Trainer Christoph Dabrowski von Rot-Weiss Essen (Archivbild)

Spätstarter Essen: Dank "interner Ruhe" in 3. Liga angekommen

Stand: 17.11.2022, 15:16 Uhr

Die Rückkehr in den Profifußball verlief für Rot-Weiss Essen holprig. Nach großen Anlaufschwierigkeiten hat sich der Traditionsklub in den letzten Wochen aber stabilisiert.

Von Jakob Halbfas

"Ich glaube, dass die Erwartungshaltung und der eigene Druck dafür gesorgt haben, dass wir am ersten Spieltag von Elversberg mal kurz überrollt wurden", sagt RWE-Trainer Christoph Dabrowski im Gespräch mit dem WDR am Donnerstag (17.11.2022).

Der 44 Jahre alte Trainer, der sich Rot-Weiss Essen im Sommer anschloss, spricht von einer Erwartungshaltung, die sich in 14 Jahren Regionalliga-Fußball aufstauen konnte. Nach über einem Jahrzehnt Abstinenz feierte der Traditionsklub im Frühjahr die langersehnte Rückkehr in den Profifußball.

Essen spielt starke Vorbereitung

"Vom ersten Tag an habe ich eine extreme Euphorie gespürt im ganzen Verein und auch im Umfeld. Das hat sich schon bemerkbar gemacht, als uns 3.000 Fans beim ersten öffentlichen Training besucht haben. Das war schon beeindruckend. Das habe ich so auch noch nicht erlebt", erzählt Dabrowski.

"Voller Zuversicht" sei Dabrowski im Sommer mit seiner neuen Mannschaft in die Vorbereitung gestartet. Und auch mit den ersten Ergebnissen war der ehemalige Profi vom VfL Bochum zufrieden. Einzig den Test gegen Bundesligist Borussia Mönchengladbach verlor RWE.

Erster Saisonsieg erst am 7. Spieltag

Dann aber kam der Saisonstart vor über 16.000 Zuschauern. Im Duell der Aufsteiger empfing Essen an der Hafenstraße den SV Elversberg. Mit 1:5 ging RWE unter. "Das war natürlich ernüchternd für alle", sagt Dabrowski. Allerdings ist die Niederlage aus heutiger Sicht anders einzuordnen als noch vor drei Monaten. Damals war Elversberg noch ein gewöhnlicher Aufsteiger. Heute führt der Klub aus dem Saarland mit acht Punkten Vorsprung die Tabelle in der 3. Liga an.

Aber auch nach dem missglückten Auftakt fand Essen nicht wirklich in die Spur. "Ich glaube, dass wir etwas gebraucht haben, um in der Liga ein Stück weit anzukommen", sagt Dabrowski mit einigen Monaten Abstand. In den ersten sechs Liga-Partien blieb RWE sieglos, stand Ende August mit drei Punkten am Tabellenende.

"Die Fans standen auch in dieser schweren Phase an unserer Seite und haben uns bedingungslos unterstützt", berichtet Dabrowski. Und auch im Verein blieb man geschlossen. "Ich habe zu keiner Zeit gespürt, dass die Verantwortlichen von ihrem Weg abkommen und der Weg war ganz klar, den Verein zu stabilisieren, zu etablieren und in der Liga anzukommen. Die Ruhe hat man einfach intern gespürt."

Die Geschlossenheit zahlte sich aus. Am siebten Spieltag holte RWE im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue den ersten Saisonsieg. "Die Mannschaft hat es dann auch unter Druck geschafft, Ergebnisse einzufahren."

Erster Auswärtssieg in Freiburg

Nach dem Heimsieg gegen den Zweitliga-Absteiger war der große Druck und das Warten auf den ersten Sieg in der 3. Liga seit etlichen Jahren verflogen. Essen war angekommen, ohne direkt die große Serie zu starten. Sieg und Niederlage wechselten sich zunächst ab.

Den ersten Auswärtssieg fuhr der Aufsteiger erst am 11. Spieltag in Freiburg ein. Gegen die sonst so heimstarke Reserve des Sportclubs gewannen die vorher so auswärtsschwachen Essenener mit 3:0.

"Man kann das auch manchmal nicht erklären. Manchmal erwischt man eine Mannschaft in dem Augenblick, in dem sie vielleicht ein paar Prozent nachlässiger ist und in dem Moment haben wir dann zugepackt", sagt Dabrowski.

RWE-Trainer Dabrowski: "Der Weg ist noch weit"

Mit dem Sieg in Freiburg als Auslöser startete Rot-Weiss Essen dann doch noch seine Serie. Auswärts gewann RWE auch bei Waldhof Mannheim und in Oldenburg. Beim Aufstiegskandidaten 1860 München holte Essen am vergangenen Montag einen Punkt.

Das Team von Dabrowski ist seit sieben Spielen ungeschlagen, 22 Punkte stehen auf dem Konto. Das macht Platz 13 in der Tabelle und einen Vorsprung von sechs Zählern auf die Abstiegszone. "Wir haben uns jetzt eine gute Ausgangsposition verschafft, sind uns aber bewusst, dass der Weg noch weit ist."

RWE startet am 8. Dezember in die Vorbereitung

Weit ist der Weg auch noch bis zum nächsten Spiel. Aufgrund der WM in Katar hat RWE nun zwei Monate Pause, ehe es am 14. Januar gegen den Halleschen FC weiter geht. "Jetzt gehen wir erst einmal alle in den Urlaub", sagt Dabrowski.

Am 8. Dezember beginnt dann die Vorbereitung - auch auf das Rückspiel gegen die SV Elversberg. Die wartet Ende Januar auf Essen. Die eigene Erwartungshaltung sollte Rot-Weiss Essen dann nicht mehr im Weg stehen.