Borussia Dortmund zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Spieler von Borussia Dortmund nach dem Remis gegen Eintracht Frankfurt

Borussia Dortmund zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Von Julian Tilders

  • BVB-Kapitän Reus echauffiert sich über Mentalitätsfrage
  • Sportdirektor Zorc: "So spielt keine Spitzenmannschaft"
  • Borussia Dortmund eigentlich mit gutem Saisonstart

Klare Ansage vom Kapitän. "Das geht mir so auf die Eier mit eurem Mentalitätsscheiß - ganz ehrlich", ging Borussia Dortmunds Marco Reus beim TV-Sender "Sky" nach dem 2:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt an die Decke. Ihm war die Mentalitätsfrage gestellt worden.

Reus ereiferte sich: "Wir haben uns dumm angestellt, auf jeden Fall, aber kommt mir jetzt nicht mit eurem Mentalitätsscheiß. Jede Woche dieselbe Kacke." Der BVB-Führungsspieler ließ Dampf ab - verschossener Elfmeter gegen Barcelona, nun die späte Ernüchterung durch den Gegentreffer zum Ausgleich.

Favre spricht zwischen den Zeilen Bände

Eine allergische Reaktion auf das schwammige Wort "Mentalität" zeigte auch Trainer Lucien Favre, der ein Problem dieser Art ebenfalls vehement verneinte, im ARD-Interview zwischen den Zeilen aber ungewohnt deutlich durchblicken ließ: "Ja, es fehlt etwas. Wir müssen vom 1:0 profitieren und das 2:0 machen. Und nicht denken, wir sind fertig. Wir haben das nicht geschafft."

Der BVB und die Frage nach der Mentalität

Sportschau 23.09.2019 01:47 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 ARD Von Anne van Eickels

Favre sprach das Wort "Mentalität" nicht aus, meinte wohl aber etwas in der Richtung. Klar ist natürlich: Die Mentalitätskeule wird schnell geschwungen. Reus analysierte schlicht: "Wir haben nach dem 1:0 aufgehört, Fußball zu spielen."

Zorc: "So spielt keine Spitzenmannschaft"

Es fehlte dem BVB gegen Frankfurt auf jeden Fall an Konsequenz - die Chancen waren da. "Wir haben nicht konsequent aufs zweite Tor gespielt, waren nicht mehr konkret, insbesondere in der Offensivabteilung", schlug auch Sportdirektor Michael Zorc in dieselbe Kerbe und urteilte scharf: "So spielt keine Spitzenmannschaft." Aber der BVB will nun einmal am Saisonende die Mannschaft an der Tabellenspitze sein.

BVB mit gutem Start - nicht mehr, nicht weniger

Die Stimmung beim BVB wirkt merkwürdig fragil. Denn der Saisonstart verlief mit drei Siegen, einem Remis und einer Pleite recht gut. Der BVB zeigte unter anderem eine tolle Leistung gegen Leverkusen und eine gute Vorstellung gegen Barcelona. Alles Anhaltspunkte dafür, dass der Revierklub die nötige Power für den Meisterschaftskampf hat, der ja gerade erst angefangen hat.

Der Blick auf die Momentaufnahme zeigt allerdings: Klubs wie Eintracht Frankfurt oder Union Berlin werden nicht im Vorbeigehen besiegt. Insbesondere Leipzig und Bayern als voraussichtlich direkte Meisterschaftskonkurrenten haben in Sachen Konsequenz der Borussia sogar etwas voraus. Anspruch und Wirklichkeit sind aktuell noch nicht deckungsgleich beim BVB.

Stand: 23.09.2019, 11:47