Bayer Leverkusen - in 68 Tagen vom Durchstarter zum Krisen-Klub

Jonathan Tah war nach der Niederlage gegen Bern bedient

Europa-League-Aus gegen Bern

Bayer Leverkusen - in 68 Tagen vom Durchstarter zum Krisen-Klub

Von Sebastian Hochrainer

Nach dem Ausscheiden in der Europa League ist der Kampf ums internationale Geschäft in der Bundesliga der letzte Strohhalm für Bayer Leverkusen. Vor etwa zwei Monaten hatte die Werkself noch dreifache Titelaussichten.

Am Donnerstag (25.02.2021) erlebte Bayer Leverkusen den Tiefpunkt einer Phase von etwas mehr als zwei Monaten, die bereits von mehreren Tiefen geprägt war. In der Europa League schied das Team von Trainer Peter Bosz gegen die Young Boys Bern nach der 0:2-Niederlage im Rückspiel (Hinspiel 3:4) aus. Damit ist Leverkusen innerhalb von 68 Tagen endgültig vom großen Durchstarter zum Krisen-Klub geworden.

Lewandowskis Tor startete den Abwärtstrend

Am 19. Dezember fehlten der Werkself nur wenige Minuten, um als Tabellenführer der Bundesliga in die Winterpause zu gehen. Ein Treffer von Robert Lewandowski in der Nachspielzeit sorgte erst dafür, dass Bayern München die Leverkusener von der Spitze verdrängte.

Peter Bosz: "Riesen-Enttäuschung"

Sportschau 25.02.2021 00:48 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 ARD


In dieser Zeit träumte man im Klub bereits von Titeln. Bosz ging recht offensiv mit dem Thema Meisterschaft um und im nationalen und internationalen Wettbewerb war Leverkusen auch noch dabei, die Gruppenphase in der Europa League überstand das Team souverän als Tabellenführer.

In zwei Monaten von drei Titelchancen auf null

68 Tage später ist davon nichts mehr übrig. Im DFB-Pokal scheiterte Bayer an Rot-Weiss Essen (1:2 nach Verlängerung), in der Europa League nun an Bern und in der Bundesliga ist Leverkusen nur noch Fünfter mit fünf Punkten Rückstand auf die anvisierten Champions-League-Plätze.

"Es ist eine Riesenenttäuschung. Über zwei Spiele gesehen sind wir vollkommen zurecht ausgeschieden", sagte Bosz nach der zweiten Niederlage gegen den Schweizer Meister aus Bern. "Das ist nicht unser Anspruch, wir erwarten mehr von uns selbst. Da müssen wir selbstkritisch sein", war die klare Ansage von Jonathan Tah.

Tah stellt die Charakterfrage

Der Nationalspieler sagte, das Team müsse wieder mehr "über die Leidenschaft und Mentalität kommen". Leverkusen ist jedoch bekannt dafür, seine Aufgabe vor allem fußballerisch lösen zu wollen. In den vergangenen Wochen reichte das jedoch nur zu drei Siegen in 14 Pflichtspielen.

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Sportschau 25.02.2021 00:48 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 ARD


Es fehlt der offensichtliche Grund, was in Leverkusen zuletzt so schief läuft. Tah sagte, im Gegensatz zur Hinrunde fehle "die Leichtigkeit". Zwar hat Bayer mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen, doch gerade in der Problemzone Offensive kann Bosz in der gesamten Zeit nahezu aus dem Vollen schöpfen.

Lomb ein weiterer Unsicherheitsfaktor

Neben dem Angriff ist zuletzt auch die Position des Torhüters für Leverkusen zur Achillesferse gekommen. Lukas Hradecky fällt aufgrund einer Verletzung wohl noch bis Ende März aus, sein Vertreter Niklas Lomb machte sowohl gegen Bern als auch in der Bundesliga in Augsburg (1:1) schwere Fehler. Bosz überlegt nun, einen anderen Hradecky-Ersatz ins Tor zu stellen.

Fragen zur Trainer-Personalie kommen von außen vermehrt auf, die Bayer-Verantwortlichen Rudi Völler, Simon Rolfes und Fernando Carro betonen bislang jedoch, keine Diskussion über Bosz zu führen. "In meinem Beruf ist Druck immer da. Es bringt nichts, sich Sorgen zu machen. Es geht darum, dass ich der Mannschaft helfe. Ich muss sie unterstützen und ihr helfen, das wieder zu drehen", sagte der Trainer selbst am Freitag.

Letzte Chance in der Bundesliga

"Aller Fokus muss auf der Bundesliga sein", fordert Bosz nun - etwas anderes bleibt Leverkusen nach dem Ausscheiden in den Pokalwettbewerben auch nicht übrig. Genau wie der Start einer Serie, um das Bundesliga-Saisonziel, die Champions League, wenigstens noch zu erreichen. "Wir müssen das Spiel am Sonntag gegen Freiburg gewinnen und dann wieder in den Lauf kommen", sagte Bosz.

Nadiem Amiri fand ebenfalls deutliche Worte. "Jetzt kommt es in der Liga drauf an, ob wir Eier haben oder nicht", sagte der Mittelfeldspieler. Hat Leverkusen die nicht, droht in der nächsten Saison statt der Europa League sogar nur die neu gegründete Conference League (der Sechste qualifiziert sich für die Playoffs) oder das komplette internationale Aus.

Stand: 26.02.2021, 10:13