Niklas Süle (l.) soll die Abwehrprobleme des BVB mit Trainer Marco Rose in den Griff kriegen

Fußball | Bundesliga

Wieso Süle nicht reicht: Deshalb ist der BVB so defensivschwach

Stand: 10.02.2022, 18:00 Uhr

Borussia Dortmund hat mit der Verpflichtung von Nationalverteidiger Niklas Süle von den Bayern einen Transfercoup gelandet. Doch nach der 2:5-Klatsche gegen Bayer Leverkusen stellt sich die Frage, ob Süle allein die Lösung für die Abwehrprobleme sein kann.

Von Jan Wochner

Fürth, Hertha, Stuttgart, Gladbach und dann schon Dortmund - der BVB in einer Reihe mit vier Abstiegskandidaten. Tatsächlich handelt es sich bei Aufzählung um die Bundesligateams mit den meisten Gegentoren in der laufenden Saison. Borussia Dortmund mit Trainer Marco Rose rangiert schon auf Platz fünf in dieser Hinsicht. Für den Zweiten der Tabelle eine bemerkenswerte Position.

"Wir waren in den entscheidenden Momenten nicht da, wo wir sein müssen", sagte Marco Rose nach dem 2:5 gegen Leverkusen. Seine Mannschaft hat in 21 Ligaspielen schon 36 Gegentore kassiert. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.

Kapitale Fehler laden Gegner zum Toreschießen ein

Zum einen fängt sich Dortmund zu viele Treffer nach Standards des Gegners (12). Schlimmer noch: Der BVB legt seinem Gegenüber regelmäßig Tore selbst auf. Gegen Leverkusen beispielsweise Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou mit einem haarsträubendem Fehlpass am eigenen Strafraum vor dem Treffer zum 0:1. 

Insgesamt bringt es Dortmund auf 13 kapitale Böcke vor Gegentoren in der laufenden Saison. In dieser Hinsicht sind die Schwarz-Gelben Ligaspitze. Dazu fallen immer wieder die defensiven Schwächen im Umschaltspiel und bei Kontern auf. Dortmunds Verteidigung hat hier oft Geschwindigkeitsprobleme und Schwächen im Stellungsspiel. Dazu greift das Gegenpressing im Mittelfeld nach Ballverlusten zu selten.

Viele Verletzungen im Defensivbereich

Die Mängelliste ist also lang. Sie allein dem Trainer zuzuschreiben allerdings tatsächlich zu einfach. Denn Marco Rose arbeitet gerade im defensiven Bereich mit enormen Personalproblemen. Seine Stammspieler in der Viererkette heißen Thomas Meunier (rechts), Raphaël Guerreiro (links) und Mats Hummels mit Manuel Akanji zentral.

Nur in gerade einmal acht Pflichtspielen startete der BVB in dieser Saison aber mit dieser Abwehrreihe. Guerreiro fehlte lange verletzt, auch Akanji musste im Winter pausieren und Mats Hummels quälte sich angeschlagen durch die Hinrunde, war dabei klar erkennbar unaustrainiert. Der Borussia und Coach Rose fehlen allerdings die Alternativen. 

Tabellenplatz überrascht angesichts der vielen Gegentore

Marius Wolf und Nico Schulz auf den Außenverteidigerpositionen konnten als Back-ups wenig überzeugen. In der Zentrale fehlte Ersatzmann Zagadou monatelang. Emre Can und Axel Witsel halfen immer wieder aus, ohne sich dauerhaft empfehlen zu können. Der kurz vor Saisonstart verpflichtete Marin Pongracic enttäuschte auf ganzer Linie, spielte zuletzt überhaupt keine Rolle mehr.

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Vor diesem Hintergrund wirken Dortmunds Abwehrschwächen plötzlich gar nicht mehr so überraschend. Bemerkenswert ist, dass der BVB mit dieser Flut an Gegentoren immer noch recht komfortabel auf Tabellenplatz zwei liegt, fünf Zähler vor dem Dritten Leverkusen. Allerdings schielt der BVB natürlich auf Meister Bayern, der mit neun Punkten Vorsprung enteilt ist. 

Süle als Lösung oder nur als Teil der Lösung?

Die Verpflichtung von Niklas Süle, dessen Vertrag in München im Sommer ausläuft, ist zumindest ein Erfolg für die Dortmunder. Süles Leistungen beim FCB waren in dieser Saison gut. Ja, es halten sich hartnäckig Gerüchte, der 26-Jährige kehre bisweilen nicht voll austrainiert aus seinen Sommerurlauben zurück. Trotzdem ist Süle in dieser Saison zweikampfstärkster Abwehrspieler des Rekordmeisters.

Der Nationalspieler dürfte auch in Normalform die Viererkette des BVB stärken. Doch Süle allein wird die BVB-Defensive nicht stabilisieren können. Die Auftritte dieser Saison zeigen deutlich, dass Dortmund auf den Außen nicht gut genug besetzt ist. Süle ist ein Anfang. Es dürfte aber nicht die letzte Verpflichtung für die Problemzone der Schwarz-Gelben gewesen sein.