Preußen Münster-Fans wehren sich gegen Rassismus im Stadion

Preußen Münster-Fans wehren sich gegen Rassismus im Stadion

  • Würzburger Spieler Leroy Kwadwo rassistisch beleidigt
  • Münster-Fan festgenommen
  • "Nazis-raus"-Rufe der Zuschauer

Am Tag nach dem Rassismusvorfall in der 3. Fußball-Liga hat sich der betroffene Würzburger Spieler Leroy Kwadwo ausführlich geäußert. Bei Instagram schrieb der 23-Jährige am Samstag (15.02.2020): "Ich wurde von einem einzelnen Zuschauer rassistisch beleidigt. Dies macht mich einfach nur traurig." Der Abwehrspieler der Würzburger Kickers hob hervor: "Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren." Und er fügte hinzu: "Ich bin einer von Euch".

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Festnahme noch am Abend

Schon am Freitagabend hatten viele der Zuschauer im Stadion auf den Mann gezeigt, der in Kwadwos Richtung Affenlaute gemacht und ihn beleidigt hatte. So konnte der Ordnungsdienst ihn identifizieren und die Polizei kurz darauf festnehmen. Zudem setzten die Fans ein eindeutiges Zeichen, wie sich WDR-Sportreporter Burkhard Hupe erinnert. "Die Szene hatte sich noch gar nicht richtig beruhigt, da hat der Stadionsprecher schon dazu aufgerufen, das Toleranz auch im Stadion gelebt werden muss", sagt er.

Noch bevor der Sprecher seinen Text beenden konnte, seien die Fans auf der Haupttribüne aufgestanden und hätten lauthals "Nazis raus!" skandiert, "und zwar alle mit einer Stimme", so Hupe. Auch Kwadwo lobte das Verhalten dieser Fans ausdrücklich: "Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet." Seinen Eintrag beendete er mit den Worten: "Danke für Eure Menschlichkeit."

Die Polizei Münster bestätigte die Beleidigungen auf WDR-Anfrage. Der Mann sei vor dem Stadion in Gewahrsam genommen und auf das Präsidium gebracht worden. Demnach drohe ihm eine Anzeige wegen Volksverhetzung.

Auch Preußen Münster lobt Reaktion der Fans

"So abstoßend die getätigten Affenlaute gegen den Spieler waren, so beeindruckend war die anschließende Reaktionen der übrigen Zuschauer, die nicht nur auf den Täter zeigten und ihn so für die Ordnungskräfte erkennbar machten, sondern mit unüberhörbaren 'Nazis-raus'-Rufen die starke antirassistische Haltung der Preußen-Fans und der Münsteraner deutlich machten", hieß es in einer Vereinsmitteilung. Der Klub entschuldigte sich bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg.

Talk über Rassismus gegen Kwadwo

Sportschau 15.02.2020 02:49 Min. Verfügbar bis 15.02.2021 ARD Von Sven Pistor, Burkhard Hupe

"Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht. Wir distanzieren uns ganz klar von solchen Äußerungen", sagte Vereinspräsident Christoph Strässer.

Auch der DFB verurteilte in einer Reaktion am Samstag den Rassismusvorfall, lobte aber auch die Reaktionen darauf. "So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo" gewesen sei, "so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf", twitterte der DFB am Samstagmorgen auf seinem Account zur 3. Liga.

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Kwadwo machte Schiedsrichterin selbst aufmerksam

Auf Fotos auf der Preußen-Vereinsseite ist zu sehen, dass der 23 Jahre alte Abwehrspieler die Schiedsrichterin Katrin Rafalski auf den Vorfall aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte. "Sowas gehört nicht ins Stadion. Ich habe nicht gedacht, dass mir so etwas mal passieren würde", wurde Kwadwo von den "Westfälischen Nachrichten" zitiert.

Schuppan: "Hoffe, er darf nie wieder ein Spiel besuchen"

Die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Klub hervor. "Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war", sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz.

Der Würzburger Kapitän Sebastian Schuppan äußerte sich "schockiert". "Mal wieder kamen Affenlaute von den Rängen. Aber anders als in vielen vorherigen Situationen hat das Stadion sehr gut reagiert. Die Polizei hat ihn festgenommen und ich hoffe, er darf nie wieder ein Fußballspiel besuchen", twitterte der 33 Jahre alte Routinier.

Stand: 16.02.2020, 08:11