KFC Uerdingen plant Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Das Logo des KFC Uerdingen prangt auf einer Eckfahne

KFC Uerdingen plant Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Der schwer kriselnde Fußball-Drittligist KFC Uerdingen will nach eigenem Bekunden ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung einleiten.

"Nach langen und intensiven Überlegungen, wie wir die aktuellen Herausforderungen bestmöglich meistern können, halten wir diesen Schritt für die optimale Lösung, um die Zukunft des KFC Uerdingen zu sichern", sagte der scheidende Präsident Michail Ponomarew. Der Spielbetrieb solle aber fortgesetzt werden.

Dem Amtsgericht liegt kein Antrag des KFC vor

Beantragt war das Insolvenzverfahren auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Krefeld bis Donnerstagnachmittag jedoch noch nicht, wie eine Sprecherin des Gerichts auf WDR-Anfrage versicherte. Der Verein selbst wollte sich nicht näher zu dem weiteren Vorgehen äußern.

Man könne zum aktuellen Zeitpunkt "keine Informationen geben, die über die von uns veröffentlichte Pressemitteilung hinausgehen", teilte der Klub mit. Weder zum Zeitpunkt der Antragstellung, noch auf die Fragen, ob bereits ein Sanierungsberater beauftragt worden sei oder ein Sanierungsplan existiere, gab es Antworten.

DFB ist über geplanten Schritt informiert

Antworten finden sich indes beim DFB. Der Verband bestätigte auf Anfrage, dass er über den geplanten Schritt des Vereins informiert ist. Zudem hatte der Verband bereits im April 2020 auf drohende Insolvenzen während der Corona-Pandemie reagiert und die Strafen reduziert.

In dieser Saison werden deshalb nur drei Punkte abgezogen, wenn ein Verein einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellt, in den Spielzeiten vor Corona wären es neun gewesen. Drei Punkte Abzug würden den Verein derzeit nicht auf einen Abstiegsplatz, aber doch sehr nah an diese Region runterrutschen lassen.

"Wir werden für die beginnende Rückrunde und auch für unsere langfristigen Ziele einen konkurrenzfähigen Kader stellen", sagte der ebenfalls vor dem Abschied stehende Geschäftsführer Nikolas Weinhart: "Natürlich ist es aber unabdingbar, dass wir unsere Mannschaft auf Einsparpotenzial beleuchten, um die laufenden Kosten zu senken."

Suche nach neuem Investor bisher erfolglos

Die Krefelder hatten zuletzt mitgeteilt, dass die Suche nach einem neuen Investor bislang erfolglos verlaufen sei. Der umstrittene Vereinsboss und Geldgeber Ponomarew hatte ebenso wie Weinhart seinen Rücktritt erklärt.

Ponomarew wolle aber einen geordneten Übergang ermöglichen. Weinhart sagte am Donnerstag in einer Klub-Mitteilung: "Mit dem Eigenverwaltungsverfahren bietet sich uns die Möglichkeit, in Eigenregie erfolgreich die Zukunft unseres Vereins zu sichern. Wir nutzen diese Zeit, um einen geeigneten Investor für den KFC Uerdingen zu finden."

Bundesagentur für Arbeit könnte Gehälter übernehmen

Neben der Tatsache, dass den Klub kein externer Insolvenverwalter komplett übernimmt, winken noch andere Vorteile, die ARD-Rechtsexperte Christoph Kehlbach erläuterte, als der Wuppertaler SV im vergangenen Sommer einen Antrag auf Insolvenzeröffnung in Eigenverwaltung stellte: "Für die Dauer von drei Monaten springt die Bundesagentur für Arbeit mit dem sogenannten Insolvenzgeld ein und ersetzt bis zur Beitragsbemessungsgrenze so die Gehälter, die der Verein zahlen muss und nicht mehr kann."

Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten. Zunächst muss ein entsprechender Antrag beim Amtsgericht vorliegen, und dann muss dieses auch noch darüber entscheiden, ob dem Antrag stattgegeben wird. Da bis Donnerstagnachmittag kein Antrag vorlag und der Verein sich nicht näher zu seinem Vorgehen äußerte, ist völlig unklar, ob der Klub diesen Weg tatsächlich einschlagen wird und darf.

Dass ein Insolvenzverfahren den Weg aus der Krise weisen kann, hat in der vergangenen Saison schon der hoch verschuldete 1. FC Kaiserslautern bewiesen. Die Pfälzer hatten allerdings auch eine Investorengruppe gefunden, die Geld in den Verein investiert. Daran hapert es derzeit noch beim KFC.

FCK ist vorerst gerettet 01:55 Min. Verfügbar bis 29.10.2021

sid | Stand: 21.01.2021, 18:25