Ponomarev und Uerdingen - alles außer Fußball

Mikhail Ponomarew

3. Liga

Ponomarev und Uerdingen - alles außer Fußball

Von Olaf Jansen

Der KFC Uerdingen und Mikhail Ponomarev werden spätestens am Saisonende getrennte Wege gehen. Es ist das Ende einer Partnerschaft, die mit Fußball als Sport offenbar wenig zu tun hatte.

Als sich der KFC Uerdingen vergangene Woche mit Kevin Großkreutz vor dem Krefelder Amtsgericht traf, war Mikhail Ponomarev nicht zugegen. Was kaum jemanden wunderte, denn der Investor des Fußball-Drittligisten wird bei derlei unappetitlichen Terminen eigentlich nie persönlich vorstellig. Diese Angelegenheiten erledigen dann seine Anwälte, die gut beschäftigt sind. Denn die Anzahl der Verfahren, die der KFC in den vergangenen Jahren allein gegen nicht mehr willkommene Spieler und Trainer führte, sind schon lange nicht mehr an zwei Händen abzählbar.

Meistens verliert der KFC die Prozesse. Wie auch den gegen Großkreutz, den Weltmeister von 2014. Dem war Anfang Oktober fristlos gekündigt worden, gleichzeitig waren die Gehaltszahlungen eingestellt worden. Großkreutz hatte aber noch einen Vertrag bis Juni 2021. Und das Gericht entschied: Der KFC muss dem Spieler ausstehende Gehälter und eine Abfindung zahlen. Insgesamt laut übereinstimmender Angaben von "Bild" und "RP Online": 442.500 Euro.

Schwindelerregend hohe Gehälter

Ähnlich gingen die Dinge jüngst bei den Aussortierten Patrick Pflücke, Alexander Bittrof, Tom Boere, Rene Vollath, Selim Gündüz und Dennis Daube aus. Überall musste der zahlungsunwillige Verein im Nachhinein das Portemonnaie doch noch öffnen. Auch der Ex-Kölner Dominik Maroh erstritt vor Gericht noch einmal 150.000 Euro. Welche enormen Summen beim KFC offenbar selbst in der Dritten Liga über den Tisch gehen, erscheint mitunter schwindelerregend.

Doch der außerordentlich gute Verdienst in Krefeld könnte auch eine Art Schmerzensgeld für die Spieler sein, wie zuletzt der aussortierte Selim Gündüz in einem RevierSport-Interview erklärte: "Ich habe nirgendwo zuvor so eine fehlende Menschlichkeit erlebt wie beim KFC Uerdingen. Ich bin mir sicher, dass es das kein zweites Mal in Fußball-Deutschland gibt", sagte der jetzige Profi des Liga-Rivalen Hallescher FC. "Ich habe in Siegen, Bochum, Darmstadt oder jetzt in Halle gespielt. Überall herrschen professionelle Bedingungen, Strukturen vor. Beim KFC ist das nicht der Fall. Ich würde niemandem raten, zum KFC Uerdingen zu wechseln - für kein Geld der Welt. Am Ende muss man um dieses Geld sowieso sehr oft kämpfen."

Sechs Trainerwechsel in 14 Monaten

Was man mit derlei Vereinspolitik erreicht? Nun, zumindest keine Kontinuität. Spieler und Trainer geben sich ja gewissermaßen die Klinke in die Hand. Man verliert leicht den Überblick, wieviel Trainer der KFC allein seit 2016 geholt und wieder entlassen hat.

Momentan sitzt mit Stefan Krämer seit März diesen Jahres ein Coach auf der Bank, den Ponomarev im Januar 2019 schon einmal geschasst hatte. Allein zwischen Krämers beiden Engagements, also zwischen Januar 2019 und März 2020, haben sechs verschiedene Trainer beim KFC das Sagen gehabt.

In der Dritten Liga hängengeblieben

Was das alles mit Fußball zu tun hat? Offensichtlich nur noch wenig, denn die sportlichen Schlagzeilen des Drittligisten verhalten sich im vergleichbaren Zeitraum eher unspektakulär. Zwar stieg der Verein nach Ponomarevs Einstieg als Investor im Sommer 2016 in der Folge zweimal nacheinander auf, danach stagnierte die Entwicklung aber.

Statt den mit viel Aufwand anvisierten Aufstieg in die Zweite Liga zu realisieren, blieb der KFC in der Dritten Liga hängen. Das scheint auch in der laufenden Saison nicht besser zu werden. Nach 14 Spielen rangiert der KFC mit 16 Zählern auf Rang zwölf der Tabelle. Der Abstand nach unten in die Abstiegszone ist kleiner als der zu den begehrten Aufstiegrängen.

Angesichts dieser erneut miesen Aussicht scheint der KFC-Investor nun die Lust an seinem Engagement verloren zu haben. Und hat seinen baldigen Ausstieg angekündigt. Ob das für den KFC eine gute oder schlechte Nachricht ist, bleibt zunächst offen. Im Gespräch mit der "Westdeutschen Zeitung" deutete Ponomarev am Wochenende an, neue interessierte Investoren kämen womöglich aus Armenien.

KFC mit Nullnummer bei Dynamo Dresden 27:39 Min. Verfügbar bis 05.12.2021

Stand: 07.12.2020, 11:31