Bitterer Sonntag in Duisburg - Drittliga-Partie des MSV wird nach Rassismus-Eklat abgebrochen

Sportschau 19.12.2021 02:23 Min. Verfügbar bis 19.12.2022 Das Erste

Nach Rassismus: Duisburg-Spiel abgebrochen, Anzeige erstattet

Stand: 19.12.2021, 20:46 Uhr

Ein rassistischer Vorfall hat den 20. Spieltag der 3. Fußball-Liga überschattet und zum vorzeitigen Ende der Partie zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück geführt - ein Novum im deutschen Profi-Fußball. Der DFB kündigte Ermittlungen an, die Polizei hat Anzeige erstattet.

Nachdem Osnabrücks Profi Aaron Opoku von den Zuschauerrängen aus offenbar mit Affenlauten beleidigt worden war, unterbrach Schiedsrichter Nicolas Winter die Partie in der 33. Minute beim Stand von 0:0. Nach Beratungen im Kabinentrakt folgte der Abbruch - das hatte es in den höchsten drei deutschen Spielklassen bisher nicht gegeben.

Polizei erstattet Anzeige

Am Sonntagabend teilte die Duisburger Polizei mit, dass sie Anzeige gegen einen 55-Jährigen erstattet habe. Er soll für die rassistischen Beleidigungen verantwortlich sein. Der Verdächtige sei bislang polizeilich unbekannt und durfte nach der Befragung wieder nach Hause gehen. Der Staatsschutz der Polizei Duisburg ist den Angaben zufolge informiert.

Der Vorfall ereignete sich, als Opoku für den VfL Osnabrück eine Ecke ausführen wollte. Von der Tribüne des Duisbuger Stadions kamen rassistische Beleidigungen. Der MSV-Spieler Leroy Kwadwo eilte zur Unterstützung von Opoku herbei und ist womöglich auch rassistisch angefeindet worden.

Rassistische Beleidigungen: Aaron Opoku (Vfl Osnabrück) im Gespräch mit dem Schiedsrichter.

Opoku im Gespräch mit dem Schiri.

Spieler verlassen geschlossen den Platz

Schiedsrichter Winter wurde umgehend von seinem Assistenten an der Linie informiert, der die Beleidigungen mitbekommen hatte. Erst verließen die Gäste aus Osnabrück den Platz, kurz darauf auch die Duisburger und das Schiedsrichtergespann. Winter bestätigte nach dem Spiel bei Magenta TV, dass Affenlaute von der Tribüne gekommen seien. Sein Assistent und Opoku hätten den "Vorgang geschildert". Der Spieler sei schockiert und kaum ansprechbar gewesen.

Weil die Tribüne, von der aus die Beleidigung kam, corona-bedingt sehr leer war, wude der Zuschauer, der Opoku beleidigt hatte, nach MSV-Angaben schnell ermittelt und des Stadions verwiesen. Duisburgs Vereinssprecher Martin Haltermann sagte am späten Nachmittag, dass ein Hausverbot bereits ausgesprochen sei, am Abend folgte die Anzeige. Auch der Deutsche Fußball-Bund verurteilte die Beleidigungen und kündigte Ermittlungen des DFB-Kontrollausschusses an.

Spielabbruch nach Rassismusvorfall

Sportschau 19.12.2021 02:33 Min. Verfügbar bis 19.12.2022 Das Erste


"Nazis raus"-Rufe von den Rängen

Auf den Rängen solidarisierten sich die Fans beider Lager mit Opoku und demonstrierten mit "Nazis raus"-Rufen ihren Unmut über das Geschehene. Der Stadionsprecher spielte den antifaschistischen Song "Schrei nach Liebe" von der Band "Die Ärzte" und sendete damit ein klares Zeichen gegen Rassismus.

MSV-Präsident Ingo Wald zeigte sich "entsetzt" über den Vorfall: "Das entspricht nicht unseren Werten, das entspricht nicht unserem Leitbild. Das ist grundsätzlich immmer eine Minderheit, nur diese Minderheit stört und zerstört möglicherweise den Fußball."

Die Osnabrücker Spieler um Aaron Opoku (VfL Osnabrück ) verlassen nach einer rassistischen Zuschaueräußerung geschlossen das Spielfeld - geflogt von den Gastgebern aus Duisburg.

Nach einer rassistischen Zuschaueräußerung verlassen die Spieler den Platz.

Spieler konnte nicht weiterspielen

Michael Welling, Geschäftsführer des VfL Osnabrück, bedankte sich bei den Duisburger Fans, die geholfen hatten, den Täter dingfest zu machen. Man habe sich ungeachtet möglicher Konsequenzen dazu entschieden, nicht mehr weiterzuspielen: "Aaron ist tatsächlich sehr, sehr fertig und nicht mehr in der Lage zu spielen. Das war mit ein Grund, dass wir gesagt haben, dann treten wir nicht mehr an", so Welling.

Der VfL Osnabrück - und das ist mehr als nachvollziehbar - kann nicht mehr antreten, der Junge ist fix und alle, die ganze Mannschaft ist fertig, wir sind es ehrlicherweise auch nach diesem unfassbaren Vorfall. MSV-Sprecher Martin Haltermann

Welling: Sportliches Ergebnis zweitrangig

Der Schutz vor Diskriminierung sei wichtiger als ein sportliches Ergebnis, sagte Welling. Das dürfe "nicht zur Gesellschaft und deswegen auch nicht zum Fußball gehören". Man sei sich mit den Duisburger Kollegen einig, dass man am liebsten ein Wiederholungsspiel habe, in dem man nochmal ein Zeichen gegen Rassismus setzen könne. Der DFB teilte mit, dass das DFB-Sportgericht zu einem späteren Zeitpunkt über die Wertung des Spiels entscheiden werde.

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