Akute Abstiegsgefahr: MSV Duisburg trennt sich von Trainer Lettieri

Trainer Gino Lettieri wurde beim Drittligisten MSV Duisburg entlassen.

Akute Abstiegsgefahr: MSV Duisburg trennt sich von Trainer Lettieri

Spitzenreiter mit besten Aufstiegschancen - das war der MSV Duisburg noch vor einem Jahr. Jetzt steckt der Verein im Tabellenkeller der 3. Liga fest und ist akut abstiegsbedroht. Nach der jüngsten Niederlage hat der MSV reagiert und sich von Trainer Gino Lettieri getrennt.

Der MSV Duisburg steht nach eigenen Angaben bereits mit Nachfolgern in Kontakt. Bis ein neuer Cheftrainer gefunden ist, übernimmt interimsweise der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums Uwe Schubert.

Nur drei Monate im Amt

Lettieri hatte den Trainerposten erst im November 2020 übernommen, jetzt muss er schon wieder gehen. "Dass wir nun auch den Schritt des Trainerwechsels vollziehen, zeigt, dass wir noch lange nicht aufgegeben haben", so der Vorstandsvorsitzender Ingo Wald in einer Vereinsmitteilung am Mittwoch. Der Verein kämpfe "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln", um den Abstieg zu vermeiden.

Komplett überraschend kommt die Entscheidung nicht. Denn die Lage in Duisburg ist ernst, das zeigte auch die jüngste Niederlage. Gegen Zwickau, einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt, lag der MSV schon zur Halbzeit 0:3 hinten. "Wir haben in der ersten Halbzeit nichts von dem gemacht, was besprochen war", ärgerte sich Trainer Gino Lettieri, damals noch im Amt. Am Ende gab es eine 1:3-Niederlage. "Da gibt es kein Schönreden", so Lettieri.

Auch Kapitän Moritz Stoppelkamp verschaffte seinem Unmut nach dem Spiel Luft: "Viel schlechter als heute wird's nicht mehr gehen", sagte er bei Magenta-Sport. Die Niederlage ausgerechnet in einem Sechs-Punkte-Spiel tat weh. Darüber hinaus war es die dritte Niederlage in Folge und schon die elfte in dieser Saison. Das bedeutet: Nach dem 1:0-Sieg des bisherigen Schlusslichts VfB Lübeck gegen die SpVgg Unterhaching steht der MSV mit nur 18 Punkten am Tabellenende.

Anfällige Defensive und Verletzungssorgen

Das Spiel gegen Zwickau zeigte außerdem, wo die Probleme des MSV Duisburg liegen - unter anderem in der Defensive. 37 Gegentreffer haben die Duisburger in 21 Ligaspielen bereits kassiert - so viele wie kein anderes Team. "Wir kriegen in jedem Spiel vermeidbare Tore", analysierte vor Kurzem auch Ex-Trainer Lettieri.

Dazu kommen Verletzungssorgen in der Offensive. Das Tor zum 1:3-Endstand gegen Zwickau erzielte der erst 17-jährige Stürmer Julian Hettwer. Es war bereits sein achter Liga-Einsatz, weil viele andere Offensivspieler aktuell ausfallen.

Insbesondere der Ausfall von Toptorschütze und Topscorer Vincent Vermeij (sieben Tore/zwölf Scorerpunkte) macht sich bemerkbar. Er fehlt wegen eines Bänderrisses im Knie noch für längere Zeit. "Wenn ein Vermeij auf dem Platz stehen würde, dann hätten wir einige Spiele nicht verloren", war sich Ex-Trainer Lettieri sicher.

Der MSV Duisburg hat nicht nur auf der Trainerposition reagiert. Der Verein hat in den vergangenen Tagen auch drei neue Spieler verpflichtet: Angreifer Federico Palacios, Mittelfeldspieler Marlon Frey und Verteidiger Stefan Velkov. Fraglich bleibt vorerst aber, wie sehr sie dem Verein helfen können.

Vor einem Jahr noch Spitzenreiter

Der Duisburger Absturz kommt durchaus überraschend. Denn vor genau einem Jahr war die Welt beim MSV noch in Ordnung. Die Mannschaft war Spitzenreiter in Liga drei. Doch dann kam die Corona-Pandemie und die wochenlange Spielpause. Danach konnten die Duisburger nur drei Siege einfahren und landeten am Ende der Saison auf dem vierten Platz. Alle Aufstiegsträume waren geplatzt.

Seitdem hat Duisburg nicht zurück in die Erfolgsspur gefunden. Auch die Trennung von Lettieris Vorgänger Torsten Lieberknecht brachte nicht die erhoffte Wende. Ob ein weiterer Trainerwechsel jetzt hilft, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall steht ein extrem wichtiges Spiel an, es kommt am Sonntag erneut zu einem Sechs-Punkte-Duell. Schlusslicht Duisburg trifft auf den Vorletzten VfB Lübeck. Ein Sieg für Duisburg ist Pflicht, dann unter einem neuen Trainer, für den das sicher keine einfache Aufgabe wird.

Nie mehr erste Liga? Traditionsvereine nach dem Absturz - Teil 2 Sportschau 18.01.2021 43:38 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste

Stand: 27.01.2021, 21:25