Aufstieg verpasst: Dem MSV Duisburg ist die Puste ausgegangen

Duisburgs Marvim Compper sitzt niedergeschlagen auf der Tribüne.

Aufstieg verpasst: Dem MSV Duisburg ist die Puste ausgegangen

  • Duisburg 20 Spieltage Tabellenführer
  • Nur noch acht Punkte aus sieben Spielen
  • Aufstieg das Ziel für die kommende Saison

Vom 14. bis zum 32. Spieltag stand der MSV Duisburg in dieser Saison durchgehend an der Tabellenspitze der 3. Liga. Am Saisonende stehen die Duisburger aber plötzlich nur noch auf Rang fünf und verpasst damit den ersehnten Zweitliga-Aufstieg. Daran konnte auch der 4:0-Kantersieg gegen die SpVgg Unterhaching am Samstag (04.07.2020) nichts ändern.

"Natürlich ist jetzt eine gewisse Leere da", sagte Sportdirektor Ivica Grlic. "Wenn man lange oben steht, möchte man natürlich auch aufsteigen, aber wir haben in den letzten Wochen zu viele Punkte liegengelassen. Jetzt müssen wir uns schütteln, ab nächster Saison heißt es wieder voller Angriff und dann versuchen aufzusteigen."

Duisburg gewinnt klar - und wird nicht belohnt Sportschau 04.07.2020 03:29 Min. Verfügbar bis 04.07.2021 Das Erste

Ein Punkt und zwei Tore zu wenig

Ein Punkt und zwei Tore fehlten am Ende auf Rang vier, der durch die Meisterschaft der Bayern-Amateure immerhin noch für die Teilnahme an der Relegation berechtigt hätte. Weil aber der FC Ingolstadt sein Spiel am letzten Spieltag gegen 1860 München gewann (2:0) stehen die Zebras mit leeren Händen da.

Aber warum hat es trotz guter Ausgangslage in dieser Saison nicht geklappt? Dem MSV ist im Schlussspurt schlichtweg die Puste ausgegangen. Aus den letzten sieben Partien holten die Duisburger nur noch acht Punkte und nur noch einen Sieg, den gegen Unterhaching am letzten Spieltag.

So lief die Saison des MSV Duisburg

Als der MSV Duisburg Herbstmeister wurde, sah alles nach einem direkten Wiederaufstieg der Zebras aus. Doch in der Rückrunde verspielte der MSV die gute Ausgangsposition und verpasste am letzten Spieltag sogar die Relegation.

Duisburgs Arne Sicker (2.v.l.) und seine Mannschaftskollegen ist die Enttäuschung anzusehen

Am letzten Spieltag hatten es Duisburger nicht mehr in der eigenen Hand. Ein souveräner 4:0-Heimsieg gegen die SpVgg Unterhaching am Samstag (04.07.2020) reichte nicht zur Qualifikation für die Aufstiegsrelegation, weil Konkurrent FC Ingolstadt sein Spiel in München gewann. Die Folge: Pure Enttäuschung beim MSV. Dabei hatte die Saison gut angefangen ...

Am letzten Spieltag hatten es Duisburger nicht mehr in der eigenen Hand. Ein souveräner 4:0-Heimsieg gegen die SpVgg Unterhaching am Samstag (04.07.2020) reichte nicht zur Qualifikation für die Aufstiegsrelegation, weil Konkurrent FC Ingolstadt sein Spiel in München gewann. Die Folge: Pure Enttäuschung beim MSV. Dabei hatte die Saison gut angefangen ...

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga als Tabellenletzter geben die MSV-Verantwortlichen den direkten Wiederaufstieg als Saisonziel aus. Den Duisburgern gelingt mit einem 4:1-Sieg über die SG Sonnenhof Großaspach ein Start nach Maß. Nachdem es lange Zeit 1:1 steht, entscheidet der MSV das Spiel mit drei Treffern innerhalb von sechs Minuten, Kapitän und Anführer Moritz Stoppelkamp (Foto links) trifft doppelt.

Von den folgenden neun Partien verliert der MSV nur zwei und liegt nach dem 10. Spieltag auf Platz vier. An diesem Spieltag liegt der MSV bis zur 75. Minute mit 0:1 beim bisher sieglosen Schlusslicht Carl Zeiss Jena zurück und spielt nach einer Roten Karte gegen Arne Sicker in Unterzahl. Nach dem Ausgleich durch Stoppelkamp sorgt Vincent Vermeij mit einem Volleytreffer für den Sieg.

Im Anschluss haben die Meidericher ihre erste Schwächephase. Zunächst kassiert das Team von Trainer Torsten Lieberknecht in der Liga Niederlagen gegen Meppen und in Chemnitz. Dann blamiert sich das Team in der 2. Runde des Niederrheinpokals beim Oberligisten SpVgg Velbert und scheidet nach einem 0:2 aus (Foto). Die Chance auf einen Startplatz im DFB-Pokal durch den Gewinn des Landespokals ist damit verspielt.

Doch der MSV gibt die richtige Antwort. In der Liga folgen fünf Siege in Serie. Nach dem 16. Spieltag grüßt Duisburg mit fünf Punkten Vorsprung auf Verfolger FC Ingolstadt von der Tabellenspitze. Nur in der 2. Runde des DFB-Pokals müssen sich die Zebras trotz einer guten Leistung dem Bundesligisten TSG Hoffenheim (Foto) mit 0:2 geschlagen geben.

Von den letzten vier Spielen vor der Winterpause kann Duisburg nur eins gewinnen - gegen den FC Bayern II. Drei Tage vor Heiligabend kommt der MSV nicht über ein 1:1 in Großaspach hinaus, trotzdem hat das Team nach 20 Spieltagen einen komfortablen Vorsprung von sechs Punkten auf Platz drei. Wieder einmal ist es Kapitän Stoppelkamp, der seinen Kollegen mit einer starken Leistung und dem Treffer zum 1:1 einen Punkt rettet.

Duisburg kommt nicht gut aus der Winterpause. Aus den ersten sechs Spielen springen nur fünf Punkte heraus, trotzdem hält sich der MSV an der Spitze. Nach der 2:3-Niederlage gegen Waldhof Mannheim zieht Unterhaching aber nach Punkten mit den Duisburgern gleich. Auch andere Verfolger machen Boden gut. Die Niederlage gegen Mannheim schmerzt besonders, weil Duisburg zunächst mit 2:0 führt. Zudem ist Waldhof, das in der 86. Minute das Siegtor erzielt (Foto), danach nur noch zwei Punkte von Duisburg entfernt.

Am 6. März macht Duisburg sein vorerst letztes Spiel, dann kommt die Corona-Unterbrechung. Der MSV beendet seine Krise mit einem 1:0-Erfolg über den 1. FC Magdeburg, bei dem Yassin Ben Balla (Foto) das wichtige Siegtor erzielt. Die Zebras haben bei noch elf ausstehenden Spielen nun wieder drei Punkte Vorsprung auf die Verfolger Mannheim und Unterhaching.

Nach der Corona-Pause legt der MSV einen besseren Start hin als nach der Winterpause. Nach einem 1:1 gegen Jena folgen Siege gegen Chemnitz (2:1) und in Kaiserslautern (3:1) (Foto). Nach 31 Spieltagen hat Duisburg weiter drei Punkte Vorsprung auf die ersten beiden Verfolger Bayern II und Braunschweig, doch dieses Mal ist auch die Konkurrenz am Ball geblieben und zusammengerückt. Die Liga ist so eng wie nie - nur zehn Punkte trennen den Tabellenführer MSV vom Zehnten KFC Uerdingen.

Doch in den sechs nächsten Spielen gelingt den Meiderichern kein Sieg mehr und sie holen insgesamt nur fünf Punkte. Am 33. Spieltag zieht der FC Bayern II am MSV vorbei, der aber nicht aufstiegsberechtigt ist. Am 34. Spieltag zieht Eintracht Braunschweig vorbei, Duisburg ist nur noch Dritter. Richtig bitter wird es am 35. Spieltag, als Duisburg mit 0:1 bei Viktoria Köln verliert und danach nur noch Fünfter ist. Am vorletzten Spieltag hat Duisburg noch einmal die Chance auf einen Big Point: Bis in die Nachspielzeit führt die Lieberknecht-Elf mit 2:1 gegen Bayern II - damit würde Duisburg auf Platz vier vorrücken und hätte zumindest den Kampf um den Relegationsplatz in eigener Hand. Doch es kommt anders: Bayerns Leon Dajaku versenkt den Ball per Distanzschuss in letzter Minute im Tor. Die Partie endet 2:2, der MSV musste am letzten Spieltag auf Schützenhilfe angewiesen.

Doch die Schützenhilfe blieb am Ende aus. Am letzten Spieltag stand zur Halbzeit der MSV, der zu diesem Zeitpunkt 1:0 gegen Unterhaching führte, in der Blitztabelle noch auf dem Relegationsplatz. Doch der FC Ingolstadt schoss in der zweiten Halbzeit zwei Tore und gewann dadurch bei 1860 München mit 2:0. So verteidigte der FCI erfolgreich den vierten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigt. Die Duisburger um Geschäftsführer Ivica Grlic müssen sich trotz 4:0-Heimsieg gegen Haching mit dem fünften Tabellenplatz und mindestens einem weiteren Jahr Drittklassigkeit abfinden.

Lieberknecht moniert Spielplan

"Die Intensität war in den letzten Wochen sehr belastend, ich habe die Jungs ständig aufgebaut", erklärte Trainer Torsten Lieberknecht und monierte den vom Deutschen Fußball-Bund angesetzten straffen Spielplan mit elf Begegnungen in fünf Wochen nach dem Re-Start. Mehrere MSV-Profis waren im Juni verletzt ausgefallen und hatten Lieberknecht in der wichtigen Saisonphase gefehlt. "In dieser Mannschaft steckt durchaus Potenzial für einen gesunden Aufstieg", befand der Coach.

"Wenn man alle drei Tage spielen muss, ist das mit den ganzen Reisen ein Pensum, aber das hatten die anderen Mannschaften auch", widersprach Grlic seinem Trainer. Unabhängig von Corona hatten die Duisburger bereits unmittelbar nach der Winterpause eine Schwächephase, in der es verpasst wurde, den Vorsprung an der Tabellenspitze auszubauen.

In wichtigen Phasen fehlte die Reife

Nach dem Abstieg aus der 2. Liga vor einem Jahr hatten Grlic und Lieberknecht im Kader einen Komplettumbruch mit vielen neuen Spielern vorgenommen. In wichtigen Phasen fehlte bisweilen die nötige Reife für den Aufstieg, doch Grlic sieht im aktuellen Team ein Gerüst für die Zukunft. "Das sind junge Spieler aus der Region. Die Mannschaft hat eine gute Mentalität gezeigt, sie hat einen sehr guten Charakter. Das sind Dinge, auf die es sich aufbauen lässt", sagte der Sportdirektor.

Ein Zweitliga-Aufstieg ist im kommenden Jahr nun fast schon Pflicht, denn jedes Jahr in der 3. Liga ist für den finanziell angeschlagenen Club gefährlich, wie MSV-Präsident Ingo Wald in den vergangenen Wochen betonte. Durch den fünften Tabellenplatz hat sich der MSV aber zumindest die Teilnahme am DFB-Pokal der Saison 2020/21 gesichert. In der abgelaufenen Saison erhielt jeder Verein für die erste Runde eine Prämie von 175 500 Euro. Zudem wurde vor wenigen Tagen der auslaufende Vertrag mit dem Touristikunternehmen Schauinsland-Reise als Namensgeber für die Duisburger Arena unabhängig von der Spielklassenzugehörigkeit um ein Jahr verlängert.

lt/dpa | Stand: 05.07.2020, 13:40