BVB-Boss Watzke: Veranstalter sollten das Recht haben, Impfverweigerer abzuweisen

Hans-Joachim Watzke (l.) und Sebastian Kehl im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz.

BVB-Boss Watzke: Veranstalter sollten das Recht haben, Impfverweigerer abzuweisen

Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke und Sebastian Kehl, sprachen im WDR-Interview über die Zuschauerfrage in Corona-Zeiten, Neuzugang Donyell Malen und die Vorhaben für die neue Saison.

Am 14. August wird Borussia Dortmund nach langer Zeit wieder mit Zuschauern ein Heimspiel in der Bundesliga bestreiten dürfen. Bei der Partie gegen Eintracht Frankfurt rechnet BVB-Boss Hans-Joachim Watzke trotz der steigenden Inzidenzzahlen mit mehr als 20.000 Zuschauern.

Wer nicht geimpft ist, darf nicht ins Stadion?

Doch über die Saison hinweg muss diese Zahl gesteigert werden. "Wenn wir in dieser Saison nicht wieder zu nennenswerten Zuschauerzahlen kommen, und das ist für mich deutlich über 50 Prozent Auslastung, dann wird es für manche Vereine ganz düster", sagt Watzke, betont aber, dass es den BVB als einen der letzten Klubs treffen würde.

Watzke über Corona und Impfungen Sportschau 27.07.2021 01:47 Min. Verfügbar bis 28.07.2022 Das Erste

Um noch mehr Zuschauer im Stadion zu ermöglichen, wünscht sich Watzke eine möglichst hohe Impfquote. Wer sich gegen einen solchen Schutz entscheiden sollte, müsste unter Umständen dann auch mit den Konsequenzen leben. "Ich bin der Meinung, dass es keine Impfpflicht geben sollte, weil jeder selbst entscheiden muss", sagt der BVB-Boss: "Auf der anderen Seite haben aber auch die Veranstalter von Großereignissen, auch vom Fußball, das Recht zu sagen, dass dann eben nur Geimpfte reinkommen. Das halte ich für legitim, weil wir uns in einem schwierigen Kampf befinden." Und deswegen fordert Watze auch das Recht ein, über die Zusammensetzung der Zuschauer zu entscheiden.

Ab Inzidenzstufe 2 fast nur noch geimpfte Fans im Stadion

Sollten die Stadt Dortmund und die angrenzenden Landkreise bis zum ersten Bundesligaspiel gemeinsam in die Inzidenzstufe 2 rutschen (über 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche) - dürften laut BVB-Homepage nur noch 1.000 Ungeimpfte ins Stadion. Der Verein könnte dann bis auf 22.033 weitere Zuschauer erhöhen, die restlichen 21.033 müssten allerdings, so das Konzept der Stadt zur Wiederzulassung, komplett geimpft sein. Das gleiche Modell wird aktuell bereits bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf angewendet. Aktuell beträgt die zusammengerechnete Inzidenz der Stadt Dortmund und der angrenzenden Kreise 12,4 (28.07.2021).

Malen soll Dortmunder Gegenwart und Zukunft prägen

Möglichst viele BVB-Fans sollen also auch Donyell Malen zu Gesicht bekommen, den der Klub gerade von PSV Eindhoven verpflichtet hat. "Er ist ein junger Spieler, hat eine sehr gute Schnelligkeit und eine gute Torquote. Da wir vorne Bedarf hatten, haben wir uns schon seit Monaten mit ihm auseinandergesetzt. Ich glaube schon, dass er, wenn er sein Potenzial ausschöpft, für uns eine wesentliche Verstärkung sein kann", sagt Watzke

Bedarf hatten die Dortmunder, weil sich schon früh der Wechsel von Jadon Sancho zu Manchester United angedeutet hatte. Weil der BVB 85 Millionen Euro für den englischen Nationalspieler erhielt, sei Malen, der 30 Millionen Euro kostet, laut Watzke "kein großer Transfer", denn es seien "netto 55 Millionen Euro übrig geblieben".

Borussia Dortmund vor Saisonstart 02:47 Min. Verfügbar bis 28.07.2022

Sebastian Kehl, der im nächsten Sommer Michael Zorc als Sportdirektor ablösen wird, betont im WDR-Gespräch, dass es "einfach nicht machbar" sei, Sancho "eins zu eins zu ersetzen". "Aber wir haben jetzt mit Donyell eine Waffe verpflichtet, wo wir glauben, dass er uns bereichern wird und uns in den verschiedenen taktischen Formationen eine gewisse Flexibilität gibt. Wir wollen ihn noch weiterentwickeln und dass er den nächsten Schritt in Deutschland macht", so Kehl, der aber auch betont: "Wir erhoffen uns von Anfang an schon einen Mehrwert von ihm."

Startschwierigkeiten sind vorprogrammiert

Seit Dienstag trainiert Malen mit seinen neuen Kollegen. Erst in diesen Tagen wird die Mannschaft komplettiert, nachdem auch die EM-Nationalspieler (Emre Can und Mats Hummels sind seit Mittwoch wieder dabei) zurückkehren. Deswegen erwarten die Verantwortlichen auch einige Startprobleme, weil der neue Trainer Marco Rose eine neue Spielidee etablieren will. "Es wird noch ein bisschen ruckeln, das ist uns bewusst. Es wird von Anfang an nicht alles funktionieren, weil der Trainer eine gewisse Art von Fußball spielen möchte, die ein bisschen Zeit braucht", sagt Kehl. "Diese Zeit wird Marco bekommen, aber wir brauchen natürlich von Anfang an gute Ergebnisse."

Zumal der BVB unbedingt da weitermachen will, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hatte. Erst der starke Schlussspurt mit sieben Bundesligasiegen in Folge ermöglichte den erneuten Einzug in die Champions League, dazu gewann Dortmund den DFB-Pokal.

"Was wir da erreicht haben, dieses Gefühl muss die Mannschaft in dieser Saison von Anfang an transportieren. Und ich glaube, dass sie das Potenzial hat", sagt Kehl: "Sie muss die Haltung und Bereitschaft zeigen, alles zu investieren und sich aufzuopfern. Und dann ist mit dieser Mannschaft alles möglich, denn bei Borussia Dortmund sind wir immer in den Lage, Titel zu holen. Selbst wenn wir schwierige Phasen haben, können wir am Ende noch etwas in die Luft strecken. Und das ist auch der Anspruch, den wir in dieser Saison haben."

red | Stand: 29.07.2021, 18:37