Mahmoud Dahoud von Borussia Dortmund liegt verletzt am Boden und die Betreuer helfen ihm auf die Beine

Umbruch in zweiter Reihe - das Ende der BVB-Misere?

Stand: 17.06.2022, 11:39 Uhr

Borussia Dortmund hat nicht nur auf der Trainerbank und im Kader Veränderungen vorgenommen. Auch im Staff gibt es weitreichende Neuerungen, die den ersehnten Erfolg bringen sollen.

Von Sebastian Hochrainer

Nach einer nicht zufriedenstellenden Saison hat Borussia Dortmund in den vergangenen Wochen schon jede Menge Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Mit Edin Terzic, der den 2021 zum Pokalsieg führte und den glücklosen Marco Rose beerbt, gibt es einen neuen Trainer.

Die Verteidiger Niklas Süle (ablösefrei von Bayern München) und Nico Schlotterbeck (für 20 Millionen Euro vom SC Freiburg) sowie Sechser Salih Özcan (für fünf Millionen Euro vom 1. FC Köln) sollen den Schwachpunkt Defensive (52 Gegentore) stärken, Karim Adeyemi (für 30 Millionen Euro von RB Salzburg) und ein noch zu verpflichtender Stürmer den Abgang von Erling Haaland zu Manchester City kompensieren.

Verletzungen sind ein großes Problem

Doch nicht nur im Kader und Trainerteam setzt der BVB an. Eines der größten Probleme der vergangenen Saison: laut Auswertung des Portals fussballverletzungen.com hatte der Dortmunder Kader mit 2935 Ausfalltagen die höchste Verletzungsrate in der Bundesliga.

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Pro Spieler waren es 86,32 Tage - ebenfalls Höchstwert. Zwar dramatisieren Marcel Schmelzer und Mateu Morey den Wert, weil sie über die gesamte Saison ausfielen, doch auch ohne sie, rangiert der BVB in der Verletzungstabelle nur auf Platz 15.

Rose soll auch die Vielzahl an Muskelverletzungen zum Verhängnis geworden sein. Offenbar hat den Verantwortlichen jedoch auch die Unterstützung für den Ex-Trainer gefehlt, denn sie handelten nun auch auf wichtigen Positionen im Staff, die unmittelbaren Einfluss auf den körperlichen Zustand der Spieler haben.

Shad Forsythe Special Coach von Deutschland

Shad Forsythe Special Coach von Deutschland

Wie Sportdirektor Sebastian Kehl der "Bild" bestätigte, wechselt Shad Forsythe zum 1. Juli zum BVB. Er wird der neue "Head of Performance" und damit der Verantwortliche für die Fitness.

Forsythe will, dass sein Wort Gewicht hat

In gleicher Funktion arbeitete Forsythe, der von 2004 bis 2014 als Fitness- und seit 2016 als Special-Coach für den DFB tätig ist, zuletzt beim englischen Topklub Arsenal London. Die Premier League ist Vorreiter im Umgang mit höchst geforderten Profis und deren Schutz vor Verletzungen. Der US-Amerikaner gilt darin als einer der Topexperten. Seine Forderung: Der "Head of Performance" muss erster Ansprechpartner für die Belastung der Spieler sein.

Jerome Boateng mit Fitnesstrainer Shad Forsythe

Jérôme Boateng mit Fitnesstrainer Shad Forsythe

In der Bundesliga haben sportliche Belange oft noch zu großen Vorrang, was in der Vergangenheit immer wieder zum Wiederaufbruch von Verletzungen geführt hatte, weil Spieler nach Verletzungen zu früh wieder zum Einsatz kamen. Genau das wird Forsythe nun beim BVB kontrollieren. Und auch bestimmen, ob ein Spieler die Vielzahl der englischen Wochen durchstehen kann oder nicht doch mal aus dem Kader und für Trainingseinheiten gestrichen werden muss.

Je mehr Spielminuten, desto weniger Trainingsminuten

Forsythe will derjenige sein, der den Trainingsrhythmus vorgibt. "Es gibt eine einfache Formel: Je mehr die Spielminuten steigen, desto mehr müssen die Trainingsminuten sinken", lautet sein Credo. Der 49-Jährige meint, es gäbe kaum Spieler, die zu hoch belastet seien, sondern dass die Zeiten der Regeneration zu kurz sind. Beim BVB wird man also lernen müssen, auch mal ein wenig kürzer zu treten.

Das wollen die Dortmunder aber nur, um endlich wieder den angestrebten Erfolg zu haben. In der vergangenen Saison war vor allem das Abschneiden in den Pokalwettbewerben (Gruppenphasen-K.o. in der Champions League, sofortiges Aus in der Europa League, Scheitern im Achtelfinale im DFB-Pokal) schwach, in der Liga war es immerhin Platz zwei. Doch selbst dort verfolgen die Borussen das Ziel, den FC Bayern nach zehn Meistertiteln in Folge wieder vom Thron zu stoßen.

Der BVB will die Bayern ablösen

"Irgendwann bröckelt es, irgendwann in den nächsten Jahren kommt es zum Einsturz", prophezeite Watzke im "Deutschlandfunk" ein baldiges Ende der Münchner Serie. Seine Hoffnung ist, dass sie schon in der kommenden Saison beendet wird - und zwar von seinem BVB. Deswegen werden alle Ebenen verstärkt. Das Trainerteam, der Kader, die Athletikabteilung und auch das Scounting.

Hans-Joachim Watzke

Mit Laurent Busser verpflichtete Dortmund kürzlich den ehemaligen Chefscout des FC Bayern. Wie Forsythe soll er aus der zweiten Reihe ein Faktor dafür sein, dass die BVB-Misere nun ein Ende hat.