Rot-Weiss Essens Präsident Marcus Uhlig blickt vor einem Drittliga-Fußballspiel konzentriert drein

RWE-Präsident Uhlig über Pyrotechnik und Geldstrafen

Stand: 05.10.2022, 10:57 Uhr

In der 3. Liga profitiert Rot-Weiss Essen von einer großen, emotionalen Fanbasis. Allerdings ist dieses Pfund auch regelmäßig Last. Vorfälle mit Pyrotechnik kosten RWE Geld und Zeit.

Von Julian Tilders

Die allermeisten Fußballfans wünschen sich ein sportliches Feuerwerk ihrer Mannschaft auf dem Platz. Doch der Funke springt im wahrsten Sinne des Wortes auch beim Drittligisten Rot-Weiss Essen regelmäßig über auf die Tribüne.

Bereits zweimal wurde RWE nach neun Spieltagen (mittlerweile sind zehn Partien gespielt) schon eine Geldstrafe aufgebrummt. Der Grund für die in Summe bisher fälligen Strafen von immerhin 12.250 Euro: das Abbrennen von Pyrotechnik. Ein drittes Verfahren wegen der Vorfälle während der Auswärtspartie beim VfL Osnabrück läuft noch, eine weitere Strafe ist wahrscheinlich.

Uhlig sieht Pyrotechnik als "polarisierendes Thema"

"Rot-Weiss Essen ist ein großer Verein mit einer unglaublichen Wucht und vielen Emotionen", betont RWE-Präsident Marcus Uhlig im WDR-Gespräch. "Pyrotechnik im Speziellen ist aber ein schwieriges und polarisierendes Thema, da es für viele Fanszenen dazugehört."

Dennoch unterstreicht der 51-Jährige: "Es ist und bleibt aber verboten, für uns gilt es deshalb, mit harter Arbeit und vielen Gesprächen unsere Fans weiter zu sensibilisieren." Uhligs Prognose: "Aber der Einsatz von Pyrotechnik wird sich nie ganz verhindern lassen, das sehen wir jedes Wochenende in beinahe allen Ligen."

Jede Geldstrafe für Rot-Weiss Essen "ärgerlich"

Dass die Strafen, mit denen RWE also auch für die Zukunft weiter rechnet, durch den DFB im Profi-Fußballgeschäft nicht unbedingt Unsummen verkörpern, ist klar. Dennoch empfindet Uhlig solche Strafzahlungen als wirtschaftliche Last.

"Vor allem infrastrukturell möchten und müssen wir uns weiterentwickeln, der Umbau unseres Trainingsgeländes steht zum Beispiel kurz vor der Fertigstellung", erklärt der Essener Vereinsboss. "Daher ist jede Geldstrafe, unabhängig von der Höhe, ärgerlich."

Pyro-Vorfälle kosten RWE "sechsstelligen Betrag" pro Jahr

Auch Nachfolgekosten im Sinne einer "deutlichen Aufstockung unseres Ordnungs- und Sicherheitsdienstes", die Einstellung "eines hauptamtlichen Fanbeauftragten bereits zu Beginn des Jahres" und "weiter steigende Anwaltskosten" seien einzukalkulieren. Somit stünde laut Uhlig ein "mittlerer sechsstelliger Betrag" im Jahr zu Buche für diesen ungeliebten Mehraufwand.

Und auch die wegen Fan-Fehlverhaltens aufgewandte Zeit wäre bei anderen Projekten besser investiert. Uhlig erklärt: "Mehrere Mitarbeiter sind mit den mittel- und unmittelbaren Auswirkungen beschäftigt."

Eigene Ordner bei "brisanten Auswärtsspielen"

Während RWE im eigenen Stadion mehr Möglichkeiten für direkte Gegenmaßnahmen hat, gestalte sich die Kontrolle bei Auswärtsspielen schwieriger.

Deshalb arbeite Essen "viel im präventiven Bereich", wie Uhlig erklärt: "Mit den jeweiligen Heimvereinen stehen wir im Vorfeld im Austausch." Zu "brisanten Auswärtsspielen" reise RWE auch mit eigenen Ordnern an, die einen "anderen Zugang" zu den mitreisenden Fans hätten.

Ein brisantes Heimspiel hingegen dürfte das kommende Samstagsduell mit der ebenfalls traditionell fanstarken SG Dynamo Dresden werden. Der WDR überträgt die Partie um 14 Uhr live im Fernsehen.

Immer wieder Probleme mit Teilen der Fans

Dass RWE seit Jahren und Jahrzehnten zusätzliche Probleme mit gewaltbereiten Teilen der Fanszene hat, die über schlichte Pyro-Vorfälle hinausgehen, zeigte sich zuletzt beim körperlichen Angriff von RWE-Fans auf einen Schalke-Anhänger.

Einen Blick auf den Kampf gegen Neonazis auf den Rängen von Rot-Weiss Essen und des SSV Ulm warf außerdem zuletzt das WDR-Magazin Sport inside.