Verl-Trainer Guerino Capretti während des Spiels gegen Kaiserslautern

Fußball | 3. Liga

SC Verl im Abstiegskampf: Krise auf dem Platz, Pläne im Kopf

Stand: 27.01.2022, 16:56 Uhr

Nach dem rasanten Aufstieg und Hype um den "Dorfklub" SC Verl ist in Ostwestfalen nun blanker Abstiegskampf angesagt. Trainer Capretti arbeitet an sportlicher Besserung, während am Schreibtisch langfristig geplant wird.

Fünf Jahre sind im schnelllebigen Profi-Fußballgeschäft eine lange Zeit. Und spricht erstmal für nachhaltiges Arbeiten eines Vereins. Auch beim SC Verl. Doch der Drittligist steckt mit Erfolgstrainer Guerino Capretti in ebenjenem fünften Jahr der Partnerschaft nun in einer ausgewachsenen sportlichen Krise.

Tabellenkeller: Verl mit mehr Spielen als Konkurrenz

Nachdem der Klub aus Ostwestfalen das erste Jahr in der 3. Liga (2020/21) direkt auf Platz sieben abschloss und die großen Vereine ärgerte sowie zudem schon in der abgelaufenen Aufstiegssaison im DFB-Pokal bis ins Achtelfinale gekommen war, ist der Hype verklungen. Von der Aufstiegstruppe sind kaum noch Spieler da, der Kader wurde vor der laufenden Saison grundlegend umgekrempelt mit an die 20 Zu- und Abgängen.

Der SCV steht nun als Tabellen-16. knietief im Abstiegskampf - gemeinsam mit dem MSV Duisburg. Dabei hat Verl immer noch zwei Zähler mehr auf dem Konto als die "Zebras" - allerdings hat der SC auch mehr Spiele absolviert als andere Vereine im Keller. Viktoria Köln und der MSV Duisburg haben im direkten Dunstkreis Verls eine Partie weniger, der Hallescher FC, Türkgücü München und Viktoria Berlin sogar zwei.

Trainer Capretti: "Bringt nichts, in Panik zu geraten"

Nun fuhren Capretti und sein Team in den letzten zwölf Spielen lediglich einen Sieg ein. Der SC kassierte in dieser Zeitspanne 26 Gegentore. Am Mittwoch (26.01.2021) war eigentlich gegen den SV Meppen Wiedergutmachung nach einem niederschmetternden 2:5 gegen Viktoria Köln geplant - doch auch dieses Duell ging mit 0:1 verloren.

Trainer Capretti sprach von einer "engagierten Leistung" und lobte eine verbesserte defensive Stabilität. "Mein Ansatzpunkt war: Das Gegenpressing musste viel besser werden. Und das war jetzt auch wesentlich besser. Es ist extrem bitter, dass eine Situation zum Gegentreffer geführt hat", erklärte der 39-Jährige.

Außerdem bringe es jetzt "überhaupt nichts, in Panik zu geraten", sagte Capretti. "Klar darfst du sauer und enttäuscht sein, aber wichtig ist es, fokussiert und überzeugt zu bleiben, dass wir die Qualität haben, das zu schaffen. Und der Überzeugung bin ich, die Jungs auch."

Funktionäre arbeiten langfristig an Professionalisierung

Während auf dem Rasen die Lage angespannt ist, arbeiten die Funktionäre am Schreibtisch langfristig an der Etablierung in der 3. Liga. Zuletzt wurde der Ex-Torhüter und aktuelle Torwarttrainer Sebastian Lange (34) mit dem Amt des Sportlichen Leiters betraut, der nun auch mit nach einem neuen Trainer ab Sommer sucht. Denn Capretti, das wurde Ende des letzten Jahres bekanntgegeben, verlängert seinen Kontrakt nicht.

Ein weiteres Projekt für den neuen Sportlichen Leiter ist nach eigener Ansage die "noch engere Verzahnung der Profimannschaft mit der Jugend" und damit die "Sportclub-DNA" noch stärker in den Fokus zu stellen.

Verl plant das "beste 5.000-er Stadion in Deutschland"

Außerdem haben die Verantwortlichen nach der Reduzierung der Stadion-Mindestkapazität für Vereine der 3. Liga (nur noch 5.000 Plätze statt 10.000) langfristig die Weichen gestellt für einen Umbau der Sportclub-Arena und somit eine dauerhafte Rückkehr an die heimische Spielstätte.

André Theilmeier, Vorsitzender des SC-Verwaltungsrates, kündigte im Gespräch mit der "Neuen Westfälischen" jüngst das "beste 5.000-er Stadion in Deutschland" an. Kosten: Ein hoher einstelliger Millionenbetrag, die Stadt wird Unterstützung leisten.

Vorerst werden die Kräfte aller Verler Verantwortlichen aber auf die nahe Zukunft gerichtet sein. Und die heißt: Abstiegskampf.

Quelle: jti