf Versuchen lediglich ein Schuss auf das gegnerische Tor - eine Torchance war auch diese Annäherung nicht. Die Gladbacher Spieler liefen und sprinteten weniger als der Gegner, sie verloren zudem die Mehrzahl der Zweikämpfe. Der überwiegende Ballbesitz stellte lediglich eine Schein-Überlegenheit dar. Also eine Frage der Einstellung? "Ich habe von uns als Mannschaft zu wenig Kreativität gesehen. Wir hatten keine Ideen, wie wir dieses Bollwerk durchbrechen können. Das war viel zu wenig von uns", sagte Sommer.

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Kern der Mannschaft besteht weiter

Das ist umso unverständlicher, als dass sich die Borussia im wesentlichen Kern der Mannschaft in dieser Spielzeit kaum verändert hat. Die Leistungsträger um Lars Stindl, Florian Neuhaus, Denis Zakaria, Alassane Plea - um nur einige zu nennen - sind geblieben. Die wichtigsten Pass- und Laufwege sollten den Spielern daher noch bekannt sein. Lediglich der Trainer wechselte von Marco Rose (zum BVB) auf Adi Hütter (von Eintracht Frankfurt).

Ein neuer Chef bringt häufig neue Ideen mit. Allerdings unterscheiden sich die von Hütter nicht grundsätzlich von denen seines Vorgängers. "Jeder Trainer hat seine eigenen Ansätze und die versucht uns Adi Hütter in jedem Training mitzugeben. Das schnelle Umschaltspiel fortzuführen, das wir schon unter seinem Vorgänger umgesetzt haben, dazu der Ballbesitzfußball, den wir bei Borussia auch schon kennen", sagt Kapitän Lars Stindl. "Natürlich müssen sich Trainer und Mannschaft am Anfang erst einmal kennenlernen. Aber wir sind jetzt schon lange genug zusammen, die Phase sollte jetzt vorbei sein."

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Schwache Rückrunde in der Vorsaison

Es hakt also im System. Allerdings tragen die Borussia-Kicker diese Problematik nicht erst seit Saisonbeginn mit sich herum. Der Blick muss sich in dieser Frage bereits auf die Vorsaison richten. Nach den Gerüchten um den Rose-Wechsel und der dann endgültigen Bekanntgabe Mitte Februar 2020 holte das Team lediglich 21 Punkte in der Rückrunde und stürzte auf Rang acht ab. Die Mannschaft hatte auch damals schon ihre Zielstrebigkeit, ihre Leichtigkeit verloren und hat ihren Kompass bislang nicht wiedergefunden.

Die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit in der Offensive ist augenscheinlich. Fünf Tore in fünf Bundesligaspielen bilden einen eher unterdurchschnittlichen Wert ab. Lediglich Stindl befindet sich in guter Form, ist ein echter Aktivposten und hat neben vielen Versuchen, gefährliche Angriffe einzuleiten, zwei Tore und eine Vorlage beigetragen.

Problematisch für die Borussia sind die Ausfälle der beiden Außenverteidiger Stefan Lainer (Knöchelbruch) und Ramy Bensebaini (Leistenverletzung), deren dynamische Vorstöße in der Vergangenheit häufig Treffer eingeleitet haben. Zudem fehlt Angreifer Marcus Thuram (Knie), der mit seinem kraftvollen Spiel oft eine ideale Ergänzung des passsicheren Plea war. Und auch der verletzungsanfällige Breel Embolo wäre eine wuchtige Alternative, die dem Team aber zu selten zur Verfügung steht.

Veritable Krise?

Es fehlt aber auch an der defensiven Stabilität im Gladbacher Spiel. Bereits neun Gegentreffer in der Bundesliga sprechen eine deutliche Sprache und zeugen von einer Unausgewogenheit im Spiel. Hütter hat seine Mannschaft noch nicht gefunden, ist auf der Suche nach der richtigen Abstimmung, der richtigen Balance. "Unser Ziel muss sein, uns mit aller Macht in der Trainingswoche zu erarbeiten, dass wir am Wochenende erfolgreich sind", sagt Stindl.

Gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr) wird sich zeigen, ob die Gladbacher Borussia in eine veritable Krise rutscht oder einen Ausweg findet. Hoffnung dürfte allen Gladbachern machen, dass Hütter einst auch in Frankfurt mit nur einem Sieg und einem Remis nach fünf Spielen gestartet war - und danach eine Erfolgsgeschichte mit den Hessen begonnen hat. Solch eine könnten sie am Niederrhein so langsam auch gut gebrauchen.