KFC Uerdingen: Trainer Krämer prangert desolate Zustände an

KFC-Trainer Stefan Krämer

KFC Uerdingen: Trainer Krämer prangert desolate Zustände an

Von Julian Tilders

Seit die Übernahme des KFC Uerdingen durch die "Noah Company" bekanntgegeben wurde, hängt der Klub zwischen altem und neuem Investor in der Luft. Trainer Krämer spricht die Missstände an. Der Lizenzantrag für die 3. Liga wurde unterdessen eingereicht.

Tiefe Einblicke sind in Interviews oft schwierig zu erlangen. KFC-Trainer Stefan Krämer allerdings gab so einen tiefen Einblick am Sonntag. Vor dem Spiel gegen den MSV Duisburg platzte dem 53-Jährigen angesichts der Situation des insolventen Krefelder Klubs der Kragen.

So sei die Mannschaft "schändlich im Stich" gelassen worden, sagte er bei "MagentaSport". Spieler müssten ihr Wasser selbst kaufen, die Physiotherapeuten das Massage-Öl selbst bezahlen.

Erfahrenere Spieler helfen jüngeren aus

Im Gespräch mit dem WDR präzisierte er am Montag: "Wir haben von der Agentur für Arbeit letzte Woche das Dezember-Gehalt bekommen - bis zur Bemessungsgrenze. Das letzte Gehalt vom Klub, das Novembergehalt, kam deutlich verspätet."

KFC-Kapitän Assani Lukimya (2.v.l., 35 Jahre) klatscht mit Stürmer Heinz Mörschel (l., 23) ab

KFC-Kapitän Assani Lukimya (M., 35 Jahre) klatscht mit Stürmer Heinz Mörschel (l., 23) ab

Die Mannschaft habe einen Geldtopf eingerichtet, aus dem sich Spieler bei Engpässen bedienen könnten. Dies sei vor allem für jüngere Spieler mit weniger gut dotierten Verträgen gedacht, denen von erfahreneren Profis ausgeholfen werde. Der Trainer sagte dazu: "Falls demnächst Geld kommt, zahlen sie es zurück. Wenn nicht, tragen das die älteren Jungs."

KFC-Trainer sieht bei fehlender Perspektive "keine Chance"

Krämer lobte das Team für seinen Zusammenhalt: "Wenn alle, denen was am Profifußball in Krefeld liegt, so zusammenhalten würden, dann hätten wir mit dieser wirklich guten Mannschaft echt Möglichkeiten."

In den nächsten 14 Tagen stehen sechs Spiele an. "Da kann es sein, dass wir den Anschluss verlieren", erklärte Krämer. "Ohne Perspektive und wenn es so weitergeht wie jetzt, haben wir keine Chance."

Krämer: "Noch kein Wort gewechselt" mit neuem Investor

Schon länger hängt der KFC in der Luft. Geldgeber Mikhail Ponomarev hatte zuletzt seinen Rückzug angekündigt und vermeintlich erfolgreiche Gespräche mit der armenischen "Noah Company" und Eigner Roman Gevorkyan geführt.

Doch der schnelle Geldfluss blieb aus. Trainer und Mannschaft scheinen in der Kommunikation außen vor zu sein. "Seitdem ich weiß, dass es einen neuen Investor gibt, sofern er noch am Start ist, habe ich noch kein Wort mit ihm gewechselt", sagte der Coach.

Ponomarev: Rolle rückwärts denkbar?

KFC-Investor Mikhail Ponomarev läuft über das Spielfeld

KFC-Investor Mikhail Ponomarev läuft bei einem Drittliga-Spiel im Dezember 2020 über das Feld.

Das Einsteigen des neuen Investors scheint nun gar nicht mehr sicher. Wie die "Westdeutsche Zeitung" berichtete, soll bei den Verhandlungen ein Vertreter der Firma zuletzt unverrichteter Dinge wieder abgereist sein. Einige Medien bringen nun schon eine Rückkehr Ponomarevs bis Saisonende ins Spiel.

Die kurzfristige Zukunft des Klubs hat sich unterdessen am Montag entschieden. Wie der KFC mitteilte, hat der Verein die Lizenzunterlagen für die kommenden Spielzeit in der 3. Liga eingereicht.

"In Namen des gesamten KFC danke ich allen Beteiligten, insbesondere unseren Mitarbeitern, für die Vorbereitung des Lizenzantrags in diesen schwierigen Zeiten", sagte Geschäftsführer Nikolas Weinhart.

Auch der aktuelle Spielbetrieb ist demnach gesichert und die kommenden Spiele in der 3. Liga werden stattfinden. "Gespräche und Bemühungen darüber hinaus laufen weiterhin", sagte Insolvenzverwalter Dr. Claus-Peter Kruth.

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