Borussia Dortmunds Schmelzer - leiser Abschied eines Klopp-Veteranen

Borussia Dortmunds Marcel Schmelzer bei seinem bis dato letzten Einsatz im Juni 2020 gegen Mainz

Borussia Dortmunds Schmelzer - leiser Abschied eines Klopp-Veteranen

Von Julian Tilders

Nach 13 Jahren bei Borussia Dortmund geht die Zeit von Marcel Schmelzer nach der Saison 2020/21 zu Ende. Er verlässt den Klub alles andere als auf seinem persönlichen Zenit - hinterlässt aber ein Stück BVB-Geschichte.

Höflichkeit ist eine Tugend. Das wissen auch Jadon Sancho, Erling Haaland und Co., die als junge Wilde bei Borussia Dortmund im Rampenlicht stehen. Doch nach dem Pokalsieg des BVB gegen RB Leipzig ließen sie zwei Älteren bei der Siegerehrung den Vortritt. Lukasz Piszczek marschierte vorweg, hinter ihm reihte sich Marcel Schmelzer ein, der wirkte, als sei es ihm fast unangenehm, dass Piszczek bei seinem eigenen Abgang stolz Schmelzers Trikot trug. Direkt ordnete er sich auf der Bühne ganz am Rand ein.

Im Team genießt er ein hohes Ansehen. Sportlich viel beigetragen hat er in der laufenden Spielzeit aber nicht mehr - Schmelzer absolvierte bis dato kein einziges Pflichtspiel. Schon in der vergangenen Saison 2019/20 war er unter Trainer Lucien Favre nur noch zu sieben Bundesliga-Einsätzen gekommen.

Schmelzer mehr als nur Leidensgenosse von Reus

Es ist ein Abschied alles andere als auf dem Zenit seiner Laufbahn. Dem 33-Jährigen wurden im Herbst seiner Karriere häufiger nach Verletzungen die Fäden gezogen, als er sie selbst auf dem Platz noch ziehen konnte.

Vor allem in den letzten seiner 13 Jahre beim BVB häuften sich die Ausfälle. Oberschenkel, Außenband, Sprunggelenk, Knie. Schmelzer wurde immer wieder zurückgeworfen, hatte schon alleine um die zehn Muskelfaserrisse. Dabei verpasste er nur von 2016 bis heute 118 Spiele, zuletzt unterzog er sich einer Knie-OP. Seinem ebenfalls oft von Verletzungen geplagten Kollegen Marco Reus steht er damit in nichts nach.

Unter Klopp ging Schmelzers Stern auf

Marcel Schmelzer (r.) bejubelt in der Saison 2011/12 mit Kevin Großkreutz eines seiner insgesamt drei Bundesliga-Tore

Marcel Schmelzer (r.) bejubelt in der Saison 2011/12 mit Kevin Großkreutz eines seiner insgesamt drei Bundesliga-Tore.

Gemeinsam mit drei weiteren seiner aktuellen Mannschaftskameraden ist Schmelzer einer der letzten verbliebenen Veteranen, die noch unter Jürgen Klopp (2008-2015) bei Dortmund begeisterten: Mats Hummels, Reus und Piszczek. Schmelzer, Hummels und Piszczek feierten 2011 und 2012 zweimal hintereinander die Deutsche Meisterschaft, zudem gelang 2012 das Double mit dem Pokalsieg. Reus kam erst danach hinzu.

"Warum war der Platz so vereist, obwohl du Marcel Schmelzer aufgestellt hast?", fragte WDR-Moderator Arnd Zeigler mal Klopp, der Schmelzer in der Tat stets aufstellte. Unter ihm reifte "Schmelle" zum Nationalspieler. Insgesamt absolvierte der Linksverteidiger, der aus der U17 des 1. FC Magdeburg zum BVB-Nachwuchs wechselte und fortan dem Klub treu blieb, wettbewerbsübergreifend 232 Partien mit Klopp an der Seite. Zum hauptamtlichen Kapitän machte ihn jedoch erst Thomas Tuchel (2015-2017), mit dem Schmelzer 2017 den Pokalsieg feiern konnte.

Nach Tuchel nur noch sporadische Einsätze

Nach 86 Einsätzen unter Tuchel ging der Stern jedoch langsam wieder unter. Unter Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre und nun Edin Terzic absolvierte er insgesamt nur noch 48 Partien. Unter Terzic kam er noch gar nicht zum Einsatz. Ob der Trainer ihm nochmal zum Abschluss gegen Bayer Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) eine Minute gewährt? Das ist ob der unbekannten körperlichen Verfassung Schmelzers nicht unbedingt abzusehen. Aber er hat ja mit dem BVB auch schon genug erreicht.

Stand: 18.05.2021, 13:45