Simon Rolfes

Völler-Nachfolger Simon Rolfes will neue Bayer-Ära prägen

Stand: 01.07.2022, 08:00 Uhr

Simon Rolfes übernimmt bei Bayer 04 Leverkusen die Funktion als Geschäftsführer Sport von Rudi Völler. Der 40-Jährige will die Mannschaft von einer Durchlaufstation zu einem gewachsenen Team formen.

Von Jörg Strohschein

Simon Rolfes wirkte ziemlich entspannt. Körperlich noch gut in Form, eine leichte Bräune. Nichts deutete daraufhin, dass der 40 Jahre alte Ex-Profi nur wenige Stunden später wohl eine der schwersten Nachfolgen antreten muss, die der deutsche Fußball derzeit zu bieten hat. Rolfes ist ab Freitag (1.7.2022) offiziell Nachfolger von Rudi Völler, der Bayer 04 Leverkusen in den letzten Jahren als Geschäftsführer Sport vertreten hatte.

"Das ist natürlich auch mein Ziel, Bayer 04 weiter zu entwickeln, meine Komponenten und meine Sicht des Fußballs hier einzubringen", sagte der Ex-Nationalspieler. Rolfes ist kein Neuling in diesem Metier. Seit 2018 ist er bereits als Sportdirektor bei Bayer 04 - allerdings mehr im Hintergrund - aktiv, war seitdem eng in alle strategischen und planerischen Fragen eingebunden. "Aber Rudi ist natürlich ohne Frage eine große Figur des deutschen Fußballs", sagte Rolfes. Ihm nachzufolgen sei "schon etwas Besonderes."

Bayer 04 hat von Völlers positivem Image profitiert

Es ist schließlich nicht nur die fußballerische Kompetenz Völlers, die Rolfes nun vollständig ersetzen und für die er sich verantworten muss. Es ist zudem die Strahlkraft des ehemaligen Weltklassespielers, der mit seinen Ecken und Kanten zwar auch polarisierte. Aber der stets neben seiner inhaltlichen Arbeit an der Profimannschaft ein Werbeträger für den Klub war. Und der weit über die regionalen Grenzen Leverkusens hinaus gestrahlt hat.

Wohl kein anderer Verantwortlicher eines Bundesligaklubs verfügt über höhere Sympathiewerte als der mittlerweile 62 Jahre alte Völler. Das war ein Effekt, von dem der Werksklub über lange Zeit enorm profitiert hat. In diese Rolle muss Rolfes erst noch hineinwachsen. "So etwas entwickelt sich über die Zeit. Die Reputation muss man sich erst erarbeiten", sagte Rolfes.

Simon Rolfes und Rudi Völler auf der Augsburger Trainerbank

Simon Rolfes (vorne) und Vorgänger Rudi Völler

Er wolle künftig mehr in der Öffentlichkeit erscheinen, seine Rolle als Vertreter des Klubs offensiver wahrnehmen. Besonders hilfreich dabei wären Rolfes sicher sportliche Erfolge. "Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahre eine gute Perspektive haben", sagte Rolfes.

Moderne Methoden

Leverkusen ist ein ruhiger, manchmal wenig beachteter Bundesliga-Standort, an dem sich Rolfes seiner neuen Rolle entwickeln kann. Und es ist ein Standort, an dem sich vor allem auch junge Spieler ohne den Erfolgsdruck wie etwa bei Borussia Dortmund, beim FC Bayern oder anderen internationalen Top-Klubs auf ihr Engagement einlassen können. Die Unaufgeregtheit, das Graue-Maus-Image des Klubs ist in diesem Fall sicher hilfreich für Rolfes.

In seiner Arbeit setzt Rolfes - anders als sein Vorgänger Völler, der stets als Traditionalist galt - auf moderne Hilfsmittel, wie etwa Datenanalysen und ähnliches. "Vielleicht bin ich etwas offener für neue Sachen. Aber es geht nicht darum, jeder Erneuerung hinterher zu rennen", sagte Rolfes.

Durchlässigkeit zu den Profis erhalten

Vor allem möchte Rolfes versuchen, die hochtalentierten Spieler länger zu halten als es in der Vergangenheit üblich war. Als Leverkusen als eine Art Durchlaufstation fungierte, bei der zwar viele hoffnungsvolle Spieler andockten, aber dann möglichst schnell zu einem anderen, größeren Klub wechselten. Nur so könne eine Mannschaft wachsen und sich stetig verbessern, sagt Rolfes.

Mit den jüngsten, vorzeitigen Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern wie Patrik Schick (26) oder Florian Wirtz (19) bis 2027 seien die ersten Anzeichen nun dafür vorhanden, dass dieses Vorhaben gelingen könnte, glaubt Rolfes. Weitere wie etwa Moussa Diaby könnten in Kürze folgen. Vor allem solle auch die Durchlässigkeit von den Jugendteams zu den Profis erhalten und wenn möglich noch verbessert werden.

Rolfes will eine neue Ära bei der Werkself prägen. Und er will etwas schaffen, was seinem prominenten Vorgänger in all den Jahren nicht gelungen ist. "Wir wollen natürlich Titel gewinnen", sagte Rolfes.